Winter-Training in Rio: Die Müll-Bilanz vom 49er Team Heil/Plößel

Slalom durch Plastiktüten

Erik Heil und Thomas Plößel, die zurzeit besten deutschen 49er Segler nutzen ihren kurzen Abstecher in der Heimat, um über ihr umfangreiches Wintertraining und die ersten Einheiten im verdreckten Rio zu berichten.

Heil/Plößel

Die deutschen 49er Farben vor dem Zuckerhut. © Thomas Rein

Nach zwei Einheiten im spanischen Santander, wo Ende nächsten Jahres die wichtige ISAF Weltmeisterschaft aller Olympia Klassen stattfindet, trainierte das Duo drei Wochen auf dem Olympiarevier vor Rio. Der Bericht:

“Wir wurden in eine hochkarätige Trainingsgruppe eingeladen und hatten uns vorgenommen, so viel wie möglich über das Revier zu lernen. In Rio spielt die Strömung eine weitaus wichtigere Rolle als die Welle, so dass dieses Thema unser ständiger Begleiter war.

Heil/Plößel

Segeln im Müll vor Rio. © Thomas Rein

Dabei hatten wir die Möglichkeit durch die Vermittlung des NRV zum Iate Club Rio de Janeiro, auf einem traumhaften und vielseitigen Vereinsgelände bewegen zu dürfen.

Unser erstes Ziel war das Kennenlernen des Reviers. Wie ist der Wind, wie der Strom, gibt es bevorteilte Seiten. Die größte Erkenntnis war, dass wir noch einiges mehr über das Revier lernen müssen. Es ist sehr kompliziert. Das zweite Ziel für den Winter war die Intensivierung des täglichen Fitnesstrainings. Bisher konnten wir die harte Arbeit so gestalten, dass es auch noch Spaß macht.

Traumhafte Kulisse – dreckige Bucht

Bei den drei Wochen in Rio segelten wir in traumhafter Kulisse. Zuckerhut und Corcovado Copacabana und Ipanema bieten ein tolle Umfeld. Ein Problem gibt es jedoch: das Wasser. In Rio werden alle möglichen Dinge ins Wasser geschmissen.

Die Abwasser werden direkt ins Meer geleitet. Und alle nur vorstellbaren Dinge schwimmen im Wasser. Sie erschweren das Segeln und machen es teilweise unmöglich. Besonders nach einem regnerischen Tag, wenn viel Müll aus Rios Straßen ins Wasser gespült wird ist die Bucht sehr dreckig.

Wir mussten bei den Rennen mehrfach anhalten. Meist verhängen sich Plastiktüten an Ruder und Schwert. Aber da das Wasser sehr dreckig ist, sieht man unterhalb von 15-20 cm nicht mehr ob sich wirklich etwas verhangen hat.

Tote Kuh im Wasser

Wir hatten bereits sehr ungewöhnlichen Dinge an unserem Boot hängen: Plastiktüten, Schuhe, Umzugskartons. Überfahren haben wir einmal eine Holztür und irgendetwas metallisches, das wir jedoch nicht gesehen haben. Der brasilianische Coach hat berichtet er habe eine tote Kuh im Wasser gesehen.

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Auch das WM Revier von Santanter 2014 gilt als sehr schwierig. © Thomas Rein

Derzeit laufen viele Bemühungen von brasilianischer Seite, um diese Situation zu verbessern. Wir hoffen das Beste und wüschen uns saubereres Wasser, damit unser Wettkampf nicht an einer Plastiktüte hängt.

Anspruchsvoll ist auch das 2014 WM Revier vor Santander. Die ohnehin schwierige Standard-Welle wird zusätzlich oft von einer großen Dünungswelle überlagert. Wir waren im November zweimal vor Ort und es hat uns bei sehr anstrengenden Windbedingungen teilweise ganz ordentlich durch die Gegend gespült.

Da wir diese Art Wellenmuster intensiv trainieren müssen werden wir im Winter viel in Cadiz segeln. Das Revier dort verfügt über ein ähnliches Wellenbild und wird uns bestimmt weiterhelfen, technisch gut zurecht zu kommen.”

Heil/Plößel Trainingsplan

1. Station: Santander (WM Revier 2014) 1.-16.11.13

2. Station: Rio de Janeiro (Olympiarevier 2016) 23.11.-14.12.13

3. Station: Ausdauertraining (Skilanglauf) 4.-11.1.14

4. Station: Cadiz (schwierige Wellensituation) 14.-28.1.14

5. Station: Neuseeland (Begleitung beim Bau des neuen Boot/ Training mit Vizeweltmeister) 30.1.-20.2.14

6. Station: Cadiz (schwierige Wellensituation) 22.2.-3.3.14

7. Station: Palma de Mallorca (Revier 1. Worldcup) 11.3.- 6.4.14

 

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Carsten Kemmling

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