Olympia 2024: Absage für Offshore-Sailing – Kiteboarder bekommen den Zuschlag

Es ist wirklich passiert

Das IOC hat entschieden. Die zehnte Segel-Olympia-Medaille wird in Paris 2024 den Kiteboardern zugeschlagen. Die Disziplin Mixed-Offshore-Doublehanded ist endgültig draußen.

World Sailing ist vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) darüber informiert worden, dass die IOC-Exekutive für die Olympischen Spiele 2024 in Paris die Disziplin “Kiteboard” in der Klasse Formula Kite für Männer und Frauen ausgewählt hat. Damit erhalten die die Kiter anders als vorgesehen eine zusätzliche Medaille. Ursprünglich stand ein Staffelrennen im Mixed-Modus auf dem Programm.

Weltumseglerin Dee Caffari mit James Harayda auf einer Sun Fast 3300 im Offshore-Mixed-Modus. © Paul Weyth RORC

Damit ist die von World Sailing befürwortete Mixed-Offshore-Doublehanded Disziplin endgültig vom Tisch. Die Entscheidung hatte sich abgezeichnet, als das IOC unter anderem Sicherheitsbedenken gegenüber der neuen Kielboot-Klasse anmeldete und Alternativvorschläge anmahnte.

Eher widerwillig folgte bei World Sailing ein Prozess, nach dem aus 26 Vorschlägen drei Möglichkeiten zur Abstimmung kamen. Das Aufsplitten der Mixed-Disziplin im Kitesurfen wurde schließlich knapp vor demselben Vorgang bei den 470ern befürwortet. Zwar bemühte sich der Weltseglerverband, zu betonen, dass die Offshore-Variante nach wie seine vor Priorität hat. Sie bildet deutlich einen Trend im Segelsport ab.

IOC kann mit Offshore nichts anfangen

Er schärfte die potenzielle Olympia-Disziplin zwar weiter nach, um der IOC-Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen. Bemängelt wurden die fehlende Sicherheit des Spielfelds, Umfang und Komplexität hohe Übertragungskosten und die fehlende Möglichkeit, zuvor eine Offshore-Weltmeisterschaft auszurichten. Aber auch nach der Erklärung konnte das Gros des Olympia-Gremiums wohl immer noch nichts mit dem Vorschlag anfangen.

Es bestand die Gefahr, dass der Segelsport die zehnte Medaille gänzlich verliert. Deshalb konnte der Verband nicht den Eindruck machen, den Alternativ-Prozess halbherzig durchzuziehen. Aber so ist es nun Fakt, dass bei den Olympischen Spielen vier von zehn Medaillen für Stehsegler vergeben werden und die Hälfte für Foiler.

Die Dehler 30od boten eine starke Basis für eine Olympia-Kampagne im Mixed Offshore Doublehanded. © segel-bilder.de

World Sailing CEO David Graham versucht die Gemüter im eigenen Lager zu besänftigen: “Die World Sailing-Gemeinschaft hat sich für das Mixed Offshore Event entschieden und die Liste der Veranstaltungen repräsentiert die Tiefe und Breite unseres Sports. Während des gesamten Prozesses blieb das Mixed Offshore Event unsere erste Wahl. Die gesamte Offshore-Gemeinschaft vhat iel Zeit und Mühe in die Ausarbeitung dieser Disziplin investiert. Die heutige Nachricht wird für die florierende Offshore-Szene erschütternd sein. Aber wir werden weiterhin das Wachstum und die langfristige Nachhaltigkeit des Offshore-Segelns sicherstellen.”

Bloß nicht mit dem IOC verscherzen

Aber schließlich kann es sich Graham auch mit dem IOC nicht verscherzen und hält sich mit Kritik zurück. Schließlich ist World Sailing in schwere finanzielle Schieflage geraten und stand insbesondere durch die Olympia-Verschiebung vor der Pleite. Erst die Ausfall-Gelder des IOC sorgten für eine vorläufige Rettung.

Schlechte Stimmung beim IOC kann sich Graham nicht leisten. Er betont: “Das IOC hat uns klare Vorgaben gemacht, und ihre Entscheidungen stehen im Einklang mit anderen Sportarten und Veranstaltungen. Die World Sailing-Gemeinschaft hat schnell alternative Vorschläge gemacht. Und wir sind erfreut, dass uns das IOC gefolgt ist und den ersten alternativen Vorschlag – Kiteboarding für Männer und Frauen – ausgewählt hat.”

Leonie Meyer und Florian Gruber jubelten über ihre EM-Silbermedaille. Foto: Alex Schwarz

Die neue Disziplin stelle enorme Möglichkeiten in Bezug auf die Universalität, die Entwicklung des Frauensegelns und die Medienwirksamkeit dar. “Wir freuen uns nun darauf, diesen Sport auf den wunderschönen Gewässern in Südfrankreich präsentieren zu dürfen.”

Der neue chinesische World Sailing Präsident Quanhai Li kommentiert: “Die World Sailing Gemeinschaft hatte nur eine begrenzte Zeit, um sich für die alternative Veranstaltung zu entscheiden, die dem IOC zur Entscheidung vorgelegt wurde. Ich möchte allen Beteiligten für die großen Anstrengungen danken, die sie bei diesem demokratischen Prozess unternommen haben. Ich danke auch dem IOC für seine Unterstützung in diesem Prozess.”

Leonie Meyer sorgte für das deutsche Topergebnis, erreichte das Finale und wurde schließlich Vierte. Foto: Eureka/Dominik Kalamus

Freuen können sich insbesondere die besten deutschen Kitesurfer Florian Gruber und Leonie Meyer vom NRV, die sich darauf vorbereitet hatten, gemeinsam um eine Medaille kämpfen zu müssen. Sie bildeten als Vize-Europameister schon ein erfolgreiches Mixed-Gespann. Nun gehen sie unabhängig voneinander auf Medaillenjagd.

Gruber gehört schon länger zu den besten Kitern der Welt. Die ehemalige 49FX Weltklasse-Steuerfrau Meyer entwickelte sich erst in den vergangnen Jahren zur besten deutschen Kitesurferin. Ihr Timing ist besonders perfekt. Schließlich wurde die 29-jährige Medizinstudentin gerade zum ersten Mal Mutter und kann nun wieder Kräfte für 2024 sammeln.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

5 Kommentare zu „Olympia 2024: Absage für Offshore-Sailing – Kiteboarder bekommen den Zuschlag“

  1. avatar pl_jens sagt:

    Hmmm 4 Plätze für Stehsegler… aber auch Fakt: immerhin noch 6 Plätze für Hock und Sitzsegler… davon 4 auf der Doppelbank…

    Ich freu mich riesig für Leonie und Flo. Für letzteren besonders, immerhin war Kiten schon 2014 für einen Monat olympisch, bevor es, einmalig beim Segelweltverband, wieder mit den Serfern ersetzt wurde

  2. avatar Markus sagt:

    Richtige Entscheidung! Mixed Offshore passte wirklich nicht Olympia. Segeln ist schon teuer und elitär genug. Und der Verlust einer extra Bootsklasse für dicke Männer kann auch verschmerzt werden. Jetzt noch 470er raus oder ggf in ein matchrace – Format, dann wären alle Facetten des modernen athletischen Segelrennsports einmal vertreten. Durch eine klarere und konzentriertere Struktur der olympischen Klassen gibt es da vielleicht auch eine Chance für mehr Breite national und regional. Dann werden die olympischen Klassen auch für weekend-warrior wieder attraktiv. Vielleicht gehen dann bei weniger Zersplitterung auch nicht mehr so viele junge Segler beim herauswachsen aus den Jungenklassen verloren oder segeln allenfalls noch nur als Crew bei älteren Dickschiffeignern oder gar komische Boote wie Conger (nix für ungut) weil da noch nette Leute und leben in der Klasse ist. Von mehr Breite profitiert am Ende auch die Spitze…

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  3. avatar A. Gommeringer sagt:

    Aber so ist es nun Fakt, dass bei den Olympischen Spielen vier von zehn Medaillen für Stehsegler vergeben werden …

    Das sag mal einem Kiter, er sei Stehsegler – herrlich 🙂 Für Windsurfer sind es jedenfalls Teebeutel. Und wer hätte gedacht, dass Teebeutel-Surfen so schnell olympisch wird?!

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