Olympia in Kiel: So soll Schilksee umgebaut werden – Boulevard am Wasser

Segeln vor Tribünen

Die neue Machbarkeitsstudie für das Olympia-Zentrum Kiel im Hinblick auf die Olympiabewerbung 2024 zeigt ein umgestaltetes Hafenvorfeld. Die Vaasa Halle soll einem Hotel weichen. 

Das Stuttgarter Architektur Büro Behnisch hat im Rahmen der heute präsentierten Machbarkeitsstudie seine Vorstellung zur Gestaltung des beabsichtigen Segelstandortes für Olympia 24 in Kiel-Schilksee vorgestellt.

Demnach soll auf dem Gelände des heutigen Behelfscampingplatzes auf der Salzwiese das Olympische Segeldorf entstehen. Temporäre Tribünen sollen die Regatten für Zuschauer greifbar machen. Allerdings wird selten so nah unter Land gesegelt werden können, dass Segeln nahbar gemacht werden könnte.

Nur bei einer Ostwind-Wetterlage machen Rennen direkt vor dem Ufer Sinn. Deshalb scheint die präsentierte Möglichkeit einer Tribüne am Strander Strand für ein Live Erlebnis wenig Sinn zu machen.

Interessanter ist die Option, die Landzunge von Bülk in die Überlegungen mit einzubinden. Dort liegt könnten die Kurse bei mehreren Windrichtungen näher von Land einsehbar sein. Auch auf der Bülker Wiese soll laut den Planern eine Tribüne errichtet werden können. Sie soll bis zu 10.000 der geschätzten 35.000 Tagesbesuchern Platz bieten.

Das zukünftige Schilksee aus der Vogelperspektive könnte so aussehen. © Behnisch Architekten

Das zukünftige Schilksee aus der Vogelperspektive könnte so aussehen. © Behnisch Architekten

Blick auf das Olympische Dorf auf dem Areal des Kiwo Camping Platzes. © Behnisch Architekten

Blick auf das Olympische Dorf auf dem Areal des Kiwo Camping Platzes. © Behnisch Architekten

Ein Boulevard soll sich bis ans Wasser ziehen. © Behnisch Architekten

Ein Boulevard soll sich bis ans Wasser ziehen. © Behnisch Architekten

Blick auf das Hafenvorfeld vom neuen Hotel aus. © Behnisch Architekten

Blick auf das Hafenvorfeld vom neuen Hotel aus. © Behnisch Architekten

 Die Schilsee Silhouette vom Wasser aus gesehen. © Behnisch Architekten

Die Schilsee Silhouette vom Wasser aus gesehen. © Behnisch Architekten

 

Das ausführliche Dokument der Machbarkeitsstudie für Olympia 24 in Schilksee

Die Pressemitteilung:

Machbarkeitsstudie präsentiert:
Segeln hautnah bei Olympia 2024 in Kiel

Kiel-Schilksee 2024: Im Olympiazentrum verbindet ein neuer Olympiaboulevard die Promenade der Spiele von 1972 mit dem markanten neuen Segelcampus im umgestalteten Hafenvorfeld und dem Publikumsbereich auf der neuen Südmole. Ein neues Hotel am Nordende des alten Zentrums und das neue Olympische Dorf nebenan direkt an der Promenade nach Strande geben dem Olympiazentrum einen neuen Abschluss im Norden. Auf mobilen Tribünen in Strande schauen 10.000 Zuschauer den Regatten zu. Das sind die Ausblicke der Machbarkeitsstudie für Olympische Segelwettbewerbe 2024, um die sich Kiel als Segelpartner der Freien und Hansestadt Hamburg bewirbt.

Die nächsten großen Schritte auf Kiels Weg zum Ziel, nach 1936 und 1972 zum dritten Mal Olympische Segelregatten auszurichten, stehen jetzt an. Die Kieler Ratsversammlung soll in ihrer Sitzung am 17. September über den Termin und die Fragestellung des geplanten Bürgerentscheids zur Kieler Olympiabewerbung abstimmen. Die Machbarkeitsstudie für das Olympiazentrum Schilksee als Austragungsort 2024 und das begleitende Mobilitätskonzept werden dem Rat vorgestellt, sie stehen aber noch nicht zur Beschlussfassung an.

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Bürgermeister Peter Todeskino und Architekt Stefan Behnisch, dessen Büro die Machbarkeitsstudie entwickelt hat, stellten die Studie und das Mobilitätskonzept am 1. September 2015 im Kieler Rathaus vor. Beide Konzepte bauen auf Bestehendem und Bewährtem auf: Neu gebaut wird nur, was dauerhaft nutzbar ist. Machbarkeitsstudie und Mobilitätskonzept stehen unter www.kiel.de/olympia zum Download bereit.

Mit dem Ausblick auf Olympia 2024 sind Oberbürgermeister Kämpfer und Bürgermeister Todeskino sehr zufrieden: „Behnisch Architekten haben mit der Machbarkeitsstudie eine hervorragende Grundlage für die weiteren Planungen gelegt. Der Masterplan mit seinen vielen Vorschlägen zeigt auf, wie das Olympiazentrum Schilksee auch über die Spiele 2024 hinaus weiter entwickelt werden kann. Damit unterstreicht der Masterplan eine ganz besondere Stärke der Kieler Olympiabewerbung: Das Beste aus dem Bestand wird verknüpft mit sinnvollen und nachhaltigen Neuerungen.“

Ratsversammlung entscheidet über Frage beim Bürgerentscheid

Bevor Hamburg mit seinem Segelpartner Kiel die ersten detaillierten Unterlagen zur Kandidatur für die Olympischen Spiele und Paralympischen Spiele 2024 beim Internationalen Olympischen Komitee abgibt, sind zunächst die Bürger beider Städte gefragt. In Hamburg und Kiel sollen zeitgleich am 29. November Bürgerentscheide stattfinden. Für Kiel wird dieser Termin mit einem Ratsbeschluss am 17. September festgelegt.

Die Frage der Abstimmung soll lauten: Sind Sie dafür, dass sich die Landeshauptstadt Kiel im Rahmen der Bewerbung des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Freien und Hansestadt Hamburg um die Ausrichtung der Olympischen und ggf. Paralympischen Segelwettbewerbe im Jahr 2024 bewirbt?

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hofft auf viele Ja-Stimmen: „In Kiel weiß man genau, was die Olympischen Spiele 1972 für die Stadt bedeutet haben. Ich glaube fest daran, dass eine deutliche Mehrheit der Kielerinnen und Kieler Feuer und Flamme für die Spiele 2024 ist!“

Rechtzeitig vor dem Bürgerentscheid wird eine Kosten- und Finanzierungsübersicht der Kieler Bewerbung vorliegen. Sie wird derzeit in Abstimmung mit Hamburg und der Bewerbungsgesellschaft erstellt und wird Teil der Finanzplanung der Gesamtbewerbung. Über die Kosten und das gesamte Planungskonzept soll die Kieler Ratsversammlung im Oktober entscheiden.

Machbarkeitsstudie: Schilksee als vielseitiges Zentrum des Wassersports

Angemessenheit und Nachhaltigkeit stehen für Behnisch Architekten aus Stuttgart und ihr internationales Planerteam im Mittelpunkt des Masterplans für Olympische Segelwettbewerbe in Kiel. In der 86 Seiten starken Machbarkeitsstudie zeigen sie, wie das Olympiazentrum von 1972 als vielseitiges und belebtes Zentrum wassersportlichen Lebens weiter ausgebaut werden kann.

Die vorgeschlagene Planung ist für die Region und die Stadt Kiel besonders relevant durch die Intensivierung der Nutzung der Kieler Förde zu Wasser und an Land, die Verbesserung des nördlichen Abschlusses des Olympiazentrums in Richtung Strande, durch die Zentrumsentwicklung und neues Leben im Olympiazentrum Schilksee sowie die Verbesserung der Erlebbarkeit des Segelns und die Zugänglichkeit des Wassers im Olympiazentrum.

Von besonderer Bedeutung dafür ist der geplante Segelcampus im Hafenvorfeld. Wo heute noch das Hafenmeistergebäude steht, soll der markante und transparente Bau ein Leuchtturm für den deutschen Segelsport werden. Innerhalb eines einzigen Hauses entsteht ein offenes System aus Trainingsorten, Aufenthaltsbereichen, Vereinsräumen und zentralen Abteilungen des Deutschen Segler-Verbandes. Während der Olympischen Segelwettbewerbe beherbergt der Segelcampus die ISAF-Zentrale und damit das Herzstück der Veranstaltung.

Auf der Wasserseite des Segelcampus verlängert sich der Olympiaboulevard über den Hafen bis zur Mole. Etwa 2,50 Meter über der Wasseroberfläche blickt der Besucher weit über das Hafentreiben. Auf Höhe der Ausfahrt aus dem nördlichen Hafenbecken führt der Boulevard direkt auf die Zuschauermole mit bestem Blick auf landnahe Regattakurse. Eine Promenade und zum Wasser hinabsteigende Sitzstufen laden nicht nur während der Segelwettbewerbe jeden zum Beobachten ein.

Auf dem Gelände des heutigen Behelfscampingplatzes auf der Salzwiese entsteht mit dem Olympischen Segeldorf an der Straße Soling ein neuer nördlicher Abschluss des Olympiazentrums. Die Mischung aus Mehrfamilien- und Reihenhäusern zeichnet sich aus durch die Möglichkeit einer flexiblen Grundrissgestaltung und unterschiedlicher Wohnungsgrößen. Während der Spiele wohnen Athleten und Trainer in den 72 Wohnungen und 48 Reihenhäusern. Sie leben damit direkt am Olympiahafen. Der größte Teil der Grünfläche befindet sich auf Strander Gebiet, Kiel und die Nachbargemeinde kooperieren bei Planung und Vorbereitung.

Ein neues Hotel liegt prominent an der Schnittstelle zwischen der Hafenpromenade und dem Olympiaboulevard. Es wird am derzeitigen Nordende des Olympiazentrums an der Straße Soling gebaut. Zu den Olympischen Segelwettbewerben dient es der Unterbringung der ISAF-Offiziellen und Mitarbeiter und beherbergt unterschiedliche Aufenthalts- und Besprechungsbereiche.

Die alte Vaasahalle muss dem Hotel-Neubau weichen. Zentral und gut angebunden, liegt die neue Halle am nördlichen Eingang zum Olympiazentrum. Während der Spiele dient die Halle als integraler Bestandteil des Olympischen Segeldorfes mit medizinischer Versorgung, Physiotherapie und Lounge als Rückzugsort der Athleten.

Neben diesen neuen Bauteilen für Olympia 2024 in Schilksee schlagen die Behnisch Architekten eine Aufwertung des Hafenvorfelds vor. Unter anderem soll ein Teil der Parkplätze verlagert werden, damit zwischen Hotel, Segelcampus und Olympiaboulevard ein neuer belebter Platz entstehen kann.

Nicht von Dauer sind dagegen die temporäre Tribünen an der Zuschauermole und im südlichen Hafenvorfeld des Olympiazentrums. Weitere temporäre Tribünen sind weiter nördlich in Strande geplant: am Strander Strand und auf der Bülker Wiese. Auch die bisher ungenutzte Landspitze Bülker Huk könnte zur Tribüne werden. 10.000 der geschätzten 35.000 Tagesbesucher können auf diesen Strander Tribünen zuschauen. Bei Olympia 2024 werden die meisten Regattabahnen – wie bei der Kieler Woche bewährt – direkt vor Schilksee und Strande liegen.

Während der Olympischen Regatten in Schilksee werden im Olympiazentrum vier Teilbereiche entstehen, die hinsichtlich ihrer internen Organisation optimiert sind: Zum Athletenbereich gehören das Olympische Segeldorf, die neue Vaasahalle und das nördliche Hafenvorfeld. Operations und Wettfahrtleitung schließen im Süden an den Athletenbereich an. Das Hotel und der Segelcampus beherbergen die ISAF-Zentrale sowie die Flächen für die Medien. Der Zuschauerbereich bietet etwa 10.000 Besucherinnen und Besuchern direkt neben den Athletinnen und Athleten Platz und umfasst unter anderem auch die Zuschauermole. Die temporäre Haupttribüne im südlichen Hafenvorfeld ist das Zentrum des Bereiches. Zum Bewohnerbereich gehören der Wohnriegel des Fliegenden Holländers, das ehemalige Olympische Dorf und das Hotel Olympia, die während der Wettbewerbe im Sicherheitsbereich liegen. Die Eigentümer können ihre eigenen Parkplätze ebenso nutzen wie die Straße Drachenbahn und die Zugänge zu den Häusern.

In ihrem Masterplan verfolgen Behnisch Architekten eine klare Vermeidungs- und Minimierungsstrategie bei Eingriffen in Natur und Landschaft. Neubauten sollen nur realisiert werden, wo nicht auf bestehende Bauten zurückgegriffen werden kann. Deshalb ist nur der Neubau des Olympischen Segeldorfes eingriffsrelevant. Notwendige Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen werden direkt vor Ort durchgeführt, um einen größtmöglichen ökologischen Mehrwert vor Ort zu schaffen.

Nach einem positiven Votum der Kieler Ratsversammlung und des Bürgerentscheides wird der Masterplan der Machbarkeitsstudie im Rahmen der weiteren Bewerbung konkretisiert. Detailliertere Planungen und Anpassungen der Teilprojekte, Ausschreibung von Wettbewerben sowie die Einbindung von Investoren sollen die Umsetzung der Vision Olympischer Segelwettbewerbe 2024 in Schilksee Schritt für Schritt ermöglichen.

Mobilitätskonzept setzt auf P+R, Busshuttles, Fahrräder und Fördeschiffe

In ihrem Mobilitätskonzept für Schilksee 2024 sieht die Landeshauptstadt Kiel die Fördeschifffahrt und den Öffentlichen Personennahverkehr als Rückgrat der Besucherverkehre. Verkehre nach und in Schilksee und Strande sollen vermieden werden. Beide Bereiche dürfen während der Segelwettbewerbe nur von Olympia-Beteiligten und Anwohnern mit dem Auto angesteuert werden.

Dafür bietet ein Park-and-Ride-System Busshuttles zwischen dem Olympiazentrum und temporären Großparkplätzen in Holtenau auf dem Flugplatz sowie an der Boelckestraße. Shuttlebusse fahren das Olympiazentrum Schilksee und Strande auf einem Einbahnstraßen-Ringverkehr über B 503, Dänischenhagener Straße, Strander Kreisel und Fördestraße an.

Zusätzliche Busse auf den bestehenden ÖPNV-Linien sollen ebenso eingesetzt werden wie weitere Fördeschiffe. Angedacht sind auch direkte Fährverbindungen zwischen Schilksee und Strande auf dem Westufer der Kieler Förde und Laboe auf dem Ostufer. Ergänzend könnten Fähren von Schönberg und Marina Wendtorf über die Außenförde nach Schilksee/Strande fahren.

Im Olympiazentrum und an den Strander Tribünen werden mobile Abstellanlagen für 1200 Fahrräder aufgestellt. Ein privates Leihradsystem ist angedacht. Zwischen Schilksee und Friedrichsort wird der Ostseeeküstenradweg ausgebaut.

Wenn sich mehr Kieler mit dem Rad auf den Weg nach Schilksee machen wollen, sollten sie nicht am Ufer des Nord-Ostsee-Kanals gestoppt werden. Daher wird für die Zeit der Olympischen Segelregatten der Einsatz einer größeren Kanalfähre zwischen der Wik und Holtenau vorgeschlagen.

Für Reisebusse soll auf dem Parkplatz Tempest am Olympiazentrum eine große Ein- und Ausstiegszone eingerichtet werden.

Bürgermeister Peter Todeskino sieht im Mobilitätskonzept seiner Verkehrsplaner eine gute Ergänzung zur Machbarkeitsstudie. „Wir nutzen das Bestehende und ergänzen es um vernünftige Neuerungen und einige temporäre Lösungen nur während der Segelwettbewerbe“, unterstrich Todeskino. Und: „Von den im Konzept benannten drei dauerhaften Maßnahmen sind zwei ohnehin schon geplant: die Erweiterung des Veloroutennetzes und der barrierefreie Ausbau der Bushaltestelle Olympiazentrum.“

Quelle: Pressedienst der Landeshauptstadt Kiel

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Carsten Kemmling

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