Olympia Exot: Ein Bayer segelt für Samoa – Liga-Segler Adrian Hösch im 470er dabei

Abkürzung zu den Spielen

Die deutschen 470er Teams haben es in diesem Olympia-Zyklus unerwartet schwer, sich für Japan zu qualifizieren. Sie segeln zwar auf Augenhöhe mit den Besten der Welt, verpassten das Nationen-Ticket zuletzt bei der WM aber knapp. Sie müssen nachsitzen. Eine Chance bleibt noch. Ein Kollege hat dagegen für sich eine stressfreiere Route nach Enoshima entdeckt.

Zwölf Olympia-Plätze standen für die deutschen 470er-Männer bereit. Bei zwei Weltmeisterschaften wurde um sie gesegelt. Deutschland landete in dieser Wertung auf Rang 13. Die letzten beiden Plätze gingen nach der WM in Japan an China und die Türkei.

Diesch/Autenrieth in Miami. © 470org

Aber eine Hoffnung gibt es noch: Den April-World Cup in Genua. Das System hält noch einen einzigen Kontinental-Platz für Europa bereit. Die Chancen stehen eigentlich gut für Simon Diesch / Philipp Autenrieth und Malte Winkel / Matti Cipra, die beiden deutschen Bewerber-Crews. Die bisher nicht qualifizierte Konkurrenz aus Ungarn, Österreich, Schweiz und Portugal scheint momentan nicht so gut in Form zu sein. Aber Genua ist eben nur eine einzige Regatta. Da kann viel passieren.

Deshalb schielten die Teams auf die Entwicklung bei den Frauen 470ern. In dieser Disziplin ist der Kontinentalplatz für Ozeanien verfallen, weil bei der vorgesehenen Regatta in Melbourne keine Bewerber starteten. Er ging an die Schweiz, der bei der vergangenen WM nächstplatzierten Nation.

Das hätten sich auch die Männern gewünscht. WM-Platz 16. von Diesch/Autenrieth würde dann automatisch für ein deutsches Olympia-Ticket ausreichen. Es wäre deutlich entspannter gewesen.

Quali mit zwei Booten

Aber diese Situation tritt wohl nicht ein. Bei der offiziellen Qualifikationsregatta Sail Melbourne in der vergangenen Woche ging der 17. von 19 470er-Plätzen an Amerikanisch-Samoa, das US-Außengebiet im südlichen Pazifik mit seinen rund 56.000 Einwohnern. Zwei 470er waren am Start, nur einer kam für den Ozeanien-Platz in Frage.

Den Spot holten sich Tyler Paige und Adrian Hösch – ein Amerikaner und ein Deutscher mit US-Pass. Ausgerechnet Hösch, Club-Kamerad von Autenrieth beim Bayerischen Yacht-Club, für den er auch schon 2015 zum Segel-Bundesliga-Bronze-Platz segelte.

Das Ergebnis der 470er Olympia-Qualifikation für Ozeanien

Die Crew ging als einziges Duo für Ozeanien an den Start und segelte vier Rennen gegen ein australisches Mixed Team. Damit hat sich Adrian Hösch für Olympia qualifiziert.

Dem 26-Jährigen, der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Passau studierte und später auch in den USA, ist ein Start für Amerkanisch-Samoa erlaubt, weil er in den USA geboren ist, dort länger gelebt hat und lange Zeit nicht für die deutschen Farben angetreten ist. Ein Jahr lang musste er nach einer Wirbelsäulen-Verletzung  gänzlich mit dem Sport aussetzten.

Aber seine Fähigkeiten sind dennoch gefragt. Der Bayer kennt Tyler Page schon seit zehn Jahren. Der 23-jährige Maschinenbaustudent aus Medford, Massachusetts segelte wie Hösch 420er (zweimal WM-Teilnehmer) und bei der WM 2018 in Aarhus 470er. Damals weihte er den Vorschoter erstmals in seine Pläne ein, 2020 in Enoshima für Amerikanisch-Samoa an den Start zu gehen. Hösch sagte ihm mehrfach ab, aber nun passt es.

“Einmalige Chance”

“Es ist eine einmalige Chance”, sagt er gegenüber SegelReporter. Er befinde sich in einer Jobwechsel-Phase, spezialisiere sich mehr für IT-Technologie und habe nun Zeit für die 470er-Vorbereitung. Auch das Gewicht passt mit 74 Kilogramm.

Adrian Hoesch segelt 2013 an der Vorschot von Julian Autenrieth im 470er zu Bronze bei der Junioren EM. Pwllheli© Alan Dop

Bei Null fängt er nicht an. Fünf Jahre segelte er an der 420er-Vorschot von Julian Stückl unter Erfolgscoach Marek Chocian, der aktuell die beiden deutschen 470er Spitzencrews betreut. 2013 holte er an der 470er-Vorschot von Julian Autenrieth Bronze bei der Junioren-EM in Wales.

v.l. Andi Plettner/Philipp Hibler/Adrian Hoesch/Oliver Oczycz gewinnen Bronze am 2. Spieltag 2016 und in der Saison-Gesamtwertung. © BYC

Seitdem war er auf hohem Niveau für den Bayerischen Yacht-Club in der Segel-Bundesliga unterwegs und gehört mit Oliver Oczycz zur Crew des seit Jahren besten deutschen Melges 24 Teams um Christian Schäfer, Eddy Eich und Walter Rothlauf.

Für Olympia kann sich Hösch nicht viel ausrechnen. Gegen das Gros der Gegner hat er mit seinem Skipper, der 2018 bei der US-Meisterschaft im 470er auf Rang sechs segelte, keine Chance. Aber gegen die weiteren qualifizierten Exoten aus Angola, Süd-Korea, vielleicht auch Kanada und einem nicht benannten südamerikanischen Land, könnten sie bestehen.

Allerdings ist es noch längst nicht so weit. Es sollen bei World Sailing Anträge gegen die Benennung des US-Samoa-Teams eingegangen sein. Auch seine alten Teamgefährten sind nicht gut auf den Abkürzungsversuch nach Olympia zu sprechen.

Hösch glaubt aber nicht, dass es einen Unterschied gemacht hätte, wenn er der Einladung von Paige nicht gefolgt wäre. “Dann hätte es ein anderer gemacht.” Es habe mehrere Initiativen um den Ozeanien-Spot gegeben, die aber nach der Meldung von Paige/Hösch schließlich zurückzogen. Das Abenteuer kann beginnen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Olympia Exot: Ein Bayer segelt für Samoa – Liga-Segler Adrian Hösch im 470er dabei“

  1. avatar Fliegenfänger sagt:

    GEIL ADSCHI !!!!!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 1

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