Olympia 2012: Schadewaldt/Baumann verpassen Medalrace – ihr Fazit

"Das müssen wir nochmal probieren"

Tobias Schadewaldt und Hannes Baumann überlegen, wie es weiter geht. © Marina Könitzer

Gold und Silber bei den 49ern schon vor dem Medalrace vergeben, das ohne Tobias Schadewaldt und Hannes Baumann stattfindet. Die Kieler scheiterten als Elfte knapp am Cut.

Die Medaillenzeremonie für den australischen Gewinner im Laser, Tom Slingsby, lief gerade in Weymouth, da kamen seine Landsleute Nathan Outteridge und Iain Jensen im 49er als vorzeitige Olympiasieger vom Wasser. Auch Silber ist schon vor dem Medal Race vergeben an Peter Burling/Blair Tuke (Neuseeland) – ein Novum.

Outteridge/Jensen segeln im 49er einer anderen Liga und haben Gold vor dem Finale sicher. © Marina Könitzer

Outteridge/Jensen segeln im 49er einer anderen Liga und haben Gold vor dem Finale sicher. © Marina Könitzer

„Die beiden Crews segeln eine und zwei Klassen höher“, resümierten Schadewaldt und Baumann ihre Olympia-Premiere, „da konnte keine andere Mannschaft dran rütteln.“ Bei konstanten Winden auf den Außenbahnen wäre die Überlegenheit vermutlich noch deutlicher gewesen.

Die Kieler hätten zu gerne noch den Einzug ins Finale geschafft, scheiterten aber am Schlussspurt der Italiener Guiseppe Angilella und Gianfranco Sibello, die sich mit 5/1 in den letzten beiden Rennen noch vorbeischoben.

Schadewaldt/Baumann kamen vor Weymouth nicht in Fahrt, wie erhofft. © Marina Könitzer

Schadewaldt/Baumann kamen vor Weymouth nicht in Fahrt, wie erhofft. © Marina Könitzer

„Knapp daneben ist auch vorbei“, meinte Baumann kurz, „am Ende haben wir hart gekämpft, aber es hat nicht mehr sollen sein.“ Der Punkteballast vom zweiten Tag, als die Kieler Woche-Sieger zweimal kenterten wog letztlich dann zu schwer. „Da haben wir unser Potential nicht abgerufen“, so der Steuermann, „aber zu den Besten fehlte insgesamt auch ein ganzes Stück.“

Was also trennt die Spreu vom Weizen? „Die sind schlicht viel schneller, nur keiner weiß warum“, fragt sich auch Schadewaldt, „doch zaubern können die ja nicht.“ Ist es eine etwas andere Rumpfform oder der Segelschnitt? Es scheinen viele kleine Bausteine zu sein, auch das Bootshandling sitzt bei den Ozeanern sicherer.

Sie agieren und reagieren schneller als der Rest der Konkurrenz. Das scheint sowohl eine Frage der Erfahrung, aber auch der außergewöhnlichen Fitness zu sein. Angeschlagen hatten die Deutschen vor Wochenfrist nichts zu bestellen.

Die deutschen 49er streichen in England endgültig die Segel. Schadewaldts Freundin Moana Delle steht frierend dabei. © Marina Könitzer

Die deutschen 49er streichen in England endgültig die Segel. Schadewaldts Freundin Moana Delle steht frierend dabei. © Marina Könitzer

Dass Routine allein in diesem komplexen Boot nicht reicht, belegten die Spanier Iker Martínez und Xabier Fernandez. Nach Gold in Athen und Silber in Qingdao landeten die zweimaligen Weltumsegler (Barcelona World Race und Volvo Ocean Race), die von ihrem Verband gesetzt worden waren, mit kurzer Vorbereitungszeit auf die Spiele noch zwei Zähler hinter den Deutschen auf dem zwölften Platz. Auch das rückt die Leistung von Schadewaldt/Baumann in ein gerechteres Licht.

Vier Jahre hatten sie sich auf den vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere vorbereitet, zumindest Allround-Talent Schadewaldt lange gezögert, ob er es nicht doch im Laser versuchen soll. Vielleicht hat die Zeit noch nicht gereicht?

„Wir sind sicher nicht über den Zenit hinaus“, so das Duo, „und wir mögen uns. Aber über die Zukunft entscheiden wir später.“ Bei den Finals der Surfer am Dienstag wollen sich die 49er-Jungs am Ufer des Nothe-Kurses für Toni Wilhelm (ab 14 Uhr) und Moana Delle (ab 15 Uhr) die Seele aus dem Leib schreien, Schadewaldt ganz besonders für seine Freundin Moana.

Danach will das Duo erstmal pausieren, aber schon auf der Ziellinie hatte der Vorschoter gesagt: „Das müssen wir 2016 noch einmal probieren.“

Moana Delle begrüßt ihre Helden an der Slip Rampe. © Marina Könitzer

Tobias Schadewaldt hatte sich in Weymouth mehr erhofft. © Marina Könitzer

Der ehemalige Lasersegler Hannes Baumann will es 2016 noch einmal versuchen. © Marina Könitzer

Surferin Moana Delle kämpft morgen im Medalrace um eine Medaille. © Marina Könitzer

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7 Kommentare zu „Olympia 2012: Schadewaldt/Baumann verpassen Medalrace – ihr Fazit“

  1. avatar Laserrecke sagt:

    andere rumpfform beim 49er?! Was sind das für stories?!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

  2. avatar Andreas sagt:

    Minimale Toleranz optimal genutzt?!
    Macht sicher nicht viel aus, denke ich, aber hier ein bischen, da ein wenig.
    Jedenfalls kann sich den Riesenvorteil keiner wirklich erklären.

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  3. avatar Manfred sagt:

    Wie es heißt, gibt es gefräste Blöcke für die Formen, die dann an die lizensierten Bootsbauer geliefert wurden. Die Segel ?Darf man da überhaupt z.B. etwas an der Vorliekskurve ändern?

    Ich habe Nathan segeln gesehen. In einer anderen Bootsklasse (Moth). Der ist einfach von einem anderen Stern. Bootshandling wie kein zweiter. Sein A-Cat Ergebnis nach kurzer Eingewöhnung: Weltklasse. AC45: sofort Top Platzierungen. Was der noch alles zwischendurch segelt will ich jetzt nicht aufführen. Das macht die Klasse aus. Nicht wie bei uns immer vermutet, eine Materialüberlegenheit.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

    • avatar Christian sagt:

      die Segel sind strikt One Design, da darf nichts geändert werden, schon gar kein Vorliekskurve. Die Topteams werden sicherlich versucht haben, die kleinen Fertigungstoleranzen zu ihrem Vorteil zu nutzen. Der Effekt dürfte klein sein, jedenfalls im Vergleich zum Bootshandling.

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  4. avatar Christian sagt:

    Zwar gibt es zwei Hersteller für 49er Rümpfe (Ovington und Mackay). Man sagt älteren Booten nach, dass die Mackay besonders steif seien. Aber vor knapp zwei Jahren wurden neue Formen für die beiden Hersteller erstellt (die alten waren nach über 1000 Booten abgenudelt). Und die sind mit Sicherheit nahezu identisch, darauf wurde sehr geachtet. Konstrukteur Julinan Bethwaite hat ein wachsames Auge.

    Auch bei den Segeln dürften die Toleranzen klein sein.

    Es ist in jedem Fall das überragende seglerische Können von Outtteridge und Jensen, das hier zum Tragen kam. Outteridge hat es ja auch in anderen hochkompetitiven Klassen unter Beweis gestellt (Moth, A-Cat, AC 45).

    Nebenbei bemerkt: Outteridge ist lange nicht so aggressiv wie Ainslie. Und wenn er sich treu bleibt, wird er Ainslies Medaillenrekord eines Tages einstellen.

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  5. avatar Nobody sagt:

    Ohne überhaupt die Kiwis im 49er je segeln gesehen zu haben und ihre Leistung zu schmälern, vor der ich einen riesen Respekt habe. Im Laser haben sie das Reglement gerne ausgereizt oder gerne mal gedehnt und die Boote auseinandergenommen, das Deck leichter, den Rumpf stabiler gemacht und solche Sachen. Auch hieß es mal, das die Laser Fabrik in NZ andere Laser gebaut hat. Jedenfalls sind die guten Kiwi Laser Segler vor 15 Jahren extra mit alten angeblich besseren Lasern gesegelt. Aber bei WM’s waren sie dann mit dem gestellten material auch gut.

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  6. avatar Manfred sagt:

    Oh ja, Nobody, so etwas habe ich gerade gestern Abend auch gehört. Die eine Werft verwendet anderes, besseres Harz. Der eine oder andere Segler holt sich die Fahnenstangen, aka Masten, extra aus Ozeanien, weil da die Legierung besser ist oder sie müssen den Äquator überqueren (auf See) um die richtige Alterung zu haben und dann, oh Graus wird bei Olympia und auch WM´s in Booten aus einer Herstellung, einer Charge gesegelt und die werden auch noch ausgelost. Kein Wunder das die Dinger weit überteuert sind.

    Dem SR Team möchte ich danken für die gute OL Berichterstattung.

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