Olympisches Kitesurfen: Was Drachenflieger mit Segeln zu tun haben – Deutsche Hoffnungen

So sieht's aus

Kitesurfen ist olympisch ab 2024. Wie weit sind die Drachenflieger vom Segeln entfernt? Die Hydrofoil Pro Tour zeigt, wie die Regatta aussehen könnte. Welche Segler auf das Brett wechseln.

So sieht eine Kite-Foil-Regatta bei den Profis aus:

Man mag es mögen oder nicht, aber nun gehören diese Typen mit ihren von Flugmatrazen gezogenen Brettern noch näher zu uns. 2024 kämpfen sie um olympische Segel-Medaillen, nehmen damit den “echten Seglern” Edelmetall weg. Aber ist das Kitesurfen tatsächlich so weit entfernt vom Segeln, wie es auf den ersten Blick aussieht?

Start der Hydrofoil Pro Tour in San Francisco. © John Navas/Hydrofoil Pro Tour

Jan Hauke Erichsen findet das nicht. Der Flensburger Spitzensegler, der Olympia-Kampagnen im 49er und Nacra17 absolviert hat und als Liga-Steuermann für den FSC im Einsatz ist, bereitet einen langfristigen Olympia-Angriff für 2024 vor. Er ist schon jetzt ein exzellenter Kitesurfer und investiert immer mehr Trainingszeit. Besonders das Kite-Board mit Tragflügel hat es ihm angetan. Längst ist nicht klar, welche Disziplin der Drachensegler tatsächlich olympisch wird, aber das Kite-Foilen kommt dem Segeln wohl am nächsten.

Jan Hauke Erichsen beim Kiteboard-Training im hohen, kalten Norden . © Erichsen

Das glaubt jedenfalls Erichsen. “Kiten ist taktisch deutlich näher dran am Segeln als Windsurfen”, sagt er gegenüber SegelReporter. “Mit dem über der Tragfläche nach Luv gekippten Brett segelt man deutlich höher, und mit dem Foiler verliert bei den Wenden weniger Meter. Man kann Winddrehungen besser ausnutzen.”

Auch das Verheddern der Leinen ist offenbar kein so großes Problem, wie man als Laie denken mag. Bei den Foilern werden sie immer kürzer und erreichen für bessere Vorwind-Kontrolle schon deutlich unter 20 Meter. Längst ist nicht klar, ob es bei den aktuellen Formaten wie dem Racing bleibt. Neil Pryde hat schon seinen CR:X ins Spiel gebracht, ein Onedesign Board, das vom Foiler zum Twin-Tip-Board umgebaut werden kann, mit dem man auch über Hindernisse springt oder in Mini-Fleets um Tonnen jagt. Das Paket soll für 5500 Dollar zu haben sein.

Erichsen, der gerade in Vigo eine J/70 bei der EM steuert, hat nun seine Nacra17 Kampagne nach dem Test verschiedener Vorschoterinnen endgültig beendet und konzentriert sich voll auf das Kiten. Dabei wird er vom Flensburger Segel-Club unterstützt, für den er sogar eine Kiteboard-Abteilung aufbauen darf. Für 2020 hat Erichsen eine Teilnahme am Demonstrationswettbewerb bei Olympia in Tokio im Blick (sail24-Story). Insbesondere Studierende der Uni und FH Flensburg sollen so in den Verein gelockt werden.

Florian Gruber, der dominierende Deutsche Kite-Foiler. © Gruber

Einfach wird es nicht, den Olmpia-Spot zu erreichen. Denn schon seit Jahren ist aus deutscher Sicht der 24-jährige Florian Gruber das Maß aller Dinge. Der Bayer, der 2016 das das Extrem-Ski-Spektakel Red Bull Ragnarök gewann, kitet seit einigen Jahren regelmäßig in der Weltspitze beendete 2016 die Hydrofoil Pro Tour schon auf einem starken 4. Platz. Am Sonntag raste er beim Hydrofoil Pro Tour Cup in San Francisco auf Platz 7 unter 50 Fahrern.

Leonie Meyer räumt schon die ersten Kite-Pokale ar. © L. Meyer

In der Ergebnisliste taucht ein weiterer deutscher Fahrer auf: Gabriel Wicke. Der war schon einmal Contender-Weltmeister und gehörte zu den besten deutschen 49er Seglern. In San Francisco belegte er Platz 19 (Ergebnisse). In den Startlöchern steht auch Leonie Meyer, die ihre 49er FX-Kampagne inzwischen beendet hat.

Leonie Meyer auf dem Kite-Foiler. © L. Meyer

International steht besonders Torvar Mirsky im Fokus. Der 31-jährige schwedischstämmige Australier war einmal der beste klassische Match Racer der Welt, eroberte nach sechs Jahren auf der Tour die Spitze der Weltrangliste und schien auf dem Sprung zu einem angesagtesten America’s Cup Steuerleute der Welt. Aber nach dem Alinghi-Oracle-Streit brach die Match Szene zusammen und Mirsky versank in der Versenkung.

Bord-an-Bord-Kampf geht auch mit dem Kite-Foiler. © John Navas/Hydrofoil Pro Tour

Als Kite-Foiler tauchte er wieder auf, nahm 2017 an der Formula Kite Foil WM im Oman teil (45.), segelte dann aber erfolgreicher mit den M32 Katamaranen wieder Match Race und wurde auf Anhieb Weltmeister. Für ihn ist das Kite-Foiling eine mögliche Olympia-Perspektive. Zurzeit geben allerdings deutlich jüngere Athleten den Ton an.

Oder ist es das bei Flaute? Freestyle-event bei der World Tour in Portugal:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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