SAR Sofia Mapfre World Cup: Finalphase gestartet – Kritik am Modus

Qualifikation ohne Wert

Die Qualifikationsphase beim SAR Sofia Mapfre World Cup ist beendet, Team Germany liegt gut aber was heißt das schon? Der erste Teil kann gestrichen werden.

Nacra 17 im Flugmodus.

Nacra 17 im Flugmodus. © MartinezStudio/SofiaMapfre

Das Ausmaß der Punkteverteilung beim neuen Test-Format des Palma Weltcups dürfte heute die ersten Opfer finden. Die Qualifikation ist nach drei Tagen und sechs bis sieben (49er) Rennen beendet, aber die Ergebnisse spielen kaum eine Rolle.

Nur die Quali-Platzierung geht wie ein Lauf in die nun folgende Hauptserie ein und kann zudem auch noch gestrichen werden. Die drei Tage zählten also eigentlich nur, um ein Feld wie die 120 Laser in Gold und Silbergruppe einzuteilen. Bei den Surfern hat sie noch nicht einmal diese Bedeutung. Die 37 Bretter sind in einer Gruppe zusammengefasst.

Das Ganze soll offenbar einer Verkürzung der Entscheidungsphase dienen. Die Organisatoren möchten das Finale noch spannender gestalten. Deshalb sollen auch zwei bis vier Medalraces absolviert werden.

Irrelevante Qualifikation

Philipp Buhl segelte die stärkste Qualifikation

Philipp Buhl segelte die stärkste Qualifikation und war auch bei wenig Wind vorne. © Jesus Renedo sailinstock.com

Aber die dreitägige irrelevante Qualifikation bereitet doch vielen Beobachtern Kopfzerbrechen. Segelsport-Wettkämpfe sind traditionell so ausgelegt, dass sie über einen längeren Zeitraum stattfinden. Das soll die Zufallsmomente ausschließen, denen der Natursport hin und wieder unterliegt.

Beim Segeln werden nicht die besten Spezialisten für bestimmte Windbedingungen gesucht, sondern der perfekte Allrounder sollte auf dem Treppchen ganz oben stehen. So war es jedenfalls bisher.

Aber nun passiert vor Palma, was eigentlich nicht passieren soll. Nach zwei Starkwindtagen folgten Rennen bei Leichtwind. Das Klassement wurde durcheinander gewürfelt.

Buhl mit Extraklasse

Olympiasieger Matt Belcher im gelben Trikot

Olympiasieger Matt Belcher segelt wie gewohnt auch mit Will Ryan im gelben Trikot. © Jesus Renedo sailinstock.com

Philipp Buhl konnte zwar dennoch seine Extraklasse zeigen, indem er auch bei wenig Wind in der Lage war einen zweiten Rang zur Serie beizusteuern und die Quali als Führender abzuschließen. Aber nun gewann der Neuseeländer Maloney  plötzlich zweimal. Oder Starkwindspezialist Burton musste nach drei Siegen mit achten Plätzen vorlieb nehmen.

Der Charakter der Rennserie scheint sich von der Starkwind zur Schwachwindregatta zu ändern und am Ende hat die harte Arbeit vom Beginn keinen Wert mehr. Schwer zu glauben, dass das der Weisheit letzter Schluss sein soll.

Zumal es ähnliche Versuche schon einmal gab. 1993 wurde bei der Semaine Olympique Hyères bei den Lasern und Surfern ein Pool System eingeführt, das ein Eliminiationsverfahren ähnlich wie beim Rudern darstellte. Beim Segeln in kleinen Gruppen qualifizierten sich jeweils die in der Top Hälfte platzierten Athleten für die nächste Runde, während der Rest die immer kleiner werdende Chance über Hoffnungsläufe nutzen musste.

“Revolution auf den Regattabahnen”

49er FX Frauen mit pinken Gennaker

Das passt. Die 49er FX Frauen segeln gerne in pink. © Jesus Renedo sailinstock.com

Für das Endergebnis zählte allein das Resultat der Finalläufe. Die “Revolution auf den Regattabahnen” wurde erst gefeiert. Als aber im nächsten Jahr nur ein einziger kurzer Finallauf bei Totenflaute über den Gesamtsieg entschied, obwohl die ganze Woche intensiv gesegelt wurde, ging die Regatta als Desaster in die Geschichte ein.

Besonders skurril war das Format der SPA Regatta 1994 vor Medemblik, als bei den Pool Regatten in Feldern mit 49 Booten nur die ersten 20 Punkten sollten. Und nach drei Tagen mussten mehr als die Hälfte der Teilnehmer wieder abreisen, weil sie sich nicht für die weiteren Runden qualifiziert hatte.

Toni Wilhelm

Toni Wilhelm legt eine starke erste Hälfte hin nach nur zwei Tagen Training. © Jesus Renedo sailinstock.com

Ganz so extrem ist das aktuelle Format nicht. Aber wenn drei Tage lang gesegelt wird, ohne dass es einen echten Wert hat, sollten sich besonders diejenigen beschweren, die von Beginn an in Führung liegen.

Sicher ist allerdings, dass sich am Ende doch wieder die besten Segler durchsetzen werden. Und die zeigen ihre Form eben auch in der Qualifikationsrunde. Bei den Deutschen brillieren neben Philipp Buhl auch Surfer Toni Wilhelm (2.), Tina Lutz
/Susann Beucke als vierte im 49er FX punktgleich mit Victoria Jurczok/Anika Lorenz (5.) und Moana Delle, die sich mit Platz 2 und 1 bei weniger Wind auf Rang fünf schob.

Ergebnisse SAR Sofia Mapfre World Cup

Eventseite SAR Sofia Mapfre World Cup

Der Sturm der ersten Tage

Der Sturm der ersten Tage ist vergangen. © Jesus Renedo sailinstock.com

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Carsten Kemmling

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9 Kommentare zu „SAR Sofia Mapfre World Cup: Finalphase gestartet – Kritik am Modus“

  1. avatar Christian sagt:

    Für deine kritische Sichtweise führst du gute Argumente an, Carsten. Aber dass die Qualifikation ganz ohne Wert ist, scheint doch übertrieben. Immerhin ist sie: die Qualifikation fürs Finale. Vergleichbar ist das beispielsweise mit den Qualispielen im Fußball für die Teilnahme am WM oder EM.

    Was das neue Format de facto bedeutet, ist folgendes: Eine Worldcup wird quasi in zwei Regatten aufgeteilt, die Quali und die Finalrennen. Beides hat nur noch bedingt miteinander zu tun.

    Wichtig erscheint mir, nicht nur die Sicht der Top 20 zu berücksichtigen, sondern auch die der hinteren Hälfte. Diese Teilnehmer zahlen immerhin auch Startgeld. Und haben schon bei den bisherigen Medal Races nur noch zuschauen dürfen…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 4

    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      vllt wäre es konsequenter, bei solchen events dann eben nur die top 20 oder 30 starten zu lassen. sie müssten sich über ein qualisystem wie z.B. weltrangliste oder vorevent qualifizieren. das klappt zum beisspiel beim match race ziemlich gut, wo auch meistens nur maximal 12 teams pro event zugelassen sind und je nach WR platzierung vom veranstalter angenommen werden.
      man muss vllt einfach noch krasser zwischen traditioneller regatta und medien/olympiaevent unterscheiden

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 5

      • avatar Christian sagt:

        Die erste Hälfte des aktuellen Worldcups ist ja nichts anderes als ein solches Vorevent… ob’s auf diese Weise Sinn macht, vermag ich noch nicht zu beurteilen.

        Interviews mit Aktiven über den neuen Modus wären jedenfalls eine schöne Sache; ob wirklich alle von ihnen das neue Format ablehnen? Es gibt ja auch Gewinner..

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  2. avatar ? sagt:

    die degradierung der hinteren durch zwei bis vier medalraces wird nicht gerade dazu führen, dass “schlechtere segler” sich bei solchen weltcups wohlfühlen, bzw überhaupt teilnehmen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

    • avatar jollenfutzi sagt:

      so ist es wohl dann leider bald….. wieder so´n moderner Quatsch den keiner will und niemand braucht
      Am gerechtesten sind Serien die die besten Allroundsegler belohnen die alle Wetterbedingungen können
      alles zählen und höchstens 1 Streicher

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 2

  3. avatar Christian sagt:

    es wird spannend: Tina Lutz/ Susann Beucke bei den FX nach 2 Finalrennen auf Gesamtrang 2!

    Go for it!!!

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  4. avatar Thomas sagt:

    Da fehlt ein Name:

    Die “Revolution auf den Regattabahnen” wurde erst gefeiert, aber als im nächsten Jahr XXX die ganze Woche intensiv gesegelt hatte, aber schließlich nur eine kurzer Finallauf bei Flaute über den Gesamtsieg entschied, ging die Regatta als Desaster in die Geschichte ein.

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  5. avatar jorgo sagt:

    Tja …. Argumente hin und her.
    Ehrlicherweise wäre jedoch auch zu bedenken, dass es auch ganz Serien gibt, die bei fragwürdigen Verhältnissen Ergebnisse zeitigen.
    Wir Segler sind nun mal extrem wetterabhängig. Letztendlich gelten die vorher festgelegten Regeln für alle gleich. Am Ende siegt der Sieger. Ist das etwa ungerecht?

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  6. avatar Christian sagt:

    jetzt isses rum… Heil / Plössel profitierten von dem neuen Modus, Buhl hat bitter gezahlt. Interviews mit ihnen wären eine tolle Sache, liebe Segelreporter 🙂

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