Olympia-Favorit Matt Wearn: Lasersegeln bei 40 Knoten – Traumpaar mit Weltmeisterin

Limit gesucht, und gefunden

Bei zünftigen acht Windstärken treibt es nicht gerade jedermann aufs Wasser. Aber Matthew Wearn, der zurzeit wohl beste Lasersegler der Welt, zeigt, warum er das Segeln der Profi-Karriere im Australian Football vorgezogen hat.

“Wenn Melbourne 40 Knoten Wind bringt, dann nimmt man das mit”, sagt Matthew Wearn und zeigt das Video seines Laser-Rittes in der Melbourne Bucht vor Sandringham. Na ja, wen auch immer er mit “man” meinen mag – normale Menschen sitzen ein solches Wetterchen eher auf der heimischen Couch aus, oder ziehen sich die Decke über den Kopf.

Aber Wearn ist kein normaler Mensch, sondern der zurzeit wohl beste Laser-Segler der Welt. Zumindest glauben das die australischen Verantwortlichen beim Seglerverband, die das Olympia-Team zusammenstellen. Sie brachten den Mut auf, sich gegen den aktuellen Olympiasieger und Weltmeister Tom Burton als Repräsentant 2020 in Japan zu entscheiden. Kurios: Beim ersten Weltranglisten-Update nach der Entscheidung rutschte Wearn hinter Burton auf Rang zwei.

Der Olympia-Favorit bei schwerem Wetter. © M. Wearn

Der Mann aus dem windigen Perth ist allerdings auch nicht so schlecht. Bei den vergangenen vier Laser-Weltmeisterschaften belegte er die Plätze 4/3/2/2, und ihm wird allemal zugetraut, für Australien das dritte Laser-Olympia-Gold in Folge holen zu können – wenn Philipp Buhl es ihm nicht abjagt.

Harte Entscheidung mit 15 Jahren

Vielleicht will Wearn das Vertrauen rechtfertigen, indem er auch bei 40 Knoten Wind segelt. Dabei hat der 24-Jährige längst die absolute Hingabe für diesen Sport bewiesen. Schließlich musste er schon eine ganz harte Entscheidung treffen.

Im Alter von 15 Jahren war er als Talent beim Australian Football ausgewählt worden, der populärsten Zuschauersportart im Land. Die Aufnahme in die West Perth Development Squad gilt als Traum junger Australier. So beginnen Karrieren, die zur professionellen Australian Football League führen. Deshalb verstanden viele nicht, dass er sich stattdessen für das Segeln entschied.

Wearn verpasst bei der WM in Japan 2019 knapp Gold. © J. Hirai / Laser Worlds 2019

Er habe schon mal überlegt, ob sein Leben anders verlaufen wäre. “Aber diese Entscheidung habe ich nie bereut”, sagt Wearn noch bevor er den Olympia-Anruf des Verbandes erhalten hatte.

Liebe im Laser

Neben seiner starken Erfolgsbilanz hat der junge Australier schließlich auch seine Liebe im Laser-Umfeld gefunden. Seit vier Jahren ist er mit der Belgierin Emma Plasschaert liiert, die 2018 Laser Radial-Weltmeisterin wurde, als er Silber holte. Plasschaert gilt als eine der großen Olympia-Favoritinnen für 2020.

Traumpaar des Segelsports: Laser Vize-Weltmeister Mat Wearn und Weltmeisterin Emma Plasschaert. © sailing energy

Solche Beziehungen können ziemlich lange halten wie das Beispiel Robert Scheidt zeigt, der die litauische Laser-Radial-Olympia-Silber-Gewinnerin (2008) Gintare Volungevičiūtė vor elf Jahren heiratete. Müssen sie aber nicht, wie nun wieder aus Ben Ainslies Verbindung mit der Holländerin Marit Bouwmeester zu lesen ist. 2012 in London gewann er parallel mit der dominierenden Laser-Seglerin der vergangenen zehn Jahre Edelmetall. Die Verbindung hielt aber nur ein Jahr.

Wearn scheint gegen alle Stürme bestens gewappnet zu sein, sein Material ist es allerdings nicht. Er stellte fest: “40 Knoten scheinen auch das Limit für ein Laser-Mast-Unterteil zu sein.” Offenbar ist es kurz nach der Video-Aufnahme gebrochen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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