Olympia-Vorbereitung: 470er-Kampf um Tokio – Zwei deutsche Teams noch im Rennen

"188 Wassertage und 570 Segelstunden"

In der 470er-Klasse der Männer wird der letzte Platz für Tokio nun bei der Portugal-WM im März vergeben. Die deutschen Teams bereiten sich in Lanzarote vor.  Simon Diesch und Philipp Autenrieth zeigten bei zwei Testregatten gute Form. Sie berichten über den Stand.

Diesch und Autenrieth beim Training in Lanzarote. ©Diesch & Autenrieth

Die deutschen 470er-Männer haben ihr Trainingslager auf Lanzarote beendet. Simon Diesch und Philipp Autenrieth sind wie auch Malte Winkel und Matti Cipra heiße Anwärter im Kampf um das letzte europäische Nationenticket für Olympia, dass sie 2019 knapp verpasst hatten

Nach der gerade für die 470er-Klasse brutal erignislosen Corona-Saison 2020 ist nun klar, dass die Entscheidung, ob überhaupt ein deutsches Männer-Team zu Olympia fährt, bei der 2021 WM im portugiesischen  Vilamoura fällt, die am 6. März startet.

In ihrem Newsletter berichten Diesch und Autenrieth nach ihrem Update im August über ihren aktuellen Leistungsstand und das Training in Lanzarote:

“Das Training in Lanzarote ist für dieses Jahr beendet. Vom 10.-13.Dezember fand die erst vierte aber gleichzeitig letzte Regatta des Jahres für uns statt. Der Real Club Nautico de Arrecife richtete das zweite Event der Lanzarote Winter Series aus. Am Start waren insgesamt 21 Boote aus 13 Nationen, darunter acht der Weltbesten Herrenteams.

Nachdem wir das erste Event vor drei Wochen bereits auf dem dritten Platz beendet hatten, war die Zielsetzung wieder aufs Podium zu kommen, klar. Bei perfekten Bedingungen zwischen 12-22 Knoten Wind wurden an den ersten drei Tagen 12 Wettfahrten gesegelt. Wir lagen von Anfang an auf Rang drei hinter Spanien und Schweden.

Am letzten Tag waren noch zwei Rennen und ein Medal Race geplant. Auch wenn der Wind auf 5 Knoten nachließ konnten wir die beiden normalen Wettfahrten wie geplant segeln. Nach einer kurzen Pause und der Veröffentlichung der Ergebnisse ging es direkt mit dem Medal Race weiter. Um unseren dritten Rang zu halten, mussten wir in der Nähe der Russen bleiben. Für Silber waren wir ein wenig auf die Hilfe der anderen Boote angewiesen da wir sechs Punkte Rückstand auf die beiden Schweden hatten.

Nach einem guten Start waren wir gleich vorne dabei, alles lief nach Plan. Dann drehte der Wind plötzlich um 50° und wirbelte die Situation durcheinander. Wir reagierten schnell und lagen nach der Leetonne in Führung. Die gaben wir bis ins Ziel nicht mehr ab! Medal Race gewonnen! Die Schweden beendete das MR auf Rang vier – und damit hatten wir insgesamt Platz zwei erkämpft! Der perfekte Abschluss eines zähen und für uns Sportler schwierigen Jahres.

Wintertraining Lanzarote

Bei guten Bedingungen – leichte bis frische Winde und entsprechender Welle – haben wir vor der kanarischen Insel nun fast sechs Wochen trainiert. Ein Schwerpunkt lag auf dem Testen von Segeln und deren Kombination mit den verschiedenen Masten. Wir haben dabei viele wichtige Erkenntnisse gesammelt und vor allem bei der Auswahl des Großsegels nochmal einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Mit den beiden kleineren Regatten hier auf Lanzarote und den beiden Events im Januar, die nordamerikanische Meisterschaft und den World-Cup in Miami (Platz zehn), kamen wir insgesamt auf vier Regattaserien im 470er im ganzen „Olympia“-Jahr 2020. Auch wenn sich die Zahl der Wettkämpfe auf ein Drittel zu den vergangenen Jahren reduziert hat und wir im Frühjahr eine sechswöchigen Zwangspause einlegen mussten, kamen wir dieses Jahr insgesamt auf 188 Wassertage und 570 Segelstunden.

Während Simon über die Weihnachtstage nach Hause zu seiner Familie fliegt und am 4. Januar wieder in Lanzarote sein will, bleibt Philipp auf der Insel und bekommt dafür Besuch von seiner Familie – alles jeweils mit entsprechenden Tests vor und zurück …”

Für den Januar sind dann weitere Trainingseinheiten und die dritte Regatta der Winter-Serieauf Lanzarote geplant, ehe Anfang Februar der ganze Tross nach Vilamoura umziehen wird. Denn in dem portugiesischen Segel-Zentrum wird ab dem 6. März die Weltmeisterschaft der 470er ausgesegelt. So zumindest ist der Plan.

Damit verbunden ist einerseits die Vergabe des letzten europäischen Nationenstartplatzes für Olympia und auch ein erster Teil der deutschen Ausscheidung um eben dieses Ticket – so es denn Malte Winkel und Matti Cipra oder wir in Vilamoura holen. Die Teams werden dort alle rechtzeitig anreisen, so dass Tests und/oder Quarantäne-Tage frühzeitig möglich wären. Ob es dann auch so läuft? Wir sind Segler und keine Hellseher, versuchen aber vorausschauend zu agieren ..”

Ergebnisse Winterseries II Lanzarote

Ergebnisse Winterseries I Lanzarote

3 Kommentare zu „Olympia-Vorbereitung: 470er-Kampf um Tokio – Zwei deutsche Teams noch im Rennen“

  1. avatar Tegernsegler sagt:

    Da wird ja scheinbar ziemlich viel Geld verbrannt, dafür das am Ende keine Olympia Teilnahme dabei herumkommen wird. Sind die Sponsoren privat oder vom dsv?

    • avatar Sven 14Footer sagt:

      Mal ehrlich, wenn die Segler nicht trainieren, und das auch im Europäischen Winter, werden wir heutzutage bestimmt keine Olympiateilnehmer haben. Die Trauben hängen hoch.

  2. avatar Frankman sagt:

    Bin hin und hergerissen, wie auch bei den anderen Olympioniken – und nicht nur den Seglern. Auf der einen Seite diese unglaubliche Beharrlichkeit und Detailversessenheit (6 Wochen Training um unter mehreren Segel / Mastvarianten den richtigen Setup oder das passende Groß zu finden) ohne die man wahrscheinlichgar nicht erst antreten braucht. Diese “Never give up” Attitüde auch nach Rückschlägen und das Ganze wird bei den meisten bereits über 15 Jahre durchgehalten
    Auf der anderen Seite: 188 (!) Wassertage in einer quasi “Nicht Sasion”, mehrere Boote auf mehreren Kontinenten, die Flüge und Transporte dazwischen, die Trainer im Mobo daneben – ein Wahnsinnsaufwand um dann eine Mannschaft nach Tokio zu bringen. Ja – und die anderen Nationen ballern da noch mehr Aufwand rein. Und im schlimmsten Fall ist man dann zweiter, fährt nicht hin und mit knapp dreißig wird es mit dem anderen Leben (das ausserhalb der Segelblase) auch nicht enfacher…..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

2 × drei =