SAR Sofia Mapfre World Cup: Grotelüschen siegt. Drei Medaillen für Deutschland. Medal-Race Analyse

Unglaubliche Wiedergeburt

In der SR BilderStory werden verschiedene Start- und Rennverläufe analysiert. Hier: Ein genialer Steuerbord Start im 49er Medal-Race von Schadewaldt/Baumann, der zur Bronzemedaille führt.

 

 

 

Beim SAR Sofia Mapfre World Cup vor Palma hat der deutsche olympische Segelsport eine nicht für möglich gehaltene Wiedergeburt erlebt. Mit einer Goldmedaille, zweimal Bronze und einmal Platz vier liegen die DSV-Segler hinter den Briten gleichauf mit Australien auf Rang zwei.

Simon Grotelüschen freut sich über seinen überragenden Weltcup Sieg in Palma. © Könitzer

Dabei glänzte der Lübecker Laser-Überflieger Simon Grotelüschen vom Audi Sailing Team Germany mit einem herausragenden Sieg im Zweikampf mit dem britischen Olympiasieger Paul Goodison. Aber auch die beiden Bronzemedaillen von Kathrin Kadelbach und Frederike Belcher bei den 470er Frauen und Tobias Schadewaldt mit Hannes Baumann bei den 49ern sind überragend. Johannes Polgar und Markus Koy verholten sich zudem im Starboot auf Rang vier.

Simon Grotelüschen hielt in einem unaufgeregten Finalrennen den einzigen Kontrahenten, der ihm Gold hätte streitig machen können, souverän in Schach. Er wählte keine Match Race Taktik, sondern hielt sich nahe in Lee von Goodison, der ihm dann allerdings 30 Sekunden vor dem Schuss in Richtung Startschiff entfleuchte.

Verzicht auf eine enge Deckung

Grotelüschen ging mit, verkürzte die Distanz, kam aber nur zu einem mittelmäßigen Start in der Mitte. Aber er rettete sich durch exzellenten Speed bei dem starken Wind aus der kniffeligen Lage und verbuchte den ersten Cross vor dem Briten für sich.

Simon Grotelüschen passiert vor dem Olympiasieger Paul Goodison im Medal-Race. Bei Starkwind kann er sich auf seinen Speed verlassen. © Könitzer

Danach verzichtete er auf eine enge Deckung und orientierte sich nur grob an seinem Widersacher. Eine Option wäre es gewesen, ihn mit einer engen Kontrolle an das Ende des Feldes zu segeln. So hatte es Goodison bei den Olympischen Spielen mit dem Schweden Mygren gemacht, der dadurch von Platz zwei hinter die Medaillenplätze rutschte.

Goodison hätte bei dieser Taktik des Deutschen in Palma zumindest Silber verloren. Denn der Australier Tom Burton auf dem Bronzeplatz tat mit einem Sieg alles, um Goodison noch zu überholen. Aber Grotelüschen konnte bei Starkwind gnädig sein. Er hatte alles im Griff und begnügte sich mit Rang fünf. Goodison wurde sechster und konnte um einen Platz seinen Silberrang retten.

Kadelbach/Belcher mit Frühstart

Dramatischer verlief das Medal-Race für Kathrin Kadelbach und Frederike Belcher bei den 470er Frauen. Sie vermuteten nach einem guten Start auf der stark bevorteilten linken Seite der Linie einen Frühstart und drehten hinter die Linie ab. Die Britinnen, die am Pin-End starteten und das Medal-Race gewannen wurden tatsächlich wegen Frühstarts disqualifiziert.

Aber die deutschen Kolleginnen Annika Bochmann und Elisabeth Panuschka starteten vor dem BMW-Team und hatten schließlich keinen Frühstart. Möglicherweise wäre der Schlenker also nicht nötig gewesen, der Kadelbach/Belcher auf den letzten Platz zurückversetzte.

Auch an der Luvtonne waren die Frauen noch letzte und die Medaillen außer Reichweite. Aber ein starker Vowindkurs brachte sie zurück ins Spiel auf Rang fünf. In Luv wurden sie schon auf Platz drei gezählt, verloren aber einen Dreikampf mit Japan und Israel. Mit der Disqualifikation der Britinnen an der Spitze wurde daraus aber Rang vier und die Bronzemedaille. Bachman/Panuschka behielten mit Platz acht ihren starken neunten Platz in der Gesamtwertung.

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „SAR Sofia Mapfre World Cup: Grotelüschen siegt. Drei Medaillen für Deutschland. Medal-Race Analyse“

  1. avatar Huber A. sagt:

    Da scheinen Einige im Augenblick mit dem richtigen Material gesegnet zu sein! Miller hat mit neuer Schale auch nen schönen Satz nach vorne gemacht! 🙂

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 36

    • avatar Birgitt Müller-Genrich sagt:

      Kugelbake sagt : Immer das Material????? Klasse, was Simon Überflieger , Kadelbach/Belcher, Baumann/Schadewaldt und Miller an Segelkompetenz zeigten.

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  2. avatar Huber A. sagt:

    Sorry, ich wollte die Leistung in keinem Fall schmälern, aber in der Weltspitze wissen doch alle worums geht. Das Material ist schlußendlich immer das Zünglein an der Waage. Eigentlich weiß das jeder. Auch ein Ainslie gibt Ausnahmeschalen nicht so schnell aus der Hand, obwohl er sicher endlos Möglichkeiten hat. Als ich von Vincec mal ein Boot erwerben wollte, konnte ich unter vier identischen Booten wählen, alle kurz vor Olympia 08 gebaut, nur um mal zu verdeutlichen was hier für ein Aufwand betrieben wird. Zig Masten und Segel haben sowieso alle. Schauen sie mal, wieviel Segel North für das Finn anbietet. Für alle Bedingungen braucht man unterschiedliche Segel, wenn man schnell sein möchte. Das geht von flach bis bauchig, unterschiedliche Lieklängen, von Druck bis Leichtwind, bis zu Versionen für unterschiedliches Körpergewicht. Und das macht auch alles Sinn. Ein Boot das bei Flachwasser perfekt läuft, kann bei Chubby oder Welle komplett stehen.

    Man kann mal ins Verkaufsforum der Finnwelle schauen, wie schnell und wieviel Material Matthias da nach kurzer Zeit wieder verkauft. Und genau das ist auch gegenüber anderen sicher das größte Plus von ihm, daß er das hier ausreizt bis zum Letzten. Genau wie ein Ainslie ein absoluter Materialfetischist ist. Wer glaubt, der Sieg geht hauptsächlich über Taktik und Bauchaufzüge, hat den Sport eher nicht verstanden. Für Binnenreviere und Dorfregatten wirds sicher reichen, aber in der Weltspitze doch eher nicht. Und bei den 5-9 Knoten Rennen, wie in Palma, muß man sicherlich auch kein durchtrainierter Athlet sein! Eigentlich erzähl ich hier was, was jedem Segler, der den Sport ernsthaft betreibt, klar ist.

    Viele gute Segler vernachlässigen die Materialseite und verzweifeln oft, weil sie trotz Millionen Bauchaufzügen, Taktiktraining und Mannövern, trotzdem auf der Stelle treten. Viele Segeln vielleicht sehr gut und können nie ihre guten Mannöver, ihre Superstarts und ihre eigentlich brilliante Taktik richtig verwandeln, weil der Speed fehlt. Je mehr Aufklärung man da betreibt, schon in der Jugendarbeit, desto besser ist das sicherlich.

    Wenn sie wollen füg ich noch zig Stories hinzu, wer sich wann, nach seinem Bootswechsel verschlechtert hat. Genauso wie Stanjek letztes Jahr sicher nen Glücksgriff beim Material hatte nach dem Bootswechsel. Ein Schlonski oder Polgar segeln sicher nicht schlechter. Natürlich können alle super segeln, trotzdem entscheidet das Material. Ohne Speed keine Taktik. Wie Miller letztes Jahr beim Malcesine Cup mit dem Boot von Kurtz gesegelt ist, kann man auch vergleichen. Oder wie Raudaschl senior im Star fast verzweifelte, als er bei Olympia mit zu flachen Segeln für die vorherrschende Welle angetreten ist und einfach nicht fuhr.

    Schauen sie, ich hab hier drei Finns stehen mit unterschiedlichen Deckshärten und unterschiedlicher Torrsion. Jedes Boot benötigt ein anderes Rigg, damit es fährt. Jedes Boot kann man vom Stillstand bis zur Rakete trimmen. Die eine Schale fährt super bei Flachwasser, die Andere bei Welle. Alle drei Boote gleiten sehr gut und ein bischen besser als die meisten Boote und laufen gut am Vorwind. Am Vorwind kommts überproportional auf die Schale an. An der Kreuz kann man fast alle Boote schnell bekommen mit dem richtigen Rigg, auch wenn jede Schale in sich natürlich limitiert ist. Es gibt Leute, die glauben, alle Boote wären gleich. Das ist natürlich Quatsch. Kein Boot ist wie das Andere laminiert,auch kein Laser, und die Toleranzen, die der Bootsbauer zur Verfügung hat, können gravierend beeinflußen.

    Segeln ist kein 100 m Lauf, sondern eher wie die Formel 1. Wer im falschen Auto sitzt, wird nicht Weltmeister, egal wie gut er fahren kann. Ob das auf Skiffs zutrifft, kann ich nicht sagen. Hier werden sicher Bootsbeherrschung und Mannöver das Ergebnis überproportional beeinflußen. Aber wer schon mal in nem etwas schnelleren Kielboot gesessen ist, weiß, daß man da auch mal ein Mannöver versemmeln kann oder nen taktischen Wurm einbauen kann und immer noch flockig vorne mitschwimmt.

    Schöne Ostern und sorry für die offenen Worte! Is komisch, daß man Dinge, die eigentlich jeder weiß, nicht offen ansprechen kann! 🙂

    Und wie gesagt, es soll die Leistung nicht schmälern. Aber daß das hier kein Sport ist, wo man sich irgend ein Boot schnappt und schnell mal Olympiasieger wird, ist, so hoffe ich doch, auch klar!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 11 Daumen runter 32

    • avatar Nord sagt:

      Du hast zwar Recht, dass das Material auch Einfluss auf das Ergebniss hat aber ein tolles Boot wird niemal eine Regatta gewinnen wenn du es nicht segeln kannst! So hat z. B. Ben Ainslie im 10. Rennen ein anderes Boot gesegelt nachdem er seins einen Schaden hatte und ist damit dritter geworden!

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  3. avatar LaserRecke sagt:

    ….Gegenbeispiel: Der Laser! Da werden bei WMs die Boote zugelost und es hat Scheidt nicht davon abgehalten Kahr für Jahr Weltmeister zu werden. Ich denke beim Material ist auch viel Placebo Effekt dabei… Wer denkt er kann mit dem besten/neuesten Material nicht gewinnen wird mit dem
    Besten/neuesten Material auch nicht gewinnen!

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    • avatar Wilfried sagt:

      der Laser ist hierfür sicherlich kein gutes Beispiel. Wenn die Jungs nicht gerade mal wieder den Mastfuß schief einlaminiert haben ist da wirklich kein wesentlicher Unterschied. Wobei ich da schon Schlimmes gesehen hab, bis zu einem Boot bei dem der Mastfuß diagonal im Boot stand.

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    • avatar Finnsegler sagt:

      Beim Finn ist es genauso. Die guten Leute, wie z.B. Ainslie “erwischen” stets die richtige Seite und alle Winddreher, und sind daher bei allen Bedingungen vorn.
      Und dann gibt es die Leute, die Jahr für Jahr neues Material kaufen, und dann feststellen müssen, dass es wieder nichts gebracht hat, da sie von dem 75-jährigen Walter Mai in seinem 97’er Devoti geschlagen werden.
      Die Rümpfe der Spitzensegler stammen ohnehin alle aus der gleichen Devoti-Form. Signifikante Unterschiede gibt’s eher beim Mast und den Segeln.
      Miller hat intensiv vor Mallorca zusammen mit Postma und Poggi trainiert und hat wohl auch neue Leute als Betreuer etc.
      Auch die 470er Damen Kathrin Kadelbach / Friederike Belcher (geb. Ziegelmayer), die sich augenscheinlich verbessern konnten, führen dies nicht auf das Material sondern die Zusammenarbeit mit ihrer neue Trainerin Ruslana Tara (Ukraine), die im 470er drei Olympiamedaillen erringen konnte.

      Huber.A wrote: “Wenn sie wollen füg ich noch zig Stories hinzu, wer sich wann, nach seinem Bootswechsel verschlechtert hat.”

      Interessanter wäre eine Liste der jenigen Segler, die sich nach einem Bootswechsel signifikant verbessern konnten !

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      • avatar RB sagt:

        Hallo Finnsegler,

        die Zusammenarbeit mit Ruslana Taran ist auf jeden Fall einer der wichtigsten Aspekte in unserer seglerischen Entwicklung. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass auch wir auf einem neuen Boot unterwegs waren, natürlich ein Ziegelmayer. Und langsam war der nicht! Gutes Material ist für uns die Basis. Dann liegt es an uns, das Material auch schnell und in die richtige Richtung zu fahren.

        Herzliche Grüße,
        Friederike Belcher

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        • avatar Finnsegler sagt:

          Hallo Rike,

          herzlichen Glückwunsch zu dem tollen Erfolg !

          Ich bedanke mich für die Info und wünsche auch bei den kommenden Events viel Erfolg.

          Ihr seid die Besten !!!

          Finnsegler

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  4. avatar Ballbreaker sagt:

    Hey Carsten!

    Dank Dir für die super Berichterstattung aus Malle! Sehr gute Analyse der Finalrennen und tolle Bilder. Macht Lust auf mehr und die Saison kann beginnen.

    Weiter so!

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