Olympia Weltcup Hyères: Moana Delles grandioses Finish, Kröger gewinnt Herzschlag-Finale

Gold zum Abschied

Surfer RSX Medalraces:

Es ist wirklich unglaublich. Moana Delle hat bei ihrem letzten Auftritt im Olympia-Zirkus den vielleicht größten Erfolg ihrer Karriere gefeiert. Im wichtigen Jahr der ISAF Weltmeisterschaft in Santander hat die Surferin die besten Athletinnen ihrer Klasse in einem dramatischen Finish besiegt.

Delle, die ihre Karriere nach dieser Regatta beendet, ließ die Olympiasiegerin und Bronzemedaillen-Gewinnerin hinter sich und zeigte noch einmal eindrucksvoll, dass sie in Rio eine absolute Medaillen-Kandidatin gewesen wäre.

Moana Delle

Moana Delle schließt ihre Karriere mit einem grandiosen Sieg ab. © Jacques Vapillon

Im Medalrace ging es für die Top drei darum für den Gesamtsieg vor den Gegnerinnen zu liegen. Die Chinesin eröffnete das Rennen mit Vorteilen aber Delle konnte sie auf der Kreuz überholen und dann beide Gegnerinnen am Ende des Feldes in Schach halten.

Die Freude über die Leistung der Vorzeige-Athletin aus Nordrhein Westfalen ist bei allen Beteiligten groß und zeigt, dass die deutschen Segler auf einem guten Weg sind, Anschluss an die Weltspitze zu finden. Aber auf der anderen Seite ist auch keine Surferin in Sicht, die auch nur annähernd die Nachfolge von Delle antreten könnte. Es gibt keine weiteren Surfer in der Nationalmannschaft.

Heiko Kröger

Heiko Kröger siegt im Finale. © Jacques Vapillon

Aber der Weltcup in Hyères hat doch eine positive Entwicklung der deutschen Segler gezeigt. Heiko Kröger hat einen weiteren grandiosen Sieg gegen seine härtesten Paralympics Gegner eingefahren. Nervenstark siegte er im letzten Rennen gegen den ewigen Rivalen Damien Seguin und gewann mit einem Punkt Vorsprung.

Leistungskurve zeigt nach oben

Insgesamt zeigt die Leistung der DSV-Akteure eine positive Entwicklung. Nach nur vier Medalrace-Platzierungen beim Weltcup auf Mallorca waren die deutschen Segler diesmal in fünf Finals vertreten. Die Arbeit der 470er scheint sich mit besseren Leistungen auszuzahlen. Jan-Jasper Wagner/Dustin Baldewein zeigten mit ihrem Sieg beim Medalrace ihr Potenzial auch wenn das nicht zur Verbesserung von Rang 10 sorgte.

Annika Bochmann/Karoline Göltzer ließen ihren 33. Platz von Palma vergessen und schoben sich auf Rang acht mitten unter die Besten der Welt.

Wagner Baldewein

Wagner Baldewein werden immer besser. Sie gewannen das Medalrace. © Jacques Vapillon

Ärgern werden sich Philipp Buhl und Erik Heil/Thomas Plößel, die bisherigen Vorzeigesegler des Sailing Team Germany. Sie verpassten das Medalrace auf den letzten Metern. Buhl durch einen Frühstart und die 49er Jungs durch schwache Abschlussergebnisse.

Aber um die einzigen Elite Team Mitglieder der Olympiaklassen muss man sich wohl keine Sorgen machen. Sie haben längst gezeigt, dass sie das Potenzial für Spitzenplätze haben.

Dazu gehören eigentlich auch die 49er FX Seglerinnen Jurzok/Lorenz, die in Palma noch auf Rang sechs segeln konnten aber diesmal über Rang 20 nicht hinauskamen. Aufsteigende Form zeigten dagegen Leonie Meyer, die sich mit der lange verletzten Elena Stoffers schon auf Rang 14 vorarbeitete. Auch die Görge Schwestern dürften nach Rang 18 noch zulegen können. Die gesamte 49FX Trainingsgruppe ist jedenfalls so stark, dass darin ein großes Potenzial für die Gruppe liegt.

Das neue Format

Schwierig ist es für die Segler, ihren Fahrstil an das Format anzupassen, das jetzt schon zum zweiten Mal nach dem Palma Weltcup angewendet wird. Die wilden Experimente des Vorjahres mit einer großen Gewichtung der letzten Renntage und des Medalraces sind offenbar vorbei.

Moana Delle

Emotionaler Moment. Moana feiert mit ihrem Coach. © STG

Nun segeln die Klassen die gesamte Serie mit nur einem Streichresultat und dem doppelt zählenden Medalrace der besten zehn Boote. Nur die 49er segeln am Ende drei extreme Kurzrennen. Ob es aber dabei bleibt, ist noch nicht klar. Die ISAF will in den nächsten Wochen darüber entscheiden.

Die Wettfahrt-Anzahl reichte von 11 bei den 470er Frauen bis 18 bei den 49ernFX. Dieses Format erfordert von den Seglern eine enorme Beständigkeit. Ausfälle können kaum kompensiert werden. Das Risikomanagement muss diesem Umstand angepasst werden.

Aber auf die Spitzenplätze hat das bisher noch kaum Einfluss genommen. In den 470er Klassen gewannen die Olympiasieger von 2012. Bei den 49ern waren die Weltmeister Burling/Tuke wieder erfolgreich und auch die Olympiasieger Outteridge/Jensen dürften nach ihrer längeren Abwesenheit vom Circuit mit Bronze sehr zufrieden sein.

Ergebnisse Hyères Weltcup

Hyeres Weltcup Eventseite

49er Medalraces:

470er Medalraces:

Nacra17 Medalraces:

Finn Dinghy Medalrace:

Die Pressemitteilung vom DSV:

Zweimal Weltcup-Gold für die deutsche Segel-Nationalmannschaft

Die deutsche Segel-Nationalmannschaft hat beim Finale des Sailing World Cup vor Hyères in Frankreich zwei Goldmedaillen gewonnen. Nachdem 2.4mR-Steuermann Heiko Kröger bereits am Freitag seinen im vergangenen Jahr gewonnenen Titel erfolgreich verteidigt hatte, surfte auch Moana Delle am Samstag auf den höchsten Podiumsplatz. Die als Dritte ins Medaillenfinale der RS:X-Surferinnen gestartete Münsteranerin hielt ihre beiden direkten Rivalinnen im spannenden Medaillenkrimi clever in Schach und verwies die Chinesin Jiahui Wu und die Polin Maja Dziarnowska in der Endabrechnung auf die Plätze zwei und drei.

Mit ihrem Sieg verabschiedet sich die Top-Athletin vom Segelklub Bayer Uerdingen vom olympischen Leistungssport. „Wir respektieren diese Entscheidung, doch Moana Delle wird uns als Sportlerin und als Mensch sehr fehlen“, sagte DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner (Hamburg), „sie hat mit ihrem Weltcup-Sieg noch einmal ihr großes Talent und ihr Leistungsvermögen unter Beweis gestellt. Unsere Tür bleibt für sie immer offen.“

Moana Delle selbst sagte: „Ich bin erfüllt von Freude über eine großartige Woche in tollen Bedingungen.” Auch deswegen tritt sie “ohne Wehmut“ ab. Moana Delle sagt, sie habe ihre letzte Regatta genossen, sich selbst ein goldenes Abschiedsgeschenk gemacht und wolle sich nun auf ihr Studium konzentrieren und neue Ufer ansteuern. Dem olympischen Segelsport wird sie fehlen, denn Nachwuchs ist in dieser Frauen-Surfdisziplin, die der Weltseglerverband ISAF schon einmal aus dem olympischen Programm gestrichen, dann aber wieder eingesetzt hatte, für Rio de Janeiro noch nicht in Sicht.

Für vielversprechenden Ausgleich sorgt RS:X-Surfer Toni Wilhelm, der auch bei seiner zweiten Regatta nach dem Weltcup-Comeback im März Weltklasse-Leistungen zeigte. Der 31-jährige Sportwissenschaftler vom Württembergischen Yacht-Club beendete die sechstägige Serie in Winden zwischen elf und 18 Knoten als Siebter in der Gewissheit: „Ich bin trotz fast eineinhalbjähriger Pause dran und drin in der Weltspitze. Die eigentlich Arbeit beginnt ja erst jetzt und ich freue mich auf alles, was nun kommt.“ Der Olympia-Vierte will es noch einmal wissen und 2016 vor Rio de Janeiro nach der Medaille greifen, die er vor Weymouth so knapp verfehlt hatte.

Drei weitere DSV-Teams des Audi Sailing Team Germany konnten sich beim Klassiker vor Hyères für die Medaillenrennen der jeweils besten zehn Teams in ihren Disziplinen qualifizieren: Im 49er FX segelten Tina Lutz vom Chiemsee Yacht Club und Susann Beucke aus Strande auf Platz sechs. „Die beiden haben bestechend konstante Ergebnisse abgeliefert und sich verlässlich in den Top Ten etabliert.

Eine starke und sehr konzentrierte Leistung!“, lobte DSV-Vizepräsident Torsten Haverland. Vorschoterin Susann Beucke vom Hannoverschen Yacht-Club sagte: „Wir haben in dieser Serie umsetzen können, was wir uns nach Palma vorgenommen hatten. Das war gut. Nicht ganz so gut sind die drei Medaillenrennen heute verlaufen. Wir sind gut gestartet, aber nicht optimal mit dem kleinen begrenzten Kurs zurechtgekommen. Daran werden wir nun feilen.“

Auch zwei 470er-Crews machten mit ihren Finalteilnahmen auf sich aufmerksam: Jan-Jasper Wagner und Dustin Baldewein gewannen sogar das Medaillenrennen, wurden insgesamt Zehnte. Annika Bochmann und Karoline Göltzer belegten im Finale Rang sieben und beendeten die Weltcup-Regatta als Achte. Beide Teams kommen vom Verein Seglerhaus am Wannsee und schickten mit ihren Leistungen Grüße an die 470er-Hochburg der Hauptstadt. „Das war ein gelungener Auftritt“, sagte Nadine Stegenwalner, „auf dieser Basis muss nun intensiv weitergearbeitet werden.“

Kleine Rückschläge musste Laser-Steuermann Philipp Buhl vom Segelclub Alpsee Immenstadt und die 49er-Crew Erik Heil/Thomas Plößel vom Norddeutschen Regatta Verein in Frankreich einstecken. Der WM-Dritte aus Sonthofen und das Duo aus Berlin konnten ihr Leistungsvermögen nicht konstant abrufen. Herausragenden Einzelplatzierungen ließen sie einige heftige Ausrutscher folgen.

Am Ende verpassten sowohl Deutschlands Segler des Jahres 2013 als auch die Palma-Weltcup-Sieger von 2013 den Sprung in die Medaillenrennen. „Das ist sicher kein Drama, denn das Leistungsvermögen ist ja vorhanden und sichtbar“, sagte Nadine Stegenwalner, „dennoch muss hier bis zum Saisonhöhepunkt bei der Weltmeisterschaft vor Santander im September intensiv an Konsequenz und Kontinuität gearbeitet werden.“

Für Lichtblicke am bislang eher düsteren Horizont in den Klassen Laser Radial und Nacra 17 sorgte der Nachwuchs. Stegenwalner sagte: „Der 21. Platz der erst 20 Jahre alten Junioren-Weltmeisterin Svenja Weger vom Potsdamer Yachtclub, die mit einem dritten, einem vierten und einem achten Rang ihr Potenzial im Laser Radial mehr als angedeutet hat, macht viel Hoffnung. Und auch der 34. Platz der noch sehr jungen Mannschaft Paul Kohlhoff und Carolina Werner im Nacra 17 zeigt, dass es langsam bergauf geht.

DSV-Präsident Andreas Lochbrunner hatte die Segel-Nationalmannschaft in Hyères besucht um sich ein Bild von der Arbeit des Teams vor Ort zu machen und die Seglerinnen und Segler persönlich zu treffen. „Ich gratuliere Moana und Heiko sehr herzlich – das waren tolle Leistungen! Das Ergebnis von Hyères ist insgesamt eine Steigerung zu den Resultaten von Palma. D

as ist erfreulich, auch wenn noch viel Arbeit auf uns wartet. Ich habe einige Punkte gesehen, die mir Anlass zum Nachdenken geben. Ich werde mich dazu jetzt mit dem zuständigen Vizepräsidenten, der Sportdirektorin, den Fachleuten und Förderinitiativen beraten. Danach werden wir mit Transparenz und Konsequenz den Kurs nach Rio vielleicht auch mit ein paar neuen Ideen fortsetzen.“

 

 

GESAMTERGEBNISSE

Die erfolgreichsten Starter der Deutschen Segel-Nationalmannschaft beim Sailing World Cup vor Hyères in Frankreich 2014

 

Medaillenrennen:

1. Moana Delle (Kiel) – Surfen RS:X (Segelklub Bayer Uerdingen)

6. Tina Lutz/Susann Beucke (Bergen/Strande) – 49er FX (Chiemsee YC, Hannoverscher YC)

7. Toni Wilhelm (Dogern) – Surfen RS:X (Württembergischer YC)

8. Annika Bochmann/Karoline Göltzer (Kiel) – 470er (Verein Seglerhaus am Wannsee)

10. Jan-Jasper Wagner/Dustin Baldewein (Berlin) – 470er (Verein Seglerhaus am Wannsee)

++++++

11. Erik Heil/Thomas Plößel (Kiel) – 49er (Norddeutscher Regatta Verein)

14. Philipp Buhl (Sonthofen) – Laser (Segelclub Alpsee Immenstadt)

14. Leonie Meyer/Elena Stoffers (Osnabrück) – 49er FX (Norddeutscher Regatta Verein)

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Olympia Weltcup Hyères: Moana Delles grandioses Finish, Kröger gewinnt Herzschlag-Finale“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Geil, das Moana das Ding gerockt hat!
    An Heikos Klasse Leistungen ist man ja schon fast gewöhnt. Glückwunsch! Glückwunsch auch an alle anderen deutschen Teilnehmer für die guten Ergebnisse

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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