Volvo Ocean Race: Müller mit Puma-Penalty im Hafenrennen dann Führung nach Etappenstart

"Traum vom Sieg lebt"

Nach dem Start der sechsten Volvo Ocean Race Etappe führt Puma an der letzten Marke Richtung Miami. © Ian Roman/Volvo Ocean Race

Das Raubtier zeigt seine Krallen. Schon kurz nach dem Start zur sechsten Etappe der Hochseeregatta Volvo Ocean Race vor Itajaí/Brasilien übernahm das „Puma“-Team mit US-Skipper Ken Read und dem Kieler Vorschiffsmann Michael Müller die Führung und baute sie in der Nacht zu Montag (23. April) auf rund fünf Seemeilen aus.

Gefolgt von der Gesamtführenden „Telefoníca“ des Spaniers Iker Martínez segelte die viertplatzierte Mannschaft mit Kurs auf das 4.800 Seemeilen (8.860 Kilometer) entfernte Miami in Florida (USA), das in zwei Wochen erreicht werden soll. Den Rückstand im Zwischenklassement hatten Read und Müller am Sonnabendabend durch einen dritten Rang im Hafenrennen auf 32 Punkte verkürzt. Die ersten vier Crews können das Rennen rund um die Welt noch gewinnen. Es geht Anfang Juli nach 39.000 Seemeilen (72.000 Kilometer) im irischen Galway zu Ende.

Nach dem knappen Gewinn der Königsetappe, dem härtesten und längsten Teilstück von Neuseeland nach Brasilien, ist die Besatzung der 21,50 Meter langen Hightechyacht „Mar Mostro“ bis in die Haarspitzen motiviert. „Mit dem ersten Sieg haben wir bewiesen, dass unser Traum von Platz eins in der Endabrechnung lebt“, so Müller, „jetzt wollen wir es wissen.“

Telefonica macht Eundruck mit einem fulminanten Start zur sechsten Etappe. © Ian Roman/Volvo Ocean Race

Das Team war durch einen Mastbruch zum Auftakt gleich ins Hintertreffen geraten. Seitdem lief der Puma der Spitzengruppe hinterher. „Meine Jungs wissen, was die Stunde geschlagen hat“, sagte Ken Read, „mit einem Heimsieg könnten wir aufs Podium springen.“ Ihr Boot war in Newport/Rhode Island gebaut worden; das Syndikat Puma Ocean Racing wird am US-Hauptsitz des Sponsors in Boston geführt.

Aber auch die deutschen Segelfans fiebern mit der schwarzen Katze, denn „Michi“ Müller ist ihr einziger Landsmann bei der gnadenlosen Hatz um den Globus. Nach einer Woche Heimaturlaub an der Kieler Förde mit „viel schlafen, gut essen sowie Familie und Freunden“ machte sich der 29-Jährige wieder an die Arbeit.

Schon beim DHL In-Port-Race musste der Mann auf dem Bug plötzlich kräftig zupacken. Der Skipper hatte die Yacht zwar als Erster über die Startlinie gesteuert, dabei jedoch aus Sicht der Schiedsrichter die vorfahrtberechtigte „Abu Dhabi“ von Ian Walker behindert.

„Da war gar nichts“, wunderte sich Read, ließ seine Mannschaft aber folgerichtig eine 360-Grad-Strafdrehung machen, die außergewöhnlich schnell über die Bühne ging. Müller: „Das Manöver haben wir so einstudiert, nachdem es uns in Abu Dhabi gründlich misslungen war.“

Dagegen patzte der 49er-Olympiasieger von 2004, Iker Martínez. In Führung liegend rundete er eine falsche Wendetonne und wurde statt Erster nur Fünfter. Obwohl die Hafenrennen nur einfach gewertet werden, profitierten die Verfolger vom Ausrutscher. Franck Cammas gelang mit der „Groupama“ der erste Sieg; seinen Rückstand verkürzte er auf 16 Zähler.

Die Franzosen waren auf der von schweren Materialschäden geprägten fünften Etappe nach einem Mastbruch noch Dritte geworden, weil die neuseeländische „Camper“ von Chris Nicholson durch einen langen Reparaturstopp in Chile eine Woche länger gebraucht hatte. Sowohl die „Abu Dhabi“ als auch die chinesische „Sanya“ (Mike Sanderson) gaben ganz auf. Letztere musste gleich auch noch auf die gerade gestartete Etappe verzichten und wird erst in Miami wieder zum Rest des Felds stoßen.

Ab geht´s Richtung USA. © PAUL TODD/Volvo Ocean Race

„Die ersten Stunden und Tage dürften die schönsten Segelbedingungen seit langem bringen“, las Ken Read aus den Wettervorhersagen, „es geht mit mäßiger Brise und moderater Welle vor dem Wind die Küste Brasiliens hoch.“ Darauf hatten sich alle Teilnehmer gefreut, nachdem die erste Nacht nach dem Start in Auckland als vielleicht brutalste überhaupt in die Geschichte des Volvo Ocean Race eingehen wird.

„Aber es kann auch auf dieser Strecke heftige Gewitterböen in Sturmstärke geben“, warnte Müller, für den es bereits die zweite Weltumrundung ist. 2008-09 war er mit dem gleichen Team Zweiter geworden. In jedem Fall verspricht der Kurs über den Äquator ein taktisch anspruchsvolles Rennen mit vielen Fallen, aber auch Überholmöglichkeiten.

Gleich die erste Chance dazu hatte das „Puma“-Team schon auf der ufernahen Dreiecksrunde umgemünzt, die dem Trip nach Florida vor den Augen vieler tausend Zuschauer in Itajaí vorangestellt war.

Die Segelfans sahen zwar zunächst das gewohnte Bild. Einmal mehr übernahm die bisher souveräne „Telefoníca“ nach dem Start die Führung. Doch Read & Co. streiften nicht nur die „Camper“ ab, sondern nutzten danach auch ein kleines Manöverproblem der Spanier. „Der Weg ist noch weit, aber es ist schon ein gutes Gefühl, hier als Sieger angekommen zu sein und als Erste wieder wegzufahren“, strahlten der „Puma“-Skipper und seine zehn Mitstreiter.

Zwischenstand nach fünf von neun Etappen

1. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien) 149 Punkte

2. Groupama (Franck Cammas/Frankreich) 133

3. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland) 124

4. Puma (Ken Read/USA) 117

5. Abu Dhabi (Ian Walker) 58

6. Sanya (Mike Sanderson/China) 25

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Ein Kommentar „Volvo Ocean Race: Müller mit Puma-Penalty im Hafenrennen dann Führung nach Etappenstart“

  1. avatar Stefan Z sagt:

    Im Moment sind noch alle gestarteten Hochseeyachten im Racemodus unterwegs. Ich fieber schon ganz doll mit der schwarzen Katze mit.

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