Olympiaklassen 2024: Offshore-Segeln soll olympisch werden – Finn Dinghies sind raus

Hochsee-Segler feiern

Es passiert wirklich. 2024 bei den Olympischen Spielen in Paris sollen Medaillen in einer neuen Disziplin vergeben werden, die sich Mixed Two Person Keelboat Offshore nennt.

Figaro-Yachten im Zweihand-Modus. Sie könnten das olympische Vorbild sein. © Figaro Class

Die Delegierten des World Sailing Councils haben bei ihrer Jahresversammlung in Sarasota die Entscheidung des Midyear-Meetings vom Mai gekippt und stattdessen einem Last-Minute-Vorschlag des Führungsgremiums stattgegeben.

Demnach wird die Disziplin Mixed One Person Dinghy gekippt. Besonders die Finn Dinghy Klasse hatte in dieser Nische auf eine olympische Überlebenschance gehofft. Zusammen mit einer noch zu bestimmenden Frauen-Klasse in einem nicht definierten Format – ein Art Staffelrennen wurde diskutiert – sollte um Edelmetall gesegelt werden.

Francisco Lobato beim Rudder Sit.

So mögen die Shorthand-Spezialisten die Olympia-Entwcklung feiern. Francisco Lobato beim lässigen Rudder Sit auf seiner Figaro Beneteau II. © Joao Ferrand/Francisco Lobato Sailing Team

Aber die Idee schien vielen Delegierten dann offenbar doch zu weit hergeholt, so dass der späte Vorstoß der Offshore-Kielboot-Befürworter eine Chance hatte. Das Council hat sich nach der Empfehlung des Equipment Committees dafür entschieden. Allerdings müssen die Delegierten des Jahrestreffens noch am 4. November zustimmen.

So sah die Sitzung in Florida aus:

Demnach sehen die Events für Paris 2024 so aus:

• Men’s Windsurfer
• Women’s Windsurfer
• New Event, Mixed One-Person Dinghy
• New Event, Mixed Two Person Dinghy
• New Event, Mixed Kiteboard

• Men’s One Person Dinghy – Laser*
• Women’s One Person Dinghy – Laser Radial*
• Women’s Skiff – 49erFX
• Men’s Skiff – 49er
• Mixed Two Person Multihull – Nacra 17

*Die Laserklasse muss sich wegen Problemen mit dem EU-Kartellrecht noch einer Neubewertung unterziehen

75-Prozent-Mehrheit

Die Änderung bezüglich der Offshore-Klasse konnte das World Sailing Council nur mit einer 75 Prozent Mehrheit erreichen. Das Ergebnis fiel aber schließlich deutlich mit 31:8 (2 Enthaltungen) für eine Neubewertung aus.  Die folgende Abstimmung über die Einführung der Disziplin Mixed Two Person Keelboat Offshore ergab eine deutliche 29:9 (2 Enthaltungen) Zustimmung.

Figaro Beneteau, Kenterung

Hatten die Delegierten so eine Szene im Kopf? Die Figaro Beneteau II von Xavier Macaire steckt den Bug in eine Welle und überschlägt sich.

Das Council diskutierte auch die Empfehlungen des Equipment Committees und beschloss, das RS:X Board für Männer und Frauen zu behalten aber auch noch eine  gesonderte Neubewertung vorzunehmen. So wird unter den Surfern diskutiert, ob gerade bei leichterem Wind ein Foil unter dem Brett zum Einsatz kommen sollte.

Die Mixed Kiteboard Disziplin setzt dagegen klar auf Foiling Material.  Für das neue Mixed Two Person Dinghy ist allerdings klassisches Material beschlossen worden, in das die 470er Klasse passt. Die Kriterien: Nicht-Foiler, Fock, Großsegel, Spinnaker. Bei dieser Definition ist es schwer vorstellbar, dass es der 470er nicht wird.

Verschwörungstheorie?

Für die neue Hochsee-Klasse ist dagegen nur so viel klar: Das zukünftige Olympia-Schiff soll zwischen 6 und 10 Metern lang sein, keine Foils aufweisen, ein Slup-Rigg mit Spinnaker tragen, für den Shorthand-Betrieb zu zweit ausgelegt sein und in der Lage sein, bei 4 bis 40 Knoten ordentlich zu segeln.

Die US-Website Sailing Illustrated behauptet schon, dass es im Vorfeld Absprachen von World Sailing Führungspersonal mit dem Hersteller L30 One Design gegeben habe, wodurch auch der späte Vorschlag zu erklären sei. Die L30 des ukrainischen 49er-Silber-Gewinners 2004 Rodion Luka hat tatsächlich in den vergangenen Monaten ihre Sichtbarkeit in den Medien deutlich erhöht – sie wurde schon 2016 auf der boot gezeigt – aber für die Verschwörungstheorie scheint es bisher keine Beweise zu geben.

Die L30:

Wie sich die Delegierten die Kielboot-Klasse vorgestellt haen ist noch nicht klar. Sie betonen den kommerziellen Wert dieser Lösung und hoffen offenbar darauf, dass gleiches Bootsmaterial von einem Hersteller zur Verfügung gestellt werden kann. Möglicherweise spekulieren sie auch auf die bestehende Figaro 2-Klasse, die ab dem nächsten Jahr durch die neue Figaro 3 abgelöst wird.

Die endgültige Entscheidung zu diesem Thema soll aber erst bei der nächsten Jahrestagung 2019 fallen.

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Carsten Kemmling

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14 Kommentare zu „Olympiaklassen 2024: Offshore-Segeln soll olympisch werden – Finn Dinghies sind raus“

  1. avatar Christian sagt:

    Finn raus ist super. Hochseesegeln ist viel zu teuer. Was soll der Unsinn?
    Lieber noch zusaetzlich single handed foling (moth oder waszp). Und statt dem oldie laser lieber aero.

    Das waere ein ueberzeugendes Paket.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 22

  2. avatar Olli sagt:

    Entweder 4-40 Knoten oder L30. Die L ist bei 40 Knoten nicht überlebensfähig. Aber welches Boot unter 10 Metern ist das schon?

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    • avatar Patrese sagt:

      Altus Solo….;o))) siehe Silverrudder Small Keelboat…Das ganze Rennen ohne Reef….

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  3. avatar Eddy1 sagt:

    world sailing council im Genderwahn. Wo sollen jetzt die schweren Jungs hin ? enDa kann kann man sich als Fan nur ab- und wirklich interessanten Formaten wie SSL zuwenden

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    • avatar Honkytonky sagt:

      Welches Naturgesetz oder olympische Gebot soll denn den schweren Jungs die Teilnahme garantieren? Das gleiche, das Leichgewichten die Teilnahme beim Kugelsoßen garantiert, weshalb ja Styroporkugeln dort gewählt wurden?
      Dieses ewige Geplärre, dass es ja wohl nicht sein kann, wenn sich irgendwas ändert nervt.

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  4. avatar Breizh sagt:

    Wow morgen startet die Route du Rhum und SR ist das nur eine maue kopierte Pressemitteilung von Boris Herrmann wert. Stattdessen wird ausführlich über die Entscheidung für Olympia berichtet. Verstehe einer Eure Wahrnehmung von Segeln? Morgen zum Start sind mehr segelbegeisterte Menschen unterwegs und von den Besuchern der letzten Tage einmal ganz zu schweigen als zu allen Regatten der olympischen Klassen in Deutschland zusammen in den letzten Jahren.
    Sehr traurig, wenn das alles ist, was SR hier zu bieten hat aber wer es ist nie live erlebt hat, meint wahrscheinlich, dass es nicht berichtenswert ist.

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  5. avatar Hans Genthe sagt:

    Die L30 ist problemlos bei 35kn Wind zu segeln, wenn man weiss wie. Bei 40 Knoten habe ich es allerdings noch nicht getestet. Mit drittem Reff sicher kein Problem. Immerhin sind bei Olympia wohl keine Anfänger an Bord und wissen wie man so ein Schiff einstellt.
    Es wurden viele Yachten von World Saling getestet, da ist ein Ausschuss durch die Welt gereist. Natürlich spricht da jeder Hersteller mit den Leuten. Wieso da Luka mehr Einfluss als andere haben soll, ist mir unklar. Natürlich geben wir in den neuen medien Gas, aber das hat nix mit Olympia zu tun.
    Im Vergleich zur Figaro spricht vor allem der günstige Preis, und das einfache Handling. Transport ohne Ausnahmegenehmigung, Slippen, Maststellen alles ohne Kran. Das ist einfach klasse, habe gerade eine L30 aus Berlin geholt, am Müggelsse mal schnell auf den Trailer gefahren und dann den Mast gelegt und ab nach Hamburg.
    Ich denke, die Handlingkosten (unter Berücksichtigung vom Zeitaufwand) sind auch ein Thema, und die sind bei der L30 – soweit ich den Markt kenne – am geringsten.
    Die Farr280 ist bei weit über 40 Knoten überlebensfähig. Bis 40 Knoten kontrolliert segelbar. Wenn ich die L30 mit der Farr280 vergleiche, kommt die von den Segeleigenschaften da ziemlich weit dran. Und bis jetzt ist die Farr280 in der Größe immer noch die oberste Messlatte bzgl. Segeleigenschaften – meine Meinung. Die L30 ist von der Beschlagsanordung viel einfacher allein oder zu zweit zu handeln als die Farr280.
    Und man kann dann tatsächlich richtig auf dem Schiff wohnen. Der Wiederverkaufswert nach einer Olympiakampgne dürfte auch gut sein, weil das Schiff auch für sportliche Tourensegler interessant ist, der Hubkiel ist ein echtes Argument.

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    • Hans – Das sind beides keine Doublehand-Boote und ich würde eine Entscheidung für die L30 nicht nachvollziehen können. Wenn das Schiff wirklich auch nur 6,5m lang sein darf, dann wäre ClasseMini wohl das Beste was sie wählen können – da gibt es ordentliche Produktionskapazitäten (z.B. bei Pogo-Structures ) sowie eine bereits recht große Flotte. Figaro-2 wäre wohl sicher nicht möglich, da die Boote ja alle relativ alt sind und nicht mehr (nach)produiziert werden können. Figaro-3 ist sicher zu teuer und die anderen Shorthanded-Racer ( JPK, SSC27, … ) zu fahrtentauglich für ein Olympiaturngerät.

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  6. avatar Martin sagt:

    Olli: Mini 650 als Serienboot. Pogo3? 🙂

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  7. avatar Dirk Jahnke sagt:

    Verstehe nicht, warum man sich nicht einfach für die J70 (oder J80) entschieden hat, die wohl von den Segeleigenschaften ähnlich der L30 ist und ebenso einfach im Handling, trailern, Mast stellen usw. Da gibt es wenigstens schon ordentliche Klassenregatten- ganz zu schweigen von der Popularität! Aber es muss ja wieder etwas neues sein um den Konsum anzukurbeln… Hurra- wir steigern das Bruttosozialprodukt. Es geht doch beim Sport nur noch um die Kohle!!!

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  8. avatar Patrese sagt:

    Hallo Dirk,
    ich glaube du hast das Wort OFFSHORE überlesen oder wolltest du zu zweit mit ner J/70 ein paar hundert Meilen Offshore segeln?

    Ich nicht!
    P.

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