Volvo Ocean Race Videos: Wie “Sanya” sich den Bug aufriss

Dem Untergang geweiht

Viel war nicht von Mike Sanderson mit seinem Gebrauchtschiff, der ex “Telefonica blue”, erwartet worden. Zu spät stieg er in das Volvo Ocean Race ein, als dass ihm gegen die Konkurrenz eine Chance eingeräumt worden wäre. Aber der Ausfall so kurz nach dem Start ist dann doch erschreckend.

Das Ausmaß des Schadens. Auf der gesamten schwarzen Fläche ist die Außenhaut aufgerissen. © Andres Soriano/Team Sanya/Volvo Ocean Race

Besonders der Ausmaß des Schadens gibt zu denken. Der gesamte Bugbereich ist delaminiert. Durch einen großen Riss ist tonnenweise Wasser in die Yacht geflossen. Sanya war dem Untergang geweiht. Nur das vordere Schott hat das schlimmste verhindert. Die Videos und Bilder geben einen Eindruck von den Vorgängen.

Es fehlte nicht viel, und “Sanya” wäre
ganz aus dem Rennen genommen worden. Aber Sanderson hat nun verkündet, dass mit den Sponsoren und Ausrüstern eine Lösung gefunden sei, die einen Start zur zweiten Etappe am 11. Dezember möglich mache.

Jede Menge Mittelmeer ist durch den Riss ins Vorschiff eingetreten. © Andres Soriano/Team Sanya/Volvo Ocean Race

Dafür werde das Schiff von Motril zum Hafen von Gibraltar gebracht, von wo es auf einem Schiff der Reederei Maersk am Sonntag Richtung Kapstadt transportiert wird. Dort soll es am 27./28. November eintreffen und mit einer komplett neuen Bugsektion ausgestattet werden.

Eine solche Operation dauert normalerweise zwei bis drei Wochen. Das Sanya Team muss es in einer Woche schaffen. “Wenn wir weiter so hart kämpfen, werden wir mit diesem Team noch große Erfolge feiern”, glaubt Skipper Sanderson.

Die Delamination der Außenhaut verläuft über den gesamten Bugbereich. © Andres Soriano/Team Sanya/Volvo Ocean Race

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Riss, der möglicherweise nach einer Kollision mit Treibgut entstand. © Andres Soriano/Team Sanya/Volvo Ocean Race

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 

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Carsten Kemmling

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9 Kommentare zu „Volvo Ocean Race Videos: Wie “Sanya” sich den Bug aufriss“

  1. avatar Owe Jessen sagt:

    Soll noch mal einer sagen, die Boote wären unterdimensioniert gebaut worden. Bei dem Schaden wäre ich eigentlich davon ausgegangen, dass der Bug einfach abknickt (z. B. durch Wellenschlag oder die Vorstagsspannung).

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  2. avatar T.K. sagt:

    Sieht aus als hätte ein Unterwasserhindernis (treibender Container) das Schiff längs aufgeschlitzt. Und anschl. hat sich der Rest der Haut langsam abgepellt…..

    – Erschreckend –

    Andererseits wirklich erstaunlich dass der Kahn nicht abgesoffen ist.

    Da sieht man mal was ein wasserdichtes Schott bringen kann!

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  3. avatar stefan sagt:

    …naja, nach Aussagen der Leute an Bord hat es keinen hörbaren Kontakt mit einem Gegenstand gegeben. Es kann auch gut sein, das einfach die Belastung durch das Prügeln durch die steile See zur Überlastung geführt hat. Kein gutes Zeichen. Aber man sollte bedenken, dass dieses Schiff schon ein komplettes VOR (als Telefónica Blue) auf dem Buckel hat.

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  4. avatar Christian sagt:

    ein Schiffsbauingenieur könnte uns sicher vorrechnen, wieviel Flächenbelastung so ein Bugbereich bei dem gegebenem Materialeinsatz in Lastspitzen maximal aushält. Und wie schnell bzw. tief ein Boot in ein Wellental knallen muss, damit die maximale Belastbarkeit überschritten wird. Bei den VOR wird man wie bei jedem Rennboot sicherlich ans Materialminimum gegangen sein. Da reicht dann schon eine kleine Beschädigung, damit der Bugbereich großflächig delaminiert.

    Aber man sollte sich hüten, die Konstrukteure, Bootsbauer usw. zu geißeln. Es sind einfach versammt große Kräfte, die hier wirken, und die Boote werden extrem gepusht. Dass die Konstrukteure dazu gelernt haben, beweist die Tatsache, dass das Boot nicht abgesoffen ist.

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    • avatar Europe sagt:

      Im Video wird was von 2mm Materialstärke geredet….. dann wundert es mich nicht wirklich, wenn so etwas bricht. Lieber die Klassenregel einem höheren mindestgewicht anpassen und so eine höhere Stabilität erreichen. So kommt es auch zu weniger Bruch, und es können mehr Teilnehmer länger im Rennen bleiben. Aber so ein Schott Wirkt schon wunder

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      • avatar T.K. sagt:

        2mm sind nur die Carbonreste der innern Carbonlage des Sandwiches in diesem Bereich. Solange das ein Sandwich ist ist das extrem stabil. Auf dem Foto auf dem das Schiff von unten zu sehen ist, kann man erkennen, dass das nicht nur die äussere Carbonhaut fehlt sondern auch die sandwichfüllung. Umso erstaunlicher, dass dieser schwabbelige Rest zusammengehalten hat.

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  5. avatar Jelek sagt:

    Sieht schon interessant aus

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  6. avatar Peter sagt:

    Verdammt sauberes Hafenwasser ! Das haben wir in der Ostsee selten…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

  7. avatar Claus sagt:

    …man soll ja niemals nie sagen, aber den berühmten Container, der ganz kurz unter der Wasseroberfläche treibt gibt es nicht. Entweder er geht unter oder er treibt hoch auf! Ein hydrostatisches Gleichgewicht kurz unter der Wasseroberfläche ist (rechnerisch) zwar möglich, jedoch ist der Bereich zwischen Auftrieb und Gewicht so eng, dass die Wahrscheinlichkeit einen solchen Container zu treffen gegen Null strebt.

    Für mich ist der Hinweis, dass SANYA bereits einmal das VOR gesegelt hat wesentlich zielführender bei der Suche nach der Schadenursache. Der Schaden ist in einem Bereich, wo der Rumpf die größten Slamming-Lasten tragen muss. Und Carbon hat eben doch eine gewisse Materialermüdung- wir alle kennen das Geräusch unter Deck (Knistern) beim Segeln, welches davon herrührt, dass das Gelege / Fasern sich aus einer ursprünglichen Lage bewegt und somit die Konstruktion schwächt. Und irgendwann ist eben der Punkt da, wo es bricht/versagt…..

    Daher wird es ganz wichtig sein/werden die Boote „pfleglich“ über die Etappen zu bringen und rechtzeitig den Druck raus zu nehmen. Besonders auf den Etappen mit hohem am Wind Anteil!

    Nur leider ist das bei solchen extremen Maschinen wie den VOR 70 nicht ganz leicht möglich, die Dinger gehen immer voll voran….

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