Olympia-Vergleichsfahrten: Weltmeister Kontides siegt immer – auf jedem Boot!

Ist der Laser „raus“?

D-Zero, Vergleichsfahrt, Laser

Die D-Zero, hier mit Rigg für Frauen, überzeugte offenbar die meisten Testsegler © farevela

Vor Valencia gingen die Vergleichsfahrten für einen etwaigen Ersatz des Lasers bei Olympia zu Ende. Offizielle Ergebnisse sind erst im Sommer zu erwarten. D-Zero machte offenbar besten Eindruck. Laser schnitt enttäuschend ab.

Heute gehen die offiziellen Test- und Vergleichsfahrten vor Valencia zu Ende, bei denen Melges 14, Aero RS und Devoti Zero gegen den Laser angetreten waren. Der von World Sailing ausgeschriebene Vergleich soll prüfen, ob der Laser als Einhandjolle bei den Olympischen Spielen gegen eine andere Jolle ausgetauscht werden soll/kann/muss (SR-Artikel)

Die Tests verliefen zwar unter der gebotenen Geheimhaltung, in den Sozialen Netzwerken kursierten jedoch einige Informationen seitens der testenden Segler. Zudem war ein Journalist des italienischen Segel-Magazins Far e Vela vor Ort, der offenbar zu Testseglern Kontakt hatte und sogar Videos drehen durfte. Da diese jedoch aus weiter Entfernung aufgenommen wurden, haben sie nur wenig Aussagekraft. 

Ist D-Zero allen überlegen?

Die eher technisch ausgelegten Vergleichsfahrten, bei denen die unterschiedlichen Klassen strikt gegeneinander segelten, die jeweiligen Segler und Seglerinnen sich auf den Booten abwechselten und so ein relativ dichtes Vergleichsmuster aufgebaut werden konnte, zeigten offenbar immer wieder leichte bis große und somit eindeutige Vorteile für D-Zero. Die Jolle überzeugte anscheinend alle mit sehr guten Eigenschaften in leichten bis mittleren Winden. Vor allem am Wind scheint die D-Zero einen sehr guten Eindruck hinterlassen zu haben.

D-Zero, Vergleichsfahrt, Laser

Vergleichsfahrten Aero gegen D-Zero © farevela

Natürlich sind bei solchen Vergleichsfahrten auch Flottenregatten angesagt. Dass solche Rennen jedoch in erster Linie vom Können der teilnehmenden Segler abhängen und nur wenig über das Leistungsvermögen der Boote untereinander vermitteln, zeigte sich gestern. 

Denn unter den Testseglern befand sich kein geringerer als der amtierende Weltmeister im Laser, Pavlos Kontides. Der Zypriote segelte bei 14-16 Knoten Wind und einer eher kabbeligen, relativ niedrigen, aber kurzen Welle jedes Boot zum Sieg. Wobei festzustellen ist, dass er den größten Abstand zum restlichen Feld offenbar mit dem D-Zero erreichte. Unverständlicherweise blieb jedoch der Laser – sozusagen als Defender – bei diesen Vergleichsregatten an Land. Wetten, dass Kontides mit seinem ganz persönlichen Spielzeug ebenfalls alle niedergesegelt hätte?

Kommt alles auf den Steuermann an!

So siegte bei sechs Rennen drei Mal D-Zero, die anderen Rennen gewannen Melges und Aero, jedoch ebenfalls mit Kontides an der Pinne. Bei den Frauen siegte in allen Rennen D-Zero. 

So eindeutig es offenbar einen Sieger bei all’ diesen Vergleichfahrten gab, so eindeutig war auch ein Verlierer zu erkennen: Der Laser schnitt Gerüchten und Far e Vela-Aussagen zufolge eher suboptimal ab und konnte nur wenige Vergleichsfahrten gegen die anderen Boote für sich entscheiden.

Bedeutet dies nun das Aus für den Laser bei Olympia? Szenekenner winken bei solchen Fragen ab. Denn nicht nur die reine Performance auf dem Wasser ist ausschlaggebend für eine Entscheidung von World Sailing, sondern auch Faktoren wie etwa die Verbreitung der Bootsklasse. Und die dürfte mit mittlerweile weit über 200.000 weltweit segelnden Booten schlicht unschlagbar sein. 

D-Zero, Vergleichsfahrt, Laser

© farevela

Außerdem wird gemunkelt, dass der D-Zero Hersteller Luca Devoti derzeit eher wenige Freunde bei World Sailing hat. Der Italiener hatte eine Anti-Trust-Klage der EU gegen die Hersteller-Monopole angeregt.

In den nächsten Tagen sollen die Einschätzungen der Tester des WS Equipment Comittees ebenso wie die Erfahrungsberichte der Testsegler verarbeitet und World Sailing für eine Entscheidung vorgelegt werden. Mit der sei jedoch frühestens im Spätsommer zu rechnen, ist aus World Sailing-Kreisen zu vernehmen.

Wirtschaftlich brisante Entscheidung

Wie auch immer die Entscheidung ausfallen wird, eines ist jetzt schon klar: Sollte man sich für einen Olympia-Ersatz des Lasers entscheiden, wird der neue Klassenprimus weltweit einen Boom erleben. Aber auch dann wäre der Niedergang des Lasers noch keineswegs beschlossene Sache. Denn bisher haben noch Bootsklassen, die den olympischen Regattakurs verlassen mussten, durchaus gesund und munter weiter durchgehalten. Vor allem dann, wenn sich ihr Preis in einem bezahlbaren, Wahrhaft massentauglichen Rahmen bewegt.  Und irgendwie machen große Regattafelder (wie beim Laser) dann doch mehr Spaß, als „Match Races“ gegen zehn Konkurrenten. Und bis eine neue Klasse den Laser in seiner Verbreitung eingeholt hat, dürften noch Jahrzehnte vergehen. 

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