Olympiaauftakt durch die Laser-Klassen mit Überraschung

Svenja Weger glänzt an der Spitze

Außenseiterin Svenja Weger aus Kiel sorgte zum Auftakt der olympischen Segelwettbewerbe in Enoshima mit einem Tagessieg nach Platz fünf als Gesamtführende im Laser Radial für einen Paukenschlag. Der Sonthofener Laser-Weltmeister Philipp Buhl musste sich dagegen im einzigen Tagesrennen mit Platz zehn zufriedengeben.

Sorgte für die große Überraschung zum Olympiaauftakt auf dem Wasser: Svenja Weger als Tagessiegerin und Gesamtführende im Laser Radial. © Sailing Energy / World Sailing

Da staunten die Frühaufsteher unter den Segelfans nicht schlecht, die bereits um 5 Uhr am Sonntagfrüh im Internet mit am Start waren, als die Damen im Laser Radial mit ihrem ersten Rennen die Olympischen Spiele auf dem Wasser eröffneten. Fast unbekümmert von der großen Anspannung vor ihrem großen Tag startete Svenja Weger mutig, aber kontrolliert und setzte sich schnell im Vorderfeld der 44 Boote – so viele wie in keiner anderen Klasse – fest.

Start der olympischen Segelwettfahrten in der Klasse Laser Radial mit Svenja Weger (GER) gleich mit guter Ausgangsposition. © Sailing Energy / World Sailing

Bei einer leichten nordöstlichen Brise agierte die Sportsoldatin hochkonzentriert und kam bereits als Achte um die Luvtonne, 36 Sekunden hinter der Kroatin Elena Vorobeva, die allerdings im weiteren Verlauf auf den elften Rang abrutschte. Am zweiten Luvfass hatte sich Weger sogar bis auf acht Sekunden an die spätere Siegerin Cristina Pujol Bajo (Spanien) herangearbeitet, muss allerdings auf dem letzten Vorwindgang noch drei Gegnerinnen passieren lassen und wurde starke Fünfte. „Diesen Einstieg hätte ich nicht für möglich gehalten“, meinte der Blondschopf happy, „jetzt weiß ich, dass ich hier vorne mitfahren kann.“

Mit viel Selbstvertrauen im Gepäck hatte Svenja Weger schon beim Rausfahren erkannt, dass die linke Bahnseite nach dem Start bevorteilt sein würde und „mit meinem Coach einen Plan gemacht, der sich auszahlte.“ Auch als der Wind entgegen der Vorhersage auf dem Kurs Kamakura auf eine südliche Richtung drehte, ließ die Athletin sich nicht vom Konzept abbringen. Mit erneut gutem Start segelte sie weit nach links raus, ließ sich aber von der Kroatin nicht verführen, die bis in die äußerste Ecke steuerte und mit etwas Überhöhe eine Bootslänge hinter der Deutschen um die Tonne ging.

Das Bild hatten die Wenigstens erwartet: Die deutsche Laser Radial-Seglerin kämpft an der Spitze des Felds um Olympiaehren. © Sailing Energy / World Sailing

Viele Favoritinnen wie die Niederländerin Marit Bouwmeester und Belgierin Emma Plasschaert waren weit abgeschlagen. Weger indes nutzte den freien Wind an der Spitze und zeigte eine exzellente Vorwindtechnik mit der Schot direkt hinterm Baum (vorm Umlenkblock) in der Hand, den Oberschenkel in Luv angewinkelt, ihr Boot immer wieder leicht nach Luv krängend. Auf dieser einen Teilstrecke baute sie den Vorsprung von einer Bootslänge auf 80 Meter und 31 Sekunden aus.

Was im zweiten Teil des Rennens folgte, war nicht mehr und nicht weniger als eine absolut souveräne Verteidigung der Führung. Vom inneren Druck war kaum noch etwas zu spüren. „Dabei habe ich unsere Physiotherapeutin am Morgen noch gefragt, wie ich vor lauter Anspannung überhaupt ins Boot kommen soll.“ Völlig ungefährdet ging die 28-Jährige mit 36 Sekunden Vorsprung vor der Kroatin über die Ziellinie, klopfte ihrer Jolle mit der flachen Hand dankend aufs Deck und schüttelte etwas ungläubig den Kopf über einen großartigen Teilerfolg, den ihr niemand mehr nehmen kann. Gesamtzweite ist die Dänin Anne-Marie Rindom fünf Punkte zurück, weitere zwei Zähler vor der Kroatin auf Rang drei.

Hochkonzentriert verteidigt Svenja Weger ihre Führung im zweiten Rennen. © Sailing Energy / World Sailing

Getreu der Weisheit, „du kannst eine Regatta am ersten Tag nicht gewinnen, aber verlieren“, startete Philipp Buhl seinen zweiten Olympiaanlauf zurückhaltend, um keine Disqualifikation zu riskieren. „Das war vielleicht ein bisschen defensiv“, bilanzierte der Sonthofener Sportsoldat selbstkritisch. Knapp eine Bootslänge Luft zur Linie resultierte knapp eine Minute hinter der Spitze im 17. Rang an der Luvtonne, weil sich der amtierende Weltmeister immer wieder mit vorfahrtberechtigten Gegnern herumschlagen musste.

Taktisch behielt er jedoch den Durchblick, obwohl „der Wind anders als in jeder Vorhersage stärker und weiter rechts wehte“. Nach einer Runde blies der 31-Jährige zum Angriff und machte Stück für Stück Boden gut. „Das war ein kontrolliertes Rennen auf der besseren Seite mit den richtigen Analysen“, so Buhli, „nicht überragend, aber solide.“ Die Aufholjagd krönte er auf dem letzten Vorwindgang, als er die brasilianische Segellegende Robert Scheidt überholt und als Zehnter im Ziel sechs Sekunden hinter sich ließ.

Philipp Buhl war mit seinem “nicht überragenden, aber soliden” Auftakt zufrieden. Archiv-Foto: Lars Wehrmann/DSV

Auch beim zweiten Laser-Start des Tages bot sich ein ähnliches Bild. Buhl kam erneut nicht gut weg und kämpfte gleich im Mittelfeld um die Positionen. Als der Wind nachließ und stark drehte, fiel der Mitfavorit gar auf den 32. Rang unter 35 Startern zurück. Doch Glück im Unglück: Schließlich hatte die Wettfahrtleitung ein Einsehen und brach das Rennen noch auf der Startkreuz wegen irregulärer Bedingungen ab und schickte die Aktiven zurück in den Hafen. So blieb der einzige Tagessieger Jean Baptiste Bernaz aus Frankreich Gesamtführender vor Kaarle Tapper (Finnland) und dem Norweger Hermann Tomasgaard.

Die Leistung seines weiblichen Pendants im gleichen Boot mit etwas kleinerem Segel lobte Buhl aus berufenem Mund: „Svenja hat heute vielen gezeigt, dass sie eine gute Seglerin ist. Morgen das gelbe Leibchen anzuziehen, das ist der Oberhammer. Ich freue mich unglaublich für Svenja.“ Ab 5.05 Uhr deutscher Zeit wird er am Montag zunächst selbst gefragt sein, wenn zunächst das zweite Laser-Rennen nachgeholt wird. Nach Plan müsste Svenja Weger ihr gelbes Trikot ab 7.35 Uhr verteidigen, was sich verzögern könnte, wenn die Laser insgesamt drei Wettfahrten segeln. Der Livestream läuft dann bei der ARD, nachdem Anna Markfort und Tobias Schadewaldt den Auftakt beim ZDF erwartet wir erfreulich fachkundig kommentiert haben.

Für Unmut sorgte indes die Entscheidung der Mannschaftsleitung, niemanden zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio zuzulassen. Damit hatte DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner der Bitte des Veranstalters Rechnung getragen, wegen der Coronapandemie auf einen Besuch der Feierlichkeiten in der Hauptstadt zu verzichten. Für die 49er-FX-Steuerfrau Tina Lutz platzte damit jedoch ein Lebenstraum. „Für diesen magischen Moment habe ich alles gegeben und zwölf Jahre um die Olympiaqualifikation gekämpft“, schrieb Lutz auf ihrer Facebook-Seite, „andere Segler und Seglerin dabei nur im Fernsehen zuzusehen, bricht mir das Herz. So war es einer der traurigsten Momente in meiner Sportlerkarriere.“

Ein Kommentar „Olympiaauftakt durch die Laser-Klassen mit Überraschung“

  1. avatar Sailer29190 sagt:

    Korrektur- oben am zweiten Bild mit der Startsequenz sehen wir ILCA 7 Segel und Philipp…

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