Optimist-WM: Wie ein Brasilianer seinen Sieg feiert – Moritz Wagner bester Deutscher als 45.

Große Gefühle

Alex Di Francesco Kuhl hat den ersten Optimist-WM-Titel für Brasilien geholt. Seine mitreißende Freude kannte keine Grenzen. Auch Robert Scheidts Sohn segelte in der Weltspitze.

Drei Jahre lang beherrschte der Italiener Marco Gradoni die internationale Optimist-Klasse. Dreimal hintereinander holte er den Titel und wurde damit sogar zum Weltsegler des Jahres 2019 gekürt. Aber seine Ära ist vorbei. Er segelt jetzt 470er-Mixed und will 2024 in Marseille bei Olympia starten. Damit war bei der von 2020 auf 21 verschobenen Weltmeisterschaft der Weg frei für einen neuen Namen.

Und der heißt Alex Di Francesco Kuhl. Der Brasilianer holte erstmals einen Opti-Titel für das Land. Er siegte nach zehn Rennen im Feld von 259 Seglern aus 57 Nationen. Dabei führte er einen offenen Zweikampf mit dem Amerikaner Gil Hackel und behauptete schließlich den knappen Vorsprung von fünf Punkten. Bronze-Sieger Alex Demurtas aus Italien lag 20 Punkte dahinter.

Alex Di Francesco Kuhl bei der innigen Umarmung seines härtesten Gegners Gil Hackel. © zerogradinord / team italia

Di Francesco Kuhl explodierte nach dem finalen Zieldurchgan in seiner Freude. Eine lange Umarmung mit dem unterlegenen Amerikaner dokumentierte die Extraklasse des sportlichen Duells. Dabei war der Weg kurz. Die Brasilianer teilten sich das Coachboot mit den Amerikanern. Dabei entwickelte sich über die Woche eine faire Kameradschaft.

Kuhl sagte nach dem Sieg: “Es ist ein unglaubliches Gefühl, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. So weit weg von zu Hause, in meinem letzten Jahr in der Optimistenklasse. Es war eine wunderbare Meisterschaft. Ich gratuliere all meinen Gegnern zu ihren starken Leistungen.“

Glücksmoment für den Sieger. © zerogradinord / team italia

Noch nie ist der Opti-WM-Titel nach Brasilien gegangen. Selbst ein Robert Scheidt, der vor Ort das brasilianische Team unterstützte, kam nicht in diese Regionen, obwohl er durchaus einmal im Optimist für sein Heimatland bei einer WM gestartet war.

Scheidt, der in Japan das Undenkbare schaffen will – im Alter von 49 Jahren eine Laser-Medaille holen – lebt inzwischen am Gardasee und sein Sohn Erik ging selbst an den Start. Er segelt für Litauen, das Heimatland seiner Mutter Gintare, die auch schon eine Olympia-Medaille im Laser gewonnen hat. Ein Scheidt kann sein Talent nicht verbergen und sein Vater frohlockte schon stolz, als Sohnemann nach vier Rennen und zwei Tagessiegen auf Platz drei rangierte. Aber in den Finalrennen musste Erik den härteren Bedingungen noch Tribut zollen. Er segelte schließlich bei seiner ersten WM auf einen starken 17. Platz.

Robert Scheidt war aber auch megastolz auf die Youngster aus seinem Heimatland, die mit vier Booten in der Goldflotte, dem WM-Titel und Rang neun eines der besten Nationenteams stellten. Auch am Sieg hatte er keinen unerheblichen Anteil. Weil Alex Di Francesco Kuhl den Trip nach Italien kaum bezahlen konnte, sprang der Superstar kurzerhand selber als Geldgeber ein.

Die Frauenwertung gewann Lomane Valade aus Frankreich auf Gesamtplatz 7. Silber holte die Italienierin Lisa Vucetti (10.) und Bronze die Spanierein Marisa Alejandra Vicens (13.).

Moritz Wagner, bester deutscher Optisegler bei der WM am Gardasee. © Capizzano

Das deutsche Team kam vor Riva nicht so gut zurecht, wie in früheren Jahren. Es musste offenbar in der Corona-Krise den im Vergleich zu anderen Nationen fehlenden Trainingsmöglichkeiten vor der Haustüre Tribut zollen. Schon die Austragung der Qualifikationsregatta in Glücksburg war mit Problemen verbunden.

Bei der traditionell zur WM-Hälfte ausgetragenen Team-Race-WM schied das Quintett nach zwei verlorenen Duellen gegen Litauen und Südafrika aus – Italien siegte vor Thailand und Portugal.

Das deutsche WM-Team 2021. © dodv

Und die Goldflotte der besten 65 Boote erreichte nur Moritz Wagner vom Deutschen Touring Yacht-Club. Der Sohn von Kristin Wagner, Olympia-Sechste 2004 in der Yngling, und North-Sails-Experte Christian (Kicker) Schäfer wurde schließlich 42. Es war seine letzte Opti-Regatta. Er steigt in den 29er um.

Die nächste Weltmeisterschaft findet 2022 im türkischen Bodrum statt.

Ergebnisse Optimist-WM 2021

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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