Olympia 2012: Gast-Kommentar zum Abschneiden des deutschen Olympiateams

Deutsche Segler zu intelligent, um voll auf Segelsiege zu setzen?

Ferdinand Gerz und Patrick Follmann gehören zur jungen Generation, die eine zweite Olympiakampagne planen. © Marina Könitzer

Ferdinand Gerz und Patrick Follmann gehören zur jungen Generation, die eine zweite Olympiakampagne planen. © Marina Könitzer

Mal ganz ehrlich, wer außer den hauptamtlichen Zweckoptimisten fühlt sich von dem etwas enttäuschenden Auftreten der DSV-Mannschaft in Weymouth wirklich überrascht?

Der negative Trend ist seit den Olympiaerfolgen von Kingston 1976 (3 x Gold, 2 x Bronze) eindeutig negativ: die goldenen Zeiten des deutschen Segelsports sind vorbei. Wir sind im Segeln keine Macht mehr, vielleicht gerade noch eine Mittelmacht.

Das gilt übrigens genauso so für das Dickschiffsegeln, wo deutsche Boote und deutscher Bootsbau, nach den legendären Tonner-Klassen- und Admiral’s Cup-Erfolgen der siebziger und achtziger Jahre, keine internationale Bedeutung mehr haben.

Der Segelsport in Deutschland verliert dramatisch an Interesse, nicht nur in der breiten Öffentlichkeit, auch unter den Seglern selbst. Das Bild des Segelns in Deutschland hat sich vollkommen verändert, denn auch unsere Gesellschaft verändert sich rapide.

Segeln als Ausweg aus vermuffter Nachkriegsgesellschaft

Die Erfolge von einst gelangen Seglern einer Generation, die in ihrem Sport einen Ausweg aus der vermufften, verdrucksten, Nachkriegsgesellschaft sah, als die seglerische Ausbildung noch mit Befehlsstrukturen aus der Kriegsmarine einherging. Davon versuchte sich die junge Generation (es gab sogar den Begriff von der „Segel-APO“) zu befreien.  So wurde Segeln zur Rebellion, zur Emanzipierung von den alten Knackern.

Aber erst, als sich in den siebziger Jahren zu Ehrgeiz und Erfahrung Selbstbewusstsein und Lockerheit gesellten, stellten sich die großen Erfolge ein, die mehrfache Admiral’s Cup-Gewinne und Olympiamedaillen möglich machten.

Irgendwann nahm dann die Lockerheit überhand. Man glaubte, ein gewisses Talent könne für eine Medaille reichen. Dem Deutschen Segler-Verband, der lange auf die erfolgsabhängigen Mittel aus dem Fonds der staatlichen Olympiaförderung schöpfen konnte, gelang es, einen wirklich erfolgreichen Kader zu etablieren. Deutschland blieb im Jollen- und Kielboot-Bereich – gemessen an EM- und WM-Ergebnissen – die erfolgreichste Segelnation der Welt.

Zu den Spielen ließen sich stets alle olympischen Klassen besetzt – und zwar durchweg mit Ausnahmeseglern der ersten Plätze internationaler Ranglisten, oder gar mit Weltmeistern, also mit Crews, die selbstbewusst ihre Endkampfchance anpeilten.

Andere Gesetze bei Olympia

Es zeigte sich aber schnell, dass bei Olympia andere Gesetze gelten. Talent allein reicht nicht. So hieß es für die deutschen Teams regelmäßig: „Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu“.

Ich kann mich an manche olympischen Spiele erinnern, bei denen „Grippe“ oder „Magenverstimmungen“ als Entschuldigung für schwache Leistungen eine Rolle spielten. Auch 2012 drückte hier und da der Magen. Psychosomatisch gesehen: ein Klassiker.

Jetzt kann man sagen, ja, aber was ist mit Jochen Schümann?  Jochen ist ein absoluter Ausnahmesegler, wie es in Deutschland nur der geniale Willi Kuhweide war. Dazu ist Jochen als DDR-Kadersegler durch eine hammerharte Ausbildung gegangen. Nur, welcher Segler würde sich heute so einem Fegefeuer unterziehen?

Mit den olympischen Misserfolgen stand der DSV bald vor dem Problem, dass die öffentlichen Mittel schwanden und auch das Interesse der Wirtschaft auf einen Tiefpunkt rutschte. Welche Rolle der Segelsport in Deutschland als Marketinginstrument für Unternehmen spielt, sehen wir ja an den vielen vergeblichen Bemühungen, eine America’s Cup-Herausforderung auf die Beine zu stellen, oder wenigstens einem der durchaus begabten Ozean-Speed-Spezialisten substanziell unter die Arme zu greifen.

Inzwischen gibt es immerhin den VW/Audi-Konzern, der bereit ist, den Olympiaseglern Wind in die Segel zu blasen. Das ist löblich, aber nur ein schwaches Lüftchen gegenüber Nationen wie Großbritannien oder Spanien, in denen Segeln als Nationalsport gilt, den sogar die jeweiligen Königshäuser aktiv betreiben.

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29 Kommentare zu „Olympia 2012: Gast-Kommentar zum Abschneiden des deutschen Olympiateams“

  1. avatar Axel Fincke sagt:

    Eine gelungene Analyse !

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    • avatar Uwe sagt:

      Fehlanalyse !

      Im Gegensatz zum Reitsport sind beim Segeln viele neue Staaten aus dem ehemaligen Ostblock und aus Asien dazugekommen.
      Vor 50 Jahren war es vergleichsweise einfach eine Segel-Medaille zu erringen, da der Teilnehmerkreis kleiner war.
      Heutzutage ist nicht nur das Niveau höher sondern die Konkurrenz auch zahlenmässig grösser geworden.

      Die deutschen Reiter haben es nach wie vor leicht, eine Medaille zu holen, für die deutschen Segler ist es wesentlich schwieriger geworden !

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  2. avatar Schlaufuxx sagt:

    Die Bewertung der “gesellschaftlichen Analyse” lasse ich mal offen.
    Die Begründung für die Stärke der Briten und die schwäche der Deutschen halte ich für falsch.
    Die Engländer haben eine ähnliche Vereinsstruktur wie wir in Deutschland und widmen sich dort auch eher dem Breitensport und nicht dem Spitzensport.
    Ben Ainsley ist ein Ausnahmetalent, das nicht die Struktur des britischen Segelspitzensports repräsentiert.
    Wieviel Segelmedaillen haben die Briten denn noch ?!

    Es gibt allerding einen entscheidenden Unterschied zwischen GBR und GER:
    Die Briten werden aus einer staatlichen Lotterie gefördert, vergleichbar unserer Fernsehlotterie ( die Pauli sponsort).
    Es ist doch in allen Spitzensportbereichen zu sehen, dass die Sportförderung in Deutschland ineffizient ist.
    Es gibt unzählige Töpfchen von Bund, Land, Bundespolizei, Zoll, BW, Landessportverbänden, private Initiativen (NRV Olympic Team o.ä.), die mitnichten aufeinander abgestimmt sind und keine Kräfte bündeln.
    Gerade im Segelsport gibt es seitens des DSV kein Sichtungssystem um junge Segler an den Spitzensport heranzuführen. Der DSV wacht erst auf, wenn jemand im Feld von 180 Teilnehmern Vize-Europameister wird. Vorher müssen Mama und Papa den Spass fördern.

    Ich denke das mediale Problem des Segelsports ist behoben. Die diversen Streams, annehmbaren Kommentierung und auch die Vorstellung unserer Segelolympioniken kann man in London 2012 als gelungen betrachten. (2008 habe ich kein Rennen verfolgt, 2012 min 10).

    Jetzt kann man nur wünschen, dass die STG die finanziellen Kräfte bündelt und der DSV aufhört in 4-Jahres-Zyklen zu denken. Das wäre doch mal die richtige Position für Jochen, da den Vorstand Leistungssport zu besetzen.

    PS:
    Zum Thema Nachwuchssorgen,
    kann ich nur mal empfehlen in Hamburg unter der Woche zum MSC zu gehen, der das ganze sehr professionell betreibt und Wartelisten hat, ein Verein weiter beim BSC wird eher die Breite gefördert und auch das mit Erfolg.
    Das wird engagierten Clubs in ganz Deutschland sicher nicht anders gehen.

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  3. avatar Kristof sagt:

    Ich wetten, unser Segelreporter verfolgt schon gebannt und mit gezücktem Wörterbuch diese Diskussion: http://ykom.de/x/663
    Und wird uns demnächst erzählen, was man daraus für Deutschland lernen kann. 😉

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  4. avatar RVK sagt:

    Ich bin mir nicht so sicher, ob die Aussage, dass Dressurreiten und Gold im Gegensatz zum Segeln Plaisir-Sportarten einer saturierten Mittel- und Oberschicht sind.

    Gerade in der BWL und Jura Uni Welt gilt es heute als ausgiebigst schick anstelle Golf und Tennis einen Segelschein zu machen.

    Auch wenn Svante vollkommen recht hat, dass bis heute Segelsportler kaum oder nur schwierig den Weg in eine klassische BWL, Jura, Medizin oder sonstwas Laufbahn zurück finden, bleibt mir der Grund dahinter ein Rätsel. So bringt doch gerade Segeln als Leistungssport all die gewünschten und heute so essentiell geforderten Eigenschaften mit, die in keinem glattgebügelten Lebenslauf mehr fehlen dürfen: Teamgeist, Ausdauer, Intelligenz, Abstraktionsvermögen, Analysekraft, etc.

    Ich befürchte viel mehr, dass die Entwicklung des Segelsports zu einem “Luxus”-Proll Sport a la Golf, Tennis, Polo etc. gerade erst beginnt. Ob das uns im Spitzensport wie von Svante beschrieben durch höheres Sponsoringpotential und mehr Verwendungsattraktivität unserer Sportler voran bringt, mag ich nicht zu sagen. Ich weiß aber, dass ich die möglichen Folgen für den seglerischen Breitensport sicherlich nicht erleben will. Golfer, Lacoster-Träger und Ralph-Lauren Karrieristen, die sich in Marinas und auf Regattabahnen mit einem gefährlichen Halbwissen und dem passenden Savoir Vivre breit machen.

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  5. avatar Marsha sagt:

    Hier in UK wird 10 Monate im Jahr gesegelt; eine frostbedingte Winterpause findet kaum statt.
    Zudem steht auf der Insel der Wettkampf-Gedanke beim Segeln (wie auch generell) klar im Vordergrund. Es wird in Vereinen z.B. jeden Mittwochabend Regatta gesegelt. Die meisten Segelvereine in D, die ich kennengelernt habe, sind eher an der gediegene Freizeitgestaltung orientiert. Nicht weiter schlimm, aber sicher ein Grund dafür, dass Wettsegeln ein Stiefmütterchendasein führt.

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    • avatar Uwe sagt:

      Richtig !

      Gegen die Segelprofis haben unsere Amateure, die neben dem Segeln noch studieren oder beruflich tätig sind bei Olympia keine Medaillen-Chance.

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    • avatar Backe sagt:

      @Marsha: Ich glaube, genau da liegt der Hase im Pfeffer!
      In GBR, aber auch in AUS heißt “Breitensport Segeln” immer auch Regattasegeln…
      In GER heißt Breitensport “bloß keine Regatta”, lieber nur “just for Fun”(außer vielleicht die eine Clubregatta, die im Jahr auf der heimatlichen Talsperre gesegelt wird.) Und Mittwochsregatten sind hierzulande meist Dickschiff-Regatten.

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    • avatar 12seemeilen sagt:

      Das sehe ich auch so. Der Wille sich zu messen ist in einigen Ländern ausgeprägter. Man sollte nicht vergessen: Konkurrenz belebt das Geschäft. Aber es ist doch auch schön, dass sich nicht immer alles nur um Leistung dreht. Das Segeln als Freizeitsport anzusehen ist natürlich sympatischer.

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  6. avatar Segler-Vater sagt:

    Nicht nur in UK wird in 10 Monaten im Jahr gesegelt. Als Vater eines süddeutschen “Segeltalentes” mit Kader-Zugehörigkeit reißen wir jedes Jahr locker eine Erdumrundung an Kilometern ab, investieren 10tausende von Euros ins Segeln – und was bekommt man als Förderung? Genau – ich hätte den Sohn zum Fußball schicken sollen, das kostet mich nicht so viel und bringt sogar was…
    Professionelle Strukturen sehen anders aus. Und sich dann zu wundern, dass von “unten” nichts nachkommt, wo doch hier bei Segelreporter so schön dargelegt worden ist, dass nur Segler mit viel Erfahrung überhaupt Chancen bei Olympia haben, geht eigentlich gar nicht. Und ich nehme hier ganz bewusst das STG nicht aus. Auch Audi und SAP als Hauptförderer des STG sind an einer Breitenförderung nicht interessiert sondern wollen offensichtlich nur eine Elite von standesbewussten Förderwürdigen.
    Ein weiterer Punkt, der natürlich dem entspricht, was im Artikel schon Erwähnung findet: Segler müssen ein gewisses Maß an Intelligenz besitzen. Schon in jungen Jahren ständig nicht zur Schule zu können, weil große internationale Regatten anstehen, Arbeiten und Lernstoff verpassen, an Wochenenden nicht lernen zu können, unter der Woche ein volles Trainingsprogramm zu absolvieren, ständig in Stützpunkte anzureisen, keine Ferien zu Hause – das ist nur mit einer gewissen Grund-Intelligenz zu schaffen. Und wenn man dann als Segler eben merkt, dass die Verbands- und Förderstrukturen auch nur die Ausnahmetalente kurzzeitig fördern (bis das nächste Talent kommt), tja, dann überlegt sich so mancher, dass das Leben neben dem Segeln doch auch was zu bieten hat und steigt aus dem Leistungssport aus.

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    • avatar Torsten Graf sagt:

      Förderung ist wichtig, keine Frage. Immer. Wer aber seine Kinder zum leistungsmäßigen Segelsport gibt, hat bald ein Problem, wenn er nicht „naturreich“ ist. Ich wusste das nicht, als ich meine Kinder anmeldete. Nicht mal, das es ein Leistungssport sein kann. Insofern einiges an Zustimmung zu ihrem Beitrag. Breitensport „Segeln“ geht aber auch ohne besondere Förderung. Weil es einfach ein toller Sport ist. Die Vereine leisten diesbezüglich m. E. genug. Dafür ein dickes Lob. DAS sollte GERADE nicht nur an die Vereine gehen, die Leistungssport fördern.
      Segeln als bedeutende Breitensportart funktioniert aber nur, wenn es ERSTENS erfolgreiche Vorbilder gibt und ZWEITENS, wenn der Sport dann durch schnell verfügbare Information und gut visible Vermittelbarkeit einer breiten Masse dargestellt wird. Und das dann auch noch geschieht. Das versucht STG zu organisieren. Insofern ist die Initiative die notwendige, richtige und einzig mögliche Maßnahme für die erfolgreiche Weiterentwicklung des Segelsports. Der Breitenspot zieht dann automatisch nach. Audi und STG haben das Potential des Sports Segeln positiv bewertet. Ich als Fußballer zwischenzeitlich auch. Die herausklingende Kritik ist deswegen m. E. nicht berechtigt.
      Den Punkt mit der „Intelligenz“ haben Sie wohl falsch bewertet. Es braucht nicht an besonderer Intelligenz, die „Doppelbelastung“ in jungen Jahren zu managen, das geht „en passant“. Vielmehr ist das Resultat von gesunder Intelligenz, rechtzeitig die Notbremse zu ziehen und sich auf Ausbildung und Berufsleben zu konzentrieren. Weil der Segelsport investitionstechnisch des „Inputs“ keinen entsprechenden „Output“ erwarten lässt. Zumindest kurzfristig oder oberflächlich betrachtet.
      Vor dem Hintergrund der bestehenden gesellschaftlichen Wertschätzung des Segelsports machen auch die Verbände und der Staat schon eine Menge. Wenn man Ihren Maßstab zugrunde legt, müsste der Segelsport eine deutlich bedeutendere Rolle in Deutschland spielen. Tut er nicht. Daran wollen die Segelsportbegeisterten etwas ändern. Und das versucht die Initiative STG zum Positiven zu ändern. Mit den richtigen Schritten. Aber Rom ist nicht an einem Tag erbaut. Das dauert und verlangt, dass jeder daran mitwirkt. Ihre Kritik ist bei profunder Betrachtung viel zu oberflächlich. STG kann nicht mit einem Schlag die A-Nationalmannschaft, alle Nachwuchstalente vom Jüngsten bis zum Junior und den Breitensport in der vermeintlich notwendigen Art und Weise gleichzeitig bestmöglich fördern. Dazu wäre deutlich mehr Investment notwendig, als zur Verfügung steht. Es sind vielmehr kleinere Schritte, die gemacht werden müssen. Und mit dem Breitensport anzufangen wäre wohl der längste Weg, den man gehen könnte. Es gab ja schon den Streit hinsichtlich der Verteilung bei A-Nationalmannschaft und den Nachwuchtalenten. Den eingeschlagenen Mittelweg erachte ich für die zur Verfügung stehenden Mittel unter Berücksichtigung unserer schnelllebigen Zeit für den richtigen.
      Zum Abschluss noch ein Gedanke, der mich bewogen hat, meine Kinder auf dem Weg nach Kiel zu bestärken und den (schmerzlichen) finanziellen Kurs (bis zu einem verträglichen Maß – was auch immer das ist 😉 mitzugehen : Der Weg ist das Ziel! Ein toller Sport, eine schöne Szene mit intelligenten (da ist es wieder) Protagonisten, eine daraus resultierende gute Resozialisation mit Zielen, die meinen Werten entspicht. Und da spielt es am Ende weder eine Rolle, ob meine Kinder das Ziel Olymia schaffen, oder vom Segeln am Ende leben können. Wichtig ist alleine, dass sie am Ende ein glückliches, zufriedenes Leben führen, darauf bestens vorbereitet sind und sich an eine schöne Jugend erinnern. Was am Ende dann richtig ist weist wie immer, die Geschichte.

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      • avatar Torsten Graf sagt:

        Was ein Faux pas 🙁
        “Resozialisierung” wird hoffentlich nicht nötig sein 😉
        “Sozialisation” war natürlich gemeint!
        Der Job und das Alter zollt schon seinen Tribut, bitter…

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  7. avatar Segler -Mutter sagt:

    Wie sagt man so schön….kann mich meinem Vorredner in fast allen Punkten anschließen. Ein paar Abweichungen wären: drei segelnde Kinder, norddeutsches Binnenland, es waren auch schon mal 12 Monate….
    Mehr oder weniger leidvolle Erfahrungen mit “professionellen” Strukturen haben wir zur Genüge, …..

    Aber wir hoffen, dass unsere Kinder trotz der Erfahrungen, die sie damit machen mussten, beim Segeln bleiben und den tollen Sport noch viel Jahre, auch wenn sie ihre Füße nicht mehr unter unseren Tisch stellen, ausüben können und wollen….als Leistungssportler oder aber auch als Breitensportler.

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    • avatar Rolf Albert sagt:

      Jepp ! Darum gehts eben auch. Hier kann ich mich nur anschließen, mit wiederum ein paar kleinen Änderungen: Aus der Mitte Deutschlands stammend (was segelsportlich schon eine Leistung für sich ist), ist mein Sohn inzwischen dort angekommen, wo du, liebe “Seglermutter”, deine Kinder dir hinwünschst : Er ist, nach den vielen Jahren des Herumreisens, dem Kampf um Kaderzugehörigkeiten, Teilnahmen von zuerst an IDJüM`S, später IDJuM, div. Welt- oder Europameisterschaften – kurz dem exzessiven Zerreisens von 100-Euro Scheinen unter der kalten Dusche – nicht nach Kiel gegangen, sicher auch aus magelndem Leistungsvermögen, aber auch a.G. mangelnder (auch beruflicher) Perspektiven. Hier liegt der Hase ja bekanntlich arg im Pfeffer, wie wir alle wissen.
      Aber, er ist dem Sport im Gegensatz zu so vielen anderen treu geblieben, schickt sich nun an, mit einem Baum von Vorschoter u. eigenem Boot eine der etabliertesten u. schönsten Jollenklassen auch international aufzumischen.
      Das ist für mich, für uns, erstmal das wichtigste. Und es ist unsere bleibende Leistung, auf die wir, meine Frau u. ich, sehr stolz sind. dafür hat sich das “Geld zerreisen” im nachhinein betrachtet, gelohnt.

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  8. avatar Segler sagt:

    Der Bericht hat so schön angefangen… und dann rutscht er in gewagte Analysen der Gesellschaft, die manchmal schon bodenlose grenzen erreichen, wie Anspielungen, nur Menschen mit migrationshintergund würden noch “schwitzen und arbeiten”.
    Der Analyse mit der Problematik im Segelsport gebe ich absolut recht, aber Interpretationen gegenüber anderer Sportarten sind bodenlos! Das mukieren über das “Bonzentum” in anderen Sportarten sollten wir ganz hinten anstellen! Wer hat früher gesegelt und das Segeln vorangetrieben? Es waren immer die elitären Klassen!
    Und dass sie immer mehr als Geldgeber fehlen macht sich jetzt bemerkbar! Ein großes Problem ist nicht NUR die umstrukturierte Gesellschaft mit ihren saturierten Ansichten, auch der DSV ist als Institution längst überholt.
    In diesem s.g. Verband geht es nur um Machenschaften und Prestige! Der eigentliche Segelsport und das was ihn ausmacht, die Liebe zum Segeln für viele Menschen ist diesem verband völlig schnurz!
    Zeiten ändern sich! Und wenn der DSV wieder in die leistungstechnische Weltspitze will, sollte er sich auch mal auf die Förderung des Breitenangebots beziehen! Man sieht es im Fußball: nur wenn ich viel von unten fördere kommen dabei auch passende Talente heraus!

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    • avatar MAUERSEGLER sagt:

      @segler,

      kann Dir nur zustimmen, ich sehe das genauso wie Du: quasi gut gestartet und dann komplett auf die falsche Seite gefahren. Wo ist denn bitte der Unterschied in der Soziodemographie der durchschnittlichen Segler, Ruderer und Hockeyspieler (oder auch Fechter, etc.)? Die meisten haben den Sport über ihre Eltern in die Wiege gelegt bekommen, haben wie ihre Eltern oft einen akademischen Hintergrund, betreiben eine Nischensportart, kaum einer kann davon leben, also studieren oder arbeiten sie nebenbei – und das meist sehr erfolgreich.

      Habe neulich während einer Startverschiebung den Lasernachwuchs über die Schule und “Bonzenblagen, die Hockey spielen” fabulieren hören. Sagen Kiddies, deren Eltern sie abertausende Regattakilometer durch die Gegend kutschieren (und in Top-Material investiert haben).

      Das ist mit jugendlicher Naivität zu entschuldigen, der Gastbeitrag nicht. Den DSV kann ich nicht beurteilen, aber die Leistung anderer Sportler wie z.B. die der Hockeyherren hat mitnichten nur mit finanziellen Mitteln zu tun. Bleibt nur der Schluß, dass die saudämlich sein müssen, wenn man der Überschrift Glauben schenkt.

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  9. avatar Matze sagt:

    Svantes Beschreibung der Situation macht durchaus Sinn. Entscheidend ist aber, dass wir diese nicht neue Diskussion leider nur alle vier Jahre fuehren. Nur bei den Spielen findet die sportliche Leistungsschau einen Aufschlag in den Medien , nur deshalb gibt es den oeffentlichen Aufschrei. Schon ab kommendem Wochenede redet Sport – Deutschland wieder ueber nichts anderes als Fussball.
    Solange unsere Gesellschaft nicht bereit ist, den Stellenwert des Sports insgesamt neu zu definieren und in die Sporfoerderung angemessen und flaechendeckend zu investieren, solange wird ein Michael Phelps (Doping hin oder her), der ueber einen Zeitraum von vier Jahren an ganzen 10 Tagen NICHT trainiert hat- ein Beispiel wie aus einer fremden Galaxie bleiben

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    • avatar Segler -Mutter sagt:

      Gestern Abend,Donnerstag, den 16.8., waren in der ARD fünf Teilnehmer aus London zu Gast bei Beckmann. Exemplarisch haben sie über ihren Weg zum Erfolg realitätsnah berichtet.
      Auch bei den Seglern spielen die Eltern und das persönliche Umfeld nach wie vor die entscheidende Rolle, ob eine Leistungssportkarriere angestrebt werden kann oder nicht.( siehe auch die zahlreichen Kommentare auf dieser Seite)
      Ein Funktionär kam auch zu Wort: Seine wichtigste Aussage war m. E., dass die Schwimmer, obwohl sie keine Medaille erschwommen haben, finanziell nicht schlechter gestellt werden sollen. Gilt das nun für die Segler in ihrer Förderung auch?
      Haupkritikpunkt war aber, dass eine zu schlechte Jugend -Basisförderung und Ausbildung stattfindet.
      Ich bin ja nun mal gespannt, ob auch in unseren Seglerkreisen Althergebrachtes auf den Kopf gestellt wird….. Um dann bei Olympia wieder ein paar Medaillen zu “rocken”.

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  10. avatar Andreas Ju sagt:

    Das mit der Kausalität zwischen zu hoher Intelligenz und fehlendem Erfolg mag ich nicht recht begreifen. Wäre der Umkehrschluss nicht, dass die Ainslies, Schümanns, Slingsbys, Outheridges und Scheidts hinreichend doof sind, um zu gewinnen? Das kann ja wohl kaum gemeint sein.

    Aber vielleicht bin ich ja auch zu dusselig, um diese Herleitung zu verstehen. Was bedeutet das dann aber für meine seglerische Performance.

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Ach, im Hinblick auf mein unterirdisches Wettfahrtergebnis vom WE finde ich den Rückschluss irgendwie ermutigend …
      (und wehe jemand erwähnt sowas wie: Ausnahmen bestätigen die Regel, … 😉

      VG

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    • avatar Uwe sagt:

      Svante’s Intelligenz-Modell gilt nur für die aktuellen deutschen Gegebenheiten, wo eine Segelmedaille sich in der Regel nicht in barer Münze auszahlt.

      Ganz anders war dies in der DDR (Schümann) und aktuell profitieren besonders die Segler aus den östlichen Ländern sehr von einer Olympiamedaille, da sie zu Volkshelden werden und dadurch finanziell ausgesorgt haben.

      Die jungen Segler aus den östlichen Ländern sind also ganz heiss auf eine Medaille, so dass es für unsere deutschen Segler sehr schwer geworden ist, vorn mitzumischen.

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      • avatar Andreas Ju sagt:

        Dann ist der richtige Schluss: mehr Ruhm & Kohle, dann läuft es. Hätte mit Intelligenz aber nix zu tun. Versteht übrigens auch der Doofste.

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        • avatar Torsten Graf sagt:

          Wieso hat das mit Intelligenz nix zu tun? Intelligent ist mindestens auch zielorientiert zu handeln. Und wenn Engagement sich auszahlt, dann ist man eher bereit zu investieren. Ergo: Mehr Förderung, höhere Wahrscheinlichkeit auf Erfolg. Das ist doch allgemeingültig, oder? Und das ist doch mit der Überschrift gemeint!

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          • avatar Uwe sagt:

            Andreas hat schon recht. Mit einer besonderen Intelligenz hat das nichts zu tun, da es selbst der Dümmste versteht.

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          • avatar Torsten Graf sagt:

            Allgemeingültig heißt ja so viel, wie für JEDEN ersichtlich. Insofern ist sicher keine BESONDERE Intelligenz erforderlich. Im Umkehrschuß ist es es aber eher intelligent, rechtzeitig seine Bemühungen auf ein ökonomisch verträgliches Maß zu reduzieren, wenn kein äquivalenter Ertrag (für den Aufwand) zu erwarten ist. Das ist m. E. nicht so einfach, wenn man erst einmal einen Weg eingeschlagen hat, den alle mitgehen. Der Anstoß muss von Außen kommen, weil es der Protagonist nicht so schnell merkt (wie ein Frosch im erhitzten Wasserglas). Bei Jugendlichen und Junioren sind das meist die Eltern, die dann gegen Trainer, Verbände und Vereine überzeugen müssen. Am Ende kann es dann das Intelligenteste sein, die “Segelkarriere” abzubrechen, um sich auf Beruf und Ausbildung zu konzentrieren, selbst wenn eine Olympiateilnahme UND womöglich eine Medaille (was ja vorher keiner weiß) im Ergebnis stehen würde. Diese “Intelligenz” steht dem internationalen deutschen Seglererfolg im Weg. Siehe Florian Haufe. Die Protagonisten, Trainer und Funktionäre, die ihren Job machen, in diesem Kontext als “dumm” zu bezeichnen, grenzt m. E. an eine Frechheit. Der Umkehrschluß, dass schlußendlich erfolgreiche Segler “dumm” sind, weil sie ihre Segelkarriere fortgesetzt haben, ist deshalb unzulässig, weil es außer acht lässt, wie viele mehr Gleiches versucht haben und auf der Strecke blieben. Außer, lieber Uwe, Sie wissen schon in der Entwicklung, welches Talent sich zum Segel-Heroen mausert und welches nicht. Dann sollten Sie aber ganz schnell bei STG als Chef-Trainer anheuern und würden in Kürze selber zum Segel-Helden und Großverdiener aufsteigen. Wären aber sicher auch selber schon mehrfacher Goldmedaillengewinner.

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      • avatar Torsten Graf sagt:

        Was durch zwei Bronze-Medaillen im Surfen durch polnische Segler bewiesen ist? So einfach ist es nicht! Förderung bleibt der Schlüssel beim aufwändigen Segelsport. Sonst spricht die “Intelligenz” der Wahl einer besseren Lebensperspektive durch Konzentration auf Ausbildung einfach dagegen. Ist ja nicht schlimm. Nur dann sollte keiner über ein “angeblich” schlechtes Abschneiden bei Olympia jammern. Dann können in Deutschland nur die “Reichen” mithalten, Talente bleiben auf der Strecke, die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs verringert sich und wir brauchen nicht diskutieren. Ökonomisch nachvollziehbar. Aber dann bitte keine Diskussion, warum wir nicht in der Weltspitze dabei sind. STG will das ändern. Ich finde das gut. Segeln finde ich weitaus besser als Formel 1 oder Fußball. Das ist halt Ansichtssache. Ändert sich der Trend zum Segelsport, ändern sich die Verhältnisse. Daran arbeitet STG als Lobbyist des Segelsports. Gut so. Finde ich.

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  11. avatar blaeck sagt:

    summa summarum: oktoberfest vorbei, kopf noch etwas schwindelig, freuen uns auf’s naechste…
    aber da geben wir dann richtig gas

    -35

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  12. avatar gerda sagt:

    Endlich! In zwei Wochen beginnen die wirklich wichtigen Olympischen Spiele, die Paralympics = Zukunft (Cyborgs, Roboter, High-Tech)!

    Die klassische Olympiade ist zum Glück Vergangenheit (= Korruption, Doping, Medien und Idioten überall)…

    Schade aber, dass keine Sau Paralympics guckt…

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  13. avatar Hajo sagt:

    Der Beitrag greift viele richtige Punkte und Schwachstellen auf. Klar, vor 50 Jahren kämpften nur ein paar Nationen um olympische Segelmedallien, heute hat sich die Zahl teilnehmender Nationen vermehrfacht. Aber liegt das Problem nicht ehr im System? Sind die Strukturen nicht der eigentliche Hemmschuh? Ist eine Organisation wie der DSV überhaupt noch in der Lage, konkurrenzfähig zu handeln? In anderen Nationen werden Olympiateilnahmen in generalstabmäßig geplanten Kampagnen und professionellem Management vorbereitet. In Deutschland ist man von einer derartigen Professionalität weit entfernt, setzt nach wie vor auf Verbände, in denen sich in den letzten Jahrzehnten kaum etwas verändert hat; bei Förderkonzepten, Laangfristigkeit und Transparenz im Aufbau von Spitzensportlern und nicht zuletzt auch in der Vermarktung des Sports. Das Sailing Team Germanywar ein guter Ansatz. Aber auch hier zeigt sich, dass die Gemengelage aus Verband und Wirtschaft nicht unbedingt kompatibel ist. Schade. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass es auch in Deutschland nach wie vor Segler mit Medallienpotenzial gibt.

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