Olympia-Mannschaft: Moana Delle beendet ihre Leistungssportkarriere

"Fehlende Motivation"

Die deutsche Segel-Nationalmannschaft erfährt eine empfindliche Schwächung. Die Olympia Fünfte im Surfen und Medaillenhoffnung für Rio beendet ihre Karriere.

Moana Delle

Moana Delle. © Eyes and Friend

Moana Delle war eine der großen Hoffnungsträger des deutschen Segelsports und vielleicht das heißeste Eisen im Feuer im Kampf um Olympia-Ehren vor Rio. In Weymouth verpasste sie nach spannendem Kampf die Medaille als Fünfte nur knapp. Sie schien aber beste Voraussetzungen zu haben für den nächsten Olympia-Zyklus.

Mit 25 Jahren sollte sie noch jung genug, um die extremen körperlichen Belastungen des Surfsports zu ertragen. Und die gesammelten Erfahrungen schienen sie nahezu perfekt für den nächsten Anlauf auf eine Olympia-Medaille zu positionieren.

Moana Delle

Moana Delle wollte eigentlich 2016 ins Visier nehmen. © Marina Könitzer

Deshalb kommt der Abbruch sehr überraschend und ist für die deutschen Olympia-Ambitionen im Segelsport eine niederschmetternde Nachricht. In der Pressemitteilung sagt die Frau vom Segelklub Bayer Uerdingen, dass Motivation und ein klares Ziel fehlen. Sie wolle sich auf ihr Studium konzentrieren.

Damit benennt sie ein Problem, das generell im deutschen Olympiasport eine Rolle spielt und auch schon nach der Bilanz der Winterspiele in Sotschi diskutiert wurde. Der Aufwand für ein Leben des Leistungssports wird immer extremer und die Gefahr, im Berufsleben den Anschluss zu verlieren größer.

Es ist auch im Segelsport nicht mehr so einfach Ausbildung und Training zu verbinden, wie zu der Zeit, als Deutschland noch ganz vorne stand im internationalen Vergleich. Und da trifft es besonders die Surfer extrem, deren Sport die höchste körperliche Belastung aller olympischen Segelsportarten erfordert.

Moana Delle

Moana Delle, Gesicht des deutschen Segel-Olympiasports. © Eyes and Friends

Auf der anderen Seite hört man von Fällen wie der verdienten Medaillen-Schwimmerin Sandra Völker, die wegen Privat-Insolvenz ihre Medaillen versteigern muss. Es ist nicht selbstverständlich, nach einem Lebensabschnitt, der sich alleine dem sportlichen Erfolg widmet, auch in der Gesellschaft einen erfolgreichen Weg zu gehen.

Laser Champ Simon Grotelüschen hatte schon 2012 überraschend die Konsequenz aus diesem Dilemma gezogen, auch zuvor waren auch die Peckolt Brüder nach ihrer Olympia-Premiere 2008 dekoriert mit einer Medaille aus dem Leistungssport ausgestiegen, um sich dem Beruf zu widmen.

Aber nur äußerst selten werden die Olympia-Medaillen im Segelsport schon beim ersten Auftritt vergeben. Wenn es das Sailing Team Germany nicht schafft, diesen Aderlass zu verhindern, kann es noch so gut seine Basis-Arbeit leisten. Die Top-Athleten springen ab, bevor sie den Zenit ihres sportlichen Schaffens erreicht haben.

Schade Moana! Wir werden das sympathische Lachen und die positive Ausstrahlung, die besonders das jüngste Olympia-Ereignis in Weymouth so geprägt hat, sehr vermissen. Besten Dank für die schöne Erfolgsgeschichte.

Die Pressemitteilung:

Moana Delle

Moana Delle zeigte sich in Weymouth überraschend schnell bei starkem Wind. © Marina Könitzer

Mit dem Sailing Worldcup in Hyères/Frankreich (21. bis 26. April) steht für die deutschen Segler die zweite Bewährungsprobe des Jahres an. Für Deutschlands beste Surferin Moana Delle endet bei diesem Ereignis allerdings die Leistungssportkarriere.

Nach einem langen Entscheidungsprozess hat sich die 25-Jährige, die in Weymouth 2012 als Olympia-Fünfte knapp an einer Medaille vorbei gesurft war, entschlossen, ihre Laufbahn nicht fortzusetzen. Trotz eines gelungenen Wiedereinstiegs ins Wettkampfgeschehen nach der Pause in 2013 (Regattasieg in Cadiz und Platz sieben beim Worldcup vor Palma) ließ sich das Feuer der Begeisterung nicht mehr entfachen, wie es Moana Delle selbst für nötig erachtet hätte, um eine weitere Olympiakampagne anzugehen.

Beste Stimmung bei den Surfern. Moana Delle und Toni Wilhelm können eine weitere Olympiakampagne starten. © STG

Beste Stimmung bei den Surfern. Moana Delle und Toni Wilhelm in London. © STG

„Es war eine harte Entscheidung, denn ich mag das Windsurfen und den Regattasport noch immer. Im August 2013 bin ich nach einer Pause zurück in den Leistungssport gekommen, um in Rio 2016 an die Erfolge von London anzuknüpfen. Aber ich musste feststellen, dass mir dazu das letzte Quäntchen Motivation und ein klares Ziel fehlt. Ich habe meine persönlichen Ziele mit meiner Leistung in London erreicht. Wenn ich etwas mache, dann möchte ich es aus tiefer Überzeugung und mit vollem Einsatz tun. Dafür reicht es leider nicht“, erklärt die Wahl-Hannoveranerin, die sich jetzt auf ihr Studium des Bau- und Umweltingenieurswesen konzentrieren wird.

Moana Delle

Surferin Moana Delle. © Marina Könitzer

Ihrem direkten Umfeld hat sie die Entscheidung bereits mitgeteilt: „Ich fühle mich gut damit. Und ich merke auch, dass sich neue Türen öffnen, durch die ich gern gehen möchte.“

Doch ganz ohne Wehmut geht die ehemalige Jugend-Weltmeisterin (2007), die es kurzzeitig sogar bis auf Platz eins der Weltrangliste geschafft hatte, nicht: „Wenn ich unter den Seglern bin, dann werde ich schon melancholisch. Der Leistungssport war ein schöner und wertvoller Lebensabschnitt. Ich hatte das Privileg, interessante Menschen und die Welt kennenlernen zu können. Ich selbst bin immer wieder an meine eigenen Grenzen gestoßen, die ich gelernt habe zu überwinden. Der Sport hat mir viel beigebracht. Ich bin mir sicher, dass es mir auch in Zukunft helfen wird.

Ich bin glücklich, dass ich die Chance in den vergangenen Jahren hatte, olympisch Regattasegeln zu können. Dies war nur möglich durch meine Trainer Gabi Schlotmann, Diederik Bakker und Pierre Loquet. Der Umzug in das Sportinternat nach Schilksee mit der Fürsorge durch Internatsleiterin Petra Homeyer und den Olympiastützpunkt HH/SH war die richtige Entscheidung.

Moana Delle hart sich besonders im Starkwindbereich verbessert.  © JM Liot / DPPI / FFvoile

Moana Delle hart sich besonders im Starkwindbereich verbessert. © JM Liot / DPPI / FFvoile

Leistungssport ist nur durch persönliche und professionelle Unterstützer möglich. Daher bin ich dem Sportpsychologen Mathias Fauth, dem Deutschen Segler-Verband, dem Sailing Team Germany, EWE und meinem Verein SKBUe sehr dankbar, dass sie mich auf dem Weg nach Olympia 2012 begleitet bzw. mir danach die Möglichkeit gegeben haben, den Sport weiter neben dem Studium zu betreiben.“

Mit dem Worldcup in Hyères nutzt Moana Delle noch einmal eine hochklassige Regatta, die im Trainingsaufbau als ein erster Saisonhöhepunkt vorgesehen war, zum Abschied. Nach der eigenen Karriere steht die erfolgreiche Surferin dem DSV und STG zur Verfügung, um jungen Sportlern ihre Erfahrungen weiterzugeben.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

8 Kommentare zu „Olympia-Mannschaft: Moana Delle beendet ihre Leistungssportkarriere“

  1. avatar Jens Krees sagt:

    Das ist sehr sehr schade! Danke für die tollen Momente während Olympia 2012!!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 25 Daumen runter 0

  2. avatar Philipp Buhl sagt:

    Neeeiiin!!! Wir alle lieben dich doch, Moana!!!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 26 Daumen runter 0

  3. avatar Steffen Pöhlmann sagt:

    … sehr, sehr schade. Aber irgendwie auch sehr mutig.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 0

  4. avatar Steffen Pöhlmann sagt:

    … und stark.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

  5. avatar hansb sagt:

    Eine traurige aber verständliche Entscheidung, die wieder einmal mehr beweist, dass Leistungssportler viel geben aber von der Gesellschaft wenig bekommen. Beim Kampf um die persönliche und berufliche Entwicklung werden sie leider allein gelassen. Für ein so reiches Land, wie die Bundesrepublik Deutschland ist das sehr peinlich und zeigt wiederum welchen Stellenwert der Leistungssport wirklich bei der Politik und Gesellschaft hat. Das haben die Leistungssportler, die sehr große persönliche Opfer bringen, nicht verdient. Wenn nicht das sehr große und lobenswerte Engagement der Wirtschaft vorhanden wäre, würde Deutschland wahrschein hinter der Mongolei rangieren.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 7

    • avatar Backe sagt:

      Hallo, Erde an Raumschiff …?

      Leistungssportler, die sich in voller Opferbereitschaft einzig für die Ehre des Landes aufreiben, dafür aber ach so gar nichts an Anerkennung (oder Geld) von der ach so oberflächlichen Gesellschaft zurückbekommen …?
      Das reiche, geizige Land und die böse böse Politik, die ihre tapferen Farbenträger finanziell völlig nackig im Regen stehen lassen….?
      Von ein paar viel zu wenigen, lobenswert altruistischen und so gar nicht an Eigenwerbung interessierten Wirtschaftsrepräsentanten abgesehen …?
      Mit mehr Geld ist sowieso mehr zu kaufen, auch sportlicher Erfolg …?

      Das ist doch – mit Verlaub – Quatsch mit Soße!

      Unsere Kadersegler genießen erhebliche finanzielle Unterstützung aus Privat- und Steuermitteln, um das zu tun, worauf sie am Meisten Bock haben: erfolgreich Segeln.
      Und wenn sie keinen Bock mehr haben, weil sich die persönlichen Prioritäten verschieben (Siehe oben, Stichwort: Studium), oder es einfach keinen Spaß mehr macht, 300 Tage im Jahr aufs Wasser zu gehen oder in Rio in der Scheiße zu segeln (Siehe oben, Stichwort Motivationsprobleme), dann hören sie eben auf damit.

      Moana hat eine tolle Sportkarriere abgeliefert – ich wette, hauptsächlich, weil sie Bock aufs Surfen hatte – und, wie man oben lesen kann, viel Spaß dabei gehabt. Dazu kann man ihr nur gratulieren.
      Und jetzt macht sie das, was andere Olympioniken vor ihr auch schon getan haben: etwas anderes. Sicher mit genauso viel Spaß. Dazu kann man ihr nur Glück wünschen.

      Wie man daraus die Beweisführung für die Beinahe-Mongolei des deutschen olympischen Spitzensport ableiten kann, erschließ sich mir nicht.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 5

      • avatar hansb sagt:

        Nur mit Spaß am Sporttreiben, bekommt man aber keinen Berufsabschluss. Es gibt genügend Beispiele dafür, dass Sportler gern weitergemacht hätten, wenn sie nicht ständig diesen Druck im Nacken gehabt hätten, irgendwann doch einmal das Studium fertig bekommen zu müssen. In dem oben stehenden Artikel werden ja immerhin einige genannt und das ist nur ein kleiner Teil. Die wenigsten Universitäten oder Hochschulen sind nämlich bereit, den Leistungssportlern bei der Organisation des Studiums entgegen zu kommen. Und hier wäre die Politik gefragt.

        Auch die von Dir zitierte erhebliche Unterstützung habe ich noch nicht gesehen. Das sind ein wenig Sporthilfe, Verbandszuschüsse für Höhepunktwettkämpfe und das war es dann. Davon kann aber kein Sportler leben und schon gar nicht auch noch etwas für die Altersvorsorge tun. Und nicht alle haben großzügige Sponsoren. Deine etwas verklärte und an der Realität vorbeigende Betrachtungsweise hilft hier also nicht weiter.

        Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 5

  6. avatar thomas sagt:

    Erheblich finanzielle Unterstützung ist relativ, aber um überhaupt in den A-Kader zu kommen muss schon irgendjemand, meist die Eltern, wenig bis gar nicht die Wirtschaft, sehr sehr viel Geld in die Hand nehmen. Und auch im B- und A-Kader reicht es noch nicht einmal zum leben, sondern muss auch zugeschossen werden. So ehrlich sollte man schon sein!
    Und auch so ehrlich, dass die Erfolge von Moana jetzt noch ein guter Türöffner für das Berufsleben sind, es nach Rio aber nicht mehr wären.

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *