Olympia 2012: Surfer greifen nach Edelmetall, Delle zitterte vor Protest

"Ich will die Medaille"

Moana Delle zeigte im 10. Rennen eine unglaubliche Aufholjagd von 10 auf 2 nur ein Platz zum Silberrang. © onEdition

 

Toni Wilhelm rutscht auf Bronze zurück hat aber zwei Plätze Luft zu Platz vier. Moana Delle holt mit sensationellen Rennen (3./2.) auf Rang vier auf und liegt nur einen Zähler hinter Silber.

In der Dramatik der ersten Medaillenrennen der Stare und Finn-Dinghis geriet das Wettkampfgeschehen auf den anderen Bahnen in Weymouth am Sonntag ein wenig zu Nebensache. Und doch war es für Deutschland ein großartiger Tag. Als die mehr als zwei Dutzend Fernsehkameras und doppelt so viele Fotolinsen schon auf den Nothe-Kurs gerichtet waren, glänzte die RS:X-Surferin Moana Delle das erste Mal.

Mit Platz drei in der neunten Wettfahrt stieß die 23-Jährige das Tor zu einer Olympiamedaille bereits auf. Doch es sollte noch besser kommen. Im zehnten und letzten Rennen vor dem Finale, das am Dienstag stattfindet, „flog“ die Studentin auf der zweiten Vorwindstrecke geradezu an der Konkurrenz vorbei und rückte vom zehnten auf den zweiten Rang vor.

Ein Wechselbad der Gefühle in diesem Lauf. Sie war nur 11. an der ersten Tonne, raste auf vier vor, fiel auf der Kreuz auf acht zurück und donnerte Vorwind über die rechte Seite am Feld vorbei, das durch eine verpatzte Anliegelinie zusätzliche Halsen einbauen musste.

Delle kam zwei Sekunden vor der überragenden Spanierin Marina Neira Alabau ins Ziel, die mit einem 14-Punkte-Polster entsprechend sechs Plätzen ins Finale einzieht. Eine taktische Meisterleistung, und „ich war auch richtig schnell.“ Nur Tuuli Petaja erwischte sie nicht mehr, die war enteilt.

Protest zu spät eingereicht

So muss der deutsche Shooting-Star die Finnin am Dienstag hinter sich lassen, Petajas Vorsprung im Gesamtklassement beträgt einen Zähler. Das gleiche gilt für die punktgleiche Israelitin Lee-Ei Korsitz. Aber auch hinter Moana Delle lauern noch drei Gegnerinnen in Reichweite, die eine Medaille gewinnen wollen und können.

Eine ist Olga Maslivets aus der Ukraine (6.), die am grünen Tisch ihre Ausgangssituation verbessern wollte. Doch ihren Protest gegen Delle wegen Behinderung beim Überholen nach Regel 12 reichte die Osteuropäerin schlicht zu spät ein.

„Die Jury hat das wegen Formfehlers verworfen, aber wir wären auch in einer Verhandlung zuversichtlich gewesen“, so Mannschaftsleiterin Nadine Stegenwalner, die wie ihr Schützling trotzdem „mächtig erleichtert“ war. Die Kieler Surferin konzentrierte sich anschließend auf ihr Material, freut sich auf einen Ruhetag und bleibt optimistisch: „Warum sollte ich gerade jetzt nervös werden?“

Toni Wilhelm erwischt bei schwächerem Wind keinen guten Tag. Silber gerät fast außer Reichweite. © onEdition

Wilhelm muss Sonntag schnell abhaken

Von Nervosität ist auch Toni Wilhelm weit entfernt, obwohl er den Sonntag schnell abhaken muss. Die Einzelplätze 15 und 13 waren deutlich unter seinen bisherigen Leistungen. Auf den leichteren Wind als an den Vortagen wollte der 29-Jährige das nicht schieben. „Ich habe bei der Weltcup-Regatta gezeigt, dass ich mit Leichtwind genauso gut zu Recht komme. Das war heute einzig der Herr Toni Wilhelm, der taktisch einfach keinen Durchblick fand.“

Immerhin ging es seinem Kumpel, dem Polen Przemyslaw Miarczynski, nicht besser. Und der gilt taktisch als einer der Besten der Zunft. Wilhelm als Dritter hielt ihn sechs Punkte auf Distanz. Da darf als im Finale höchstens einer noch zwischenrutschen, soll es Edelmetall für Deutschland geben. Der Brite Nick Dempsey ist Silber-Favorit, aber elf Punkte (fünf Finalplätze) voraus auch nicht ganz außer Reichweite.

Dorien van Rijsselberge feiert schon zwei Rennen vor Schluss seinen Olympiasieg. © onEdition

 

Dagegen feierte der Niederländer Dorian van Rijsselberge schon nach neun Rennen vorzeitig seinen Olympiasieg. Das dürfte ein Rekord sein, auch wenn es erst seit 2008 die doppelt zählenden Medaillenrennen gibt.

Auf dieses freut sich Toni Wilhelm, dessen Eltern Renate und Friedrich seit einer Woche in Weymouth vor Ort mitfiebern, und auch seine Freundin Anne-Sophie Thielo aus der Schweiz ist da. „Ich muss ja nur bei Przemyslaw bleiben“, sagt der Deutsche, der eigentlich sein Landsmann ist. „Meine Eltern stammen aus Polen“, so Wilhelm, „am liebsten würde ich mit ihm gemeinsam auf dem Treppchen stehen.“

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