Palma Week: Jurczock/Lorenz dominieren 49er-Klasse – dramatische Finalrennen im Sturm

Sieg trotz Mastbruch

Die diesjährige Trofeo Princesa Sofia läutete den nächsten Olympia-Zyklus ein und verlief ganz im Zeichen der ausprobierten Format-Änderungen. Aber so oft man die Rahmenbedingungen auch ändert, am Ende hilft es auch einfach, gut zu segeln.

Sieg trotz Mastbruch im 49er FX Finale. Nur zwei kamen durch. © Sailing Energy

In Palma gab es keinen Zweifel daran, dass Victoria Jurczok und Anika Lorenz die mit Abstand besten 49er FX Seglerinnen des 29-Boote-Feldes waren. Die WM-Dritten und Olmpia-Neunten hatten auf dem Papier keine Konkurrenz zu fürchten, aber einen 49-Punkte-Vorsprung nach 17 Rennen muss man auch erst einmal schaffen. „Zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison fehlten noch einige starke Crews, doch für uns war es ein sehr gelungener Auftakt“, sagte Vicky Jurczok.

Auf ein Neues für 2020. © Sailing Energy

Die Überlegenheit der beiden Berlinerinnen zeigte sich insbesondere im letzten der drei geplanten Medalraces, als nur zwei Boote durchkamen, und sie selbst mit einem gebrochenen Toppmast als Sieger ins Ziel gingen.

Siegerinnen im Palma. © Sailing Energy

Bei solchen Extrem-Bedingungen gehören die Olympionikinnen schon immer zu den Besten der Welt. Es geht dann im 49er insbesondere um Technik und Handling, mit dem man das Skiff aufrecht hält. Ihr nach wie vor problematisches Untergewicht im Vergleich zur Weltspitze kommt dann nicht so sehr zum Tragen. Die weitere Entwicklung des Teams wird davon abhängen, ob es die nötigen Kilos zunimmt, die auch bei Mittelwind genug Druck am Draht versprechen. Die harte Arbeit findet im Kraftraum statt.

Der überlegene Erfolg zeigt aber auch das Dilemma der aktuellen Format-Diskussion. Die Finn Dinghies haben zum Beispiel eine extreme Variante ausprobiert, bei der die Entscheidung in nur einem alleine zählenden Rennen der fünf Finalisten fiel.

Formvollendeter Abgang. © Sailing Energy

Es war ein unglaublich dramatisches Rennen, das sicher bestens bei einer TV-Liveübertragung  funktioniert hätte. Bei brutalen Bedingungen zwischen 20 und 30 Knoten Wind entschied sich die Regatta bei der letzen Halse. Der führende Türke Alican Kaynar kenterte wie auch der Dritte, Laser Weltmeister Nicholas Heiner bei seiner ersten großen Finn-Regatta.

Der Schwede Max Salminen vermied knapp den Überschlag und siegte. Der Olympiasieger als Starboot-Vorschoter 2012 und Olympia-Sechste im Finn 2016 war bis vor kurzem noch Mitglied beim schwedischen America’s Cup Team Artemis, ist dort aber nicht mehr im Dienst.

Jurczok/Lorenz in der Balance© Wehrmann/DSV

Angesichts dieser Resultate kann jetzt diskutiert werden, welches Format besser ist. Für Jurczok/Lorenz wäre bei dem Finn-Format ihr fast 50 Punkte großer Vorsprung aus 15 Rennen ohne Bedeutung gewesen. Der Mastbruch nach Kenterung im Finale hätte sie bei einem besser besetzten Feld eine Topp-Platzierung gekostet.

Extreme Bedingungen am Finaltag auch im 470er. © Sailing Energy

Andererseits hätten sie bei dem 49er-Format mit drei einfach zählenden Medalraces eigentlich nicht mehr starten müssen. 30 Punkte waren noch zu vergeben und ihr Vorsprung überschritt diese Marke. Für Zuschauer wäre ein solches Finale langweilig gewesen. Die Diskussionen laufen fort. Es wird interessant sein, welches Format schließlich den Zuschlag des Weltseglerverbandes erhält. Es sollte allerdings schnell gehen. In Palma hat man schon jetzt den Überblick verloren.

Das Finn Finale, wird bei der letzten Halse entschieden. Kenterung von TUR. © Sailing Energy

Die sportliche Bilanz für die deutsche Flotte fällt gemischt aus. In Abwesenheit der beiden besten deutschen 49er Crews und Paul Kohlhoff im Nacra17 konnte der Nachwuchs durchaus Impulse setzen in den Laserklassen und im 470er.

Der Star-Olympiasieger 2012 als Vorschoter gewinnt an der Finn-Pinne. © Sailing Energy

Der Segler des Jahres Philipp Buhl erlebte eine schwierige Woche im Laser. Er zählte einen Frühstart und punktete dann in der ungewohnt großen 60 Boote Gold Fleet zweimal zu hoch. Aber dann schaffte aber doch noch auf den letzten Drücker die Medalrace-Qualifikation und mit insgesamt Rang neun einen versöhnlichen Abschluss bei ungeliebten eher leichteren Windbedingungen.

Das deutsche Boot beim Finale. Bei extrem starkem Wind ist Gewicht nicht merh so wichtig. © Sailing Energy

Eine Lehrstunde erhielt der 470er-Nachwuchs Malte Winkel/Matti Cipra aus Schwerin. Im achten Rennen wurden sie mit einer nicht streichbaren Disqualifikation unter der Fair Sailing Regel 2 bestraft. Dabei ging es um einen Zweikampf mit einem brasilianischen Boot.

Die Jury war davon überzeugt, dass die Deutschen regelwidrig in die Lücke an einer Wendemarke gestoßen sind. In der Begründung heißt es: “Es war klar, dass es keinen Platz für GER gibt, und es gab eine Kollision. Deshalb konnte GER nicht ignorieren, das es eine Regel gebrochen hat und drehte keinen Penalty. Deshalb ist Regel 2 gebrochen (Fair Sailing)”. Eine harte Strafe, auf die man sich in Zukunft wohl öfter einstellen muss.

Extreme Bedingungen am Finaltag auch im 470er. © Sailing Energy

Ergebnisse Trofeo Princesa Sofia

GER Ergebnisse

49erFX (29 Boote)

1. Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Verein Seglerhaus am Wannsee)

470er M (56 Boote)

11. Simon Diesch/Philipp Autenrieth (Württembergischer YC/Bayerischer YC)
17. Malte Winkel/Matti Cipra (Schweriner YC/Plauer WV)

470er F (42 Boote)

11. Nadine Böhm/Ann-Christin Goliass (Dt. Touring YC)
12. Fabienne Oster/Anastasiya Krasko (NRV, YC Ludwigshafen Bodensee)
15. Frederike Loewe/Anna Markfort (VSaW/Joersfelder SC)

Laser (134 Boote)

9. Philipp Buhl (Segelclub Alpsee-Immenstadt)
20. Theodor Bauer (Röbeler Segler-Verein)
24. Nik Willim (NRV)

Laser Radial (84 Boote)

36. Pauline Liebig (DSMC Konstanz)

Finn Dinghy (57 Boote)

19. Max Kohlhoff (Kieler Yacht-Club)

Nacra17 (30 Boote)

12. Jan Hauke Erichsen / Ann-Kristin Wedemeyer (Flensburger Segel-Club)

 

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Carsten Kemmling

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