Olympic Youth Games: Alina Kornelli dominiert und verliert – Format wird ihr Verhängnis

Nur der finale Moment zählt

Alina Kornelli überwindet ein Hindernis im Sprung. © Matias Capizzano/ WorldSailing

Alina Kornelli hat die schon fast sicher geglaubte Goldmedaille bei den Olympischen Jugendspielen verpasst. Beim Winner-Takes-All-Finale zählte die Überlegenheit der vergangenen Tage nicht.

Es geht darum, das Finale live-fähig zu machen. Die Zuschauer sollen den Moment erleben, wie die Entscheidung fällt. Wie beim 100-Meter-Sprint, Rudern, Schwimmen oder Biathlon. Olympische Sportarten werden entsprechend dieses Musters geprüft, ob sie den Anspruch erfüllen können.

Qualifikations-Heat mit sechs Fahrerinnen. © Matias Capizzano/ WorldSailing

Segeln hat mit diesem Punkt ein Problem. Der Sport steht auch deshalb in der Kritik, weil das Final-Muster nicht seinem Wesen nicht entspricht. Es geht darum, sich bei den verschiedensten Wetterbedingungen miteinander zu messen. Und über einen längeren Zeitraum werden die Unwägbarkeiten der Natur ausgeglichen, so dass der Glücksfaktor nivelliert wird.

Bei den am Wochenden zuende gegangenen Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires konnte man Zeuge werden, wie problematisch es ist, Medaillen bei nur einem Finalrennen zu vergeben. Die neue Sportart Kitesurfen, die ihren Weg in die Segelfamilie noch finden muss, versucht ihre Disziplin den aktuellen olympischen Anforderung anzunähern. Und das Ergebnis war skurril.

Letzte im Finale

Leidtragende ist die deutsche Kiterin Alina Kornelli, die in der Woche ihre Mitstreiterin nach Belieben düpierte. Sie gewann fünf der sechs Vorläufe, bei denen die Drachen-Surfer einen Slalomkurs mit Hindernissen bewältigen müssen, und qualifizierte sich souverän für die besten Vier des Finals. Aber dort konnte sie nach einem frühen Fehler nicht mehr als den letzten Platz ergattern.

Die Französin Newland, als Schlechteste ins Finale gerutscht, ging zuerst ins Ziel. Sie erhielt aber einen Strafpunkt, und erhielt platzgleich wie auch die Spanierin Font eine Silbermedaille. Gold ging an Italien.

Kornelli hinter der späteren Siegerin aus Italien. © Matias Capizzano/ WorldSailing

Sofia Tomasoni war noch im Juli Weltmeisterin in dieser sogenannten TwinTip-Racing-Disziplin geworden und als klare Favoritin gestartet. Aber dann sah sie sich der überlegenen Deutschen gegenüber.

Sie sei die ganze Woche etwas gestresst gewesen von der Regatta, sagt Tomasoni. “Aber dann sagte ich mir, dieses letzte Rennen zählt. Das wird nur einmal in meinem Leben passieren, also genieße es und habe einfach Spaß. Ich hatte Spaß und bekam mein Ergebnis. Dieses Gold ist ein Traum. Ich habe so hart gearbeitet und denke, ich habe es verdient.”

Ergebnisse der Frauen im Kitesurfen

Alina Kornelli im Interview während der Woche:

So einen Modus wie bei den Kitern hätten sich Silas Mühle und Romy Mackenbrock gewünscht, um noch einmal eine Chance zu haben, die erhoffte Medaille zu gewinnen. Die Nacra15 segelten aber im klassischen Format sogar ohne doppelt zählendes Medalrace am Ende. 13 Läufe wurden gesegelt und nur eines gestrichen.

Das junge Mixed Team zeigte mit zwei zweiten Rängen, dass es durchaus an der Spitze mithalten kann. Aber  schließlich fehlten auf Rang fünf dann doch 25 Punkte zu einer Medaille.

Die Nacra15-Ergebnisse

Das Ergebnis bei den Kiterinnen wird wohl nicht zu einer Format-Änderung führen. Vielleicht kann man ja auch sagen, dass die Sportler es eben lernen müssen, zum entscheidenden Moment, ihre beste Leistung abzuliefern.

Macht das aber auch Sinn bei einer Wasser-Natur-Sportart? Wind und Wetter mögen beim Finale bestimmte Athleten bevorteilen, andere chancenlos machen. Es kann aber auch zu unglücklichen Stürzen kommen, wie man sie beim Boarder-Cross im Ski- und Snowboard-Sport sieht, wenn die Favoriten von Gegnern unabsichtlich abgeräumt werden. Eine solche Beliebigkeit mag man mit Spannung verwechseln. Tatsächlich weiß man bei einem solchen Format nie, wer gewinnt.

Die Star-Sailors-League versucht es ja ähnlich. Mit Erfolg, wie das spannende Finale 2017 zeigte. Die Finnsegler probierten so etwas auch schon aus für die nächsten Spiele, haben es aber wieder verworfen. Die Skiffs propagieren dagegen drei Kurzrennen am Ende. Es bleibt spannend, welchen Weg der Sport in nächster Zukunft noch nimmt.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Olympic Youth Games: Alina Kornelli dominiert und verliert – Format wird ihr Verhängnis“

  1. avatar Martin Pohla sagt:

    Dass man nicht sieht, wer gewinnt ist eigentlich falsch.
    Man sieht schon wer gewinnt. Man sieht nur nicht, wer der Beste ist. Und das ist bei einem Sport schon sehr schade.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar Dietmar Kornelli sagt:

    Lieber Carsten Kemmling,
    Ich muss dich leider hier direkt über die Kommentarfunktion anschreiben da ich keine direkte email finde.
    Dein Artikel enthält leider nicht die richtigen Tatsachen. Enttöuscgend
    Zum einen bekam die erste Poema Newland 2 x1 Strafpunkt weil sie am Start und bei erster Halse 2 mal Alina attaktiert und berührt hatte. Dabei die Ecke ihres Boards zerstört und dann weiter Alina attaktiert hat die mit kaputtem Board dann stürzte. Leider bekam sie kein Redress und Protest abgelehnt. Gewonnen hat dann Italien die beim Sprung gestürzt ist.Wenden musste beim downwind slalom und eine Minute später ins Ziel kam und nur erste wurde weil Frankreich Penalties wegen unfairem Verhalten an Deutschland, welches nicht mehr weiterfahren konnte, bekommen hat.Gerne sende ich dir Bilder vom Board und den 2 x 1 Punkten Penalties an Frankreich der von den Judges.

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 1

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