Olympia vor der Verschiebung: Australien lässt sein Segelteam zuhause – Druck auf IOC erhöht

Ohne die Besten

Das IOC ziert sich noch mit der Absage der Olympischen Spiele. Aber Australier und Kanadier sind nun vorgeprescht. Damit fehlt in Japan das vielleicht stärkste Segelteam der Welt.

Das australische Segelteam dominiert seit 2008 zusammen mit den Briten die olympische Segelszene. Bei den vergangenen drei Spielen sammelten die Aussie-Segler elf Medaillen, davon sechsmal Gold. Auch 2020 gehörten sie in wieder in drei Klassen zu absoluten Gold-Favoriten. Aber in diesem Jahr wird kein neues Edelmetall dazu kommen. Die Australier haben sich von Olympia abgemeldet.

Im Nacra 17 nahezu perfekt unterwegs: Jason Waterhouse/Lisa Darmanin.
© www.segel-bilder.de /Kieler Woche

Kanada und Australien haben wegen der Risiken im Zusammenhang mit dem Coronavirus erklärt, 2020 keine Athleten zu den Olympischen Spielen nach Tokio entsenden. Ihre Sport-Vertreter fordern eine Verschiebung auf 2021.

In der Erklärung der Kanadier heißt es: “Wir sind uns zwar der Komplexität einer Verschiebung bewusst, aber nichts ist wichtiger als die Gesundheit und Sicherheit unserer Athleten und der Weltgemeinschaft. Es geht nicht nur um die Gesundheit der Athleten, sondern auch um die öffentliche Gesundheit.”

Die Australier erklären: “Unsere Athleten müssen nun ihre eigene Gesundheit und die ihrer Mitmenschen in den Vordergrund stellen. Sie sollten zu ihren Familien zurückkehren können”.

Stress und Ungewissheit

Der australische Chef der Mission Ian Chesterman sagt gegenüber CNN: “Es ist klar, dass die Spiele nicht im Juli stattfinden können. Unsere Athleten haben eine großartige positive Einstellung zum Training und zur Vorbereitung gezeigt, aber der Stress und die Ungewissheit haben sie vor eine große Herausforderung gestellt.”

Die Absagen der beiden Nationalen Komitees erfolgten kurz nachdem das IOC nach langem Zögern erklärt hatte, keine Absage, aber eine Verschiebung zu erwägen. Zuletzt hatte selbst der japanische Premierminister Shinzo Abe gesagt, dass eine Entscheidung zur Verschiebung der Olympischen und Paralympischen Spiele in Tokio möglicherweise notwendig sei.

Viele Athleten hatten sich zuletzt für eine Verschiebung stark gemacht. Neben der Corona-Ansteckungs- und Verbreitungsgefahr sei es längst zu einer unfairen Leistungsverschiebung gekommen, da viele Sportler nicht mehr in der Lage seien, einem geregelten Trainingsrythmus nachzugehen.

Der Laser-Olympia-Favorit Matthew Wearn bei schwerem Wetter. © M. Wearn

Es wird erwartet, dass der Termin 2020 ohnehin nicht mehr zu halten ist und sich der Druck auf das IOC mit der Absage dieser beiden Nationalen Olympischen Komitees weiter erhöht.

Bei den Australiern sind mit Matthew Wearn (Laser), Belcher/Ryan (470er) und Waterhouse/Darmanin (Nacra17) drei absolute Gold-Favoriten in den zehn Olympischen Klassen betroffen. Allein dadurch wären olympische Segelspiele ohne sie schon jetzt eine Farce.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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