Weltumseglung: Stéphane Narvaez bricht vierfache Antarktis-Umrundung frühzeitig ab

Eisberge zu nördlich

die Oikos ist ein Fantstisches Hochseeschiff – aber kein Eisbrecher! © narvaez

die Oikos ist ein Fantstisches Hochseeschiff – aber kein Eisbrecher! © narvaez

So früh hatte der Franzose nicht mit der Sichtung von Eisbergen  gerechnet. Das Risiko für die Antarktis-Rundungen sei so zu hoch, erklärte er. Und drehte um.

Um es gleich klarzustellen: Stéphane Narvaez ist alles andere als ein Weichei. Der Mann hat enorme Hochseeerfahrung, segelte als sechster Mensch solo und nonstop gegen die vorherrschenden Windrichtungen und Strömungen um die Welt.

In der französischen Cruising-Szene ist er vor allem für seine Umweltschutz-Projekte bekannt; er wird als vorausschauender, gelassener Abenteurer bezeichnet. Narvaez selbst behauptet von sich, ein „vernunftbegabter“ Segler zu sein – überhaupt der wohl wichtigste Grund, warum er von seinen zahlreichen, spektakulären Törns bisher immer unversehrt zurückkehrte.

"Vernunftbegabter Segler" © narvaez

“Vernunftbegabter Segler” © narvaez

Und gerade weil Narvaez aus seiner Vorsicht nie einen Hehl machte, hat die Entscheidung, sein letztes Abenteuer bereits in einer frühen Phase abzubrechen, nichts mit Ängstlichkeit, Selbstüberschätzung oder etwa Feigheit zu tun. “Das war reine Vernunft, was sonst?” sagte er später gegenüber den Medien.

Im April 2014 startete der französische Hochseetourer zu einer Art wissenschaftlichem Abenteuer: Nach Start im Mittelmeer und Anreise über den Atlantik wollte er nonstop vier Mal um die Antarktis segeln und dabei Unmengen wissenschaftliches Material sammeln, u.a. zur Auswertung der Plastik-Feinteilbelastung im Southern Ocean. (SR berichtete)

Doch schon am 1. Juli meldete er erstmals einen Eisberg. „Als ich routinemäßig nachts auf Ausguck ging, sah ich den riesigen „Eiswürfel“ unweit von mir. Mir wurde es ganz anders bei dem Anblick!“ Auf Höhe 38° Süd und 1° Ost war das… und es sollten weitere Sichtungen folgen.

„Das schockierte mich zutiefst. Natürlich war mir klar, dass ich im Laufe dieser Reise Eisbergen begegnen würde, aber doch nicht in derart „warmen“ Gefilden“, berichtete er in einem Interview gegenüber seiner „Heimatzeitung“ Nice-Matin. „Geplant war, dass ich exakt auf dem „Korridor“ segeln würde, auf dem auch die Vendée Globe unterwegs war. Doch der war nun alles andere als eisfrei!“

Schlechte Voraussetzungen für eine Reise, die ihn viermal im Zeitrahmen von 12 Monaten, um den Pol führen sollte.logo4sms-S

„Es konnte keine andere Entscheidung als die Rückkehr geben!“ stellte der Abenteurer klar, als er Ende August nach der zwei Monate dauernden Rückreise mit der „Oikos“  in seinem Mittelmeer-Heimathafen Antibes anlegte.

Alle Wissenschaftler, die Narvaez mit unterschiedlichen Aufgaben betrauten, reiben sich trotzdem zufrieden die Hände. Denn ihnen konnte der Segler bereits über 6.000 Messungen (teils automatisch: Temperatur und Salzgehalt der Wasseroberfläche) überreichen. Mit regelmäßigen Wasserproben und anschließenden Analysen direkt an Bord erstellte Narvaez zudem ein Protokoll über die unterschiedlichen Verschmutzungsgrade durch Mikro-Plastikteile im Atlantik.

Für den französischen Segler ist das Projekt „vier Mal um die Antarktis“ jedoch noch nicht ad acta gelegt. „Meine Sponsoren aus der Wissenschaft und ich selbst als Segler, wir sind alle durchaus willig, müssen aber erst  lernen, die Eisberg-Situation für einen derart langen Zeitraum im Southern Ocean präziser einzuschätzen.“

Tipp: Uwe Röttgering

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https://northsails.com/sailing/de/

2 Kommentare zu „Weltumseglung: Stéphane Narvaez bricht vierfache Antarktis-Umrundung frühzeitig ab“

  1. avatar Rolf sagt:

    “Die Ausdehnung der antarktischen Meereisdecke ist derzeit (Sept. 2014) so groß wie in den zurückliegenden 30 Jahren nicht.” Zitat Alfred-Wegener-Institut

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    • avatar stefan sagt:

      ….was ja aber nichts mit den Eisbergen zutun hat, denn Meereis erzeugt keine Eisberge.

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