Olympiaklassen: Nicht alle wollen fliegen – RS:X Surfer lehnen Foiling-Version für 2024 ab

Ausreichend Auftrieb

Hierzulande ist das olympische Windsurfen nicht gerade ein Straßenfeger. Unter den 130  Männern und 106 Frauen aus 41 Nationen, die in Torbole am Gardasee um Weltmeister-Ehren und Olympia-Startplätze kämpfen, befindet sich kein einziger deutscher Stehsegler.

Seit Toni Wilhelm und Moana Delle 2012 hauchdünn an Olympiamedaillen vorbei gesurft sind und Wilhelm auch in Rio noch einmal als Sechster ganz nahe dran war, gibt es keine Surf-Helden mehr in Deutschland. Der DSV hat die Förderung eingestellt, und das dürfte ein strategischer Fehler gewesen sein, der längerfristige Auswirkungen haben könnte, als man vermuten konnte.

Die olympische RS:X-Klasse bei ihrer Rekord-WM am Gardasee. © Robert Hajduk – RS:X Class

Zwar deutete zuletzt viel daraufhin, dass die Windsurfer langsam aber sicher ganz von der olympischen Bildfläche verschwinden. Sie waren ja sogar schon raus aus dem Programm. 2012 hatte sich der Weltseglerverband gegen das Windsurfen und für die Kiter entschieden. Aber kurz danach waren das RS:X Board für 2016 wieder drin und die Drachenflieger raus.

RS:X WM am Gardasee. © Robert Hajduk – RS:X Class

Überraschend wurde das Brett, das 2008 die Mistral-Klasse ersetzte, auch für Japan beibehalten, aber jetzt könnte es sich sogar noch länger halten. Die jüngste Entwicklung deutet darauf hin, dass es auch 2024 als olympisches Material beibehalten wird.

Dabei hatten zuvor zahlreiche namhaften Spitzen-Surfer um den niederländischen Doppel-Olympiasieger Dorian van Rijsselberghe Stimmung gemacht für einen Material-Wechsel zu einer Foil-Version des Windsurfens. Aber nach einer aktuellen Erhebung der RS:X Klassenvereinigung unter seinen Mitgliedern, scheint dieses Ansinnen keine Mehrheit zu haben.

36 von 54 Nationen wollen offenbar das Material für 2024 beibehalten.

Allerdings promoten sie einen Wechsel nach den Olympischen Spielen in Marseille.

Erstaunlich ist, dass selbst die jungen Surfer gegen einen schnellen Wechsel sind.Dabei hat die Foiling-Welle längst auch die Windsurf-Szene erreicht. Es gibt inzwischen auch eine RS:X Convertible Version mit einer Tragfläche unter dem Brett. Aber die Klasse empfiehlt nun auf Basis ihrer Umfrage, den Umstieg noch nicht zu vollziehen. Die endgültige Entscheidung wird bei World Sailing fallen.  

Holländer und Chinesen dominieren

Diese Aussicht scheint den RS:X Surfern neuen Auftrieb zu geben. Die Meldezahlen bei der Welmeitsterschaft sind so hoch wie selten. Das Frauen-WM-Feld hat sogar  einen neuen Rekord erreicht.

Die anstrengendste Disziplin im Olympischen Segelsport scheint noch längst nicht zum alten Eisen zu gehören. Dabei spielt offenbar eine große Rolle, dass es sich um die günstigste Olympiaklasse handelt. Bei allem Reformgeist mag dieser Ansatz zu oft vergessen werden. Je weniger aufwändig das Material, umso mehr Sportler werden in die Lage versetzt, das höchste Niveau zu erreichen.

Das haben sich insbesondere die Holländer und Chinesen zunutze gemacht. Beide Nationen dominierten zuletzt bei den Frauen und Männern wie auch die Franzosen (Männer) und Italiener (Frauen) . Und auch bei der WM in Torbole liegen sie nach dem ersten Tag vorne.

Eventseite RS:X WM Torbole 2019

Ergebnisse Frauen

Ergebnisse Männer

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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