Palma Week: Wer ist weg, wer macht weiter? – Deutscher Nachwuchs setzt Akzente

Wachwechsel

Der erste große Wettkampf der Olympia-Klassen nach Rio zeigt, wer noch dabei ist. Das deutsche Team ist in Zeiten der DSV-Krise arg dezimiert. Aber vielversprechende Talente rücken nach.

Palma Buhl

Philipp Buhl auf der Palma Welle © Lars Wehrmann DSV

Nach zwei Tagen bei der ersten Weltcup-Qualifikationsregatta testen die deutschen Segler, wo sie im Jahr X nach der Auflösung des Sailing Team Germany im Vergleich mit der Weltspitze stehen. Seitdem der DSV den Bruch mit der Konzeptwerft und schließlich mit dem Nixdorf-Verein vollzogen hat, fehlt viel Geld in der Kasse zur Unterstützung der Spitzensegler. Die versprochenen Sponsoren, die Audi und SAP ersetzen sollen, sind nicht realisiert, und in Palma starten die Athleten meist mit jungfräulich weißen Segeln sofern sie keine persönlichen Geldgeber gefunden haben. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es bis 2020 in Japan eine schwierige Olympiade wird.

Palma Buhl

Zugpferd Buhl. Der Bayer hängt sich noch mal richtig rein. © Lars Wehrmann DSV

Vier von sieben Olympiabooten sind nicht mehr dabei. Und es ist klar, dass ein Leistungsträger wie Toni Wilhelm im Surfen nicht zu ersetzen sein wird. In Palma startet kein einziger deutscher Stehsegler. Bei den Frauen versucht Stefanie Schwarz Anschluss zu finden. Nach vier Rennen liegt sie auf dem vorletzten Platz 57.

Traum von Olympia

Trotzdem gibt es Hoffnung. Die hat allerdings weniger damit zu tun, dass das Sailing Team Germany jetzt in German Sailing Team umbenannt wurde und ein neues Logo im Segel führt. Vielmehr zieht bei einigen jungen Seglern trotz der schwierigen Rahmenbedingungen offenbar immer noch der Traum von Olympia.

Leuchtende Vorbilder sind die Bronze-49er Erik Heil und Thomas Plößel, die eine weitere Kampagne angekündigt haben. Sie sind bestens im Geschäft, konnten ihre Sponsoren bei der Stange halten und machen auch ihren Weg im bezahlten Segeln. In Palma müssen sie nicht am Start sein. Die Elite startet erst wieder beim Weltcup in Hyères, wo auch ihre Freunde und Sparringspartner Schmidt/Böhme wieder angreifen wollen.

Der Weg, im 49er bis nach Japan zu kommen, scheint für den Nachwuchs aussichtslos angesichts der nationalen Konkurrenz. Dennoch haben besonders Tim Fischer mit Fabian Graf – der tiefe Einblicke in sein Seglerleben gewährt – im Winter mächtig Gas gegeben. Und in Palma ernten sie schon die Früchte: Platz vier nach der Qualifikationsserie im Feld von 59 Schiffen.

Die 49er Crew Fischer/Graf (115) segelt eine starke Qualifikation (Platz 4) © Sailing Energy

Bei den 49er Frauen hat sich die ehemals starke deutsche Mannschaft mächtig ausgedünnt. Die Olympia-Starterin Victoria Jurczok will aber weiterhin Seite an Seite mit ihrem Freund Erik Heil den Weg nach Japan gehen und ist mit Anika Lorenz bestens aufgestellt, ganz vorne in der Weltspitze mitzuspielen, wenn sie das Problem des fehlenden Gewichtes in den Griff bekommen.

Dominant führen sie das Feld in Palma an, wo allerdings die besten Olympia-Seglerinnen fehlen. Sie sind die einzige deutsche Frauencrew in Palma von ehemals fünf Spitzenteams. Die Görge-Zwillinge wollen allerdings auch wieder Gas geben und später in die Wettkampfsaison eingreifen.

Jurczok/Lorenz greifen wieder an und liegen vorne. © Lars Wehrmann DSV

Auch die Wedemeyer-Schwestern, vierte der Junioren WM 2016, wollten für 2020 noch einmal angreifen. Aber Steuerfrau Ann Kristin hat sich auf ein Experiment als Nacra17-Vorschoterin von Jan Hauke Erichsen eingelassen, der nur knapp die Olympia-Qualifikation für Rio verpasst hatte. In Palma segeln sie auf Anhieb vorne mit und liegen nach sechs Rennen auf Rang 10.

Rio-Starter Paul Kohlhoff ist in dieser Klasse aber längst noch nicht aus dem Rennen, auch wenn die Trennung von seiner langjährigen Vorschoterin Carolina Werner erfolgt ist.  Der Kieler konzentriert sich zurzeit auf die Youth America’s Cup Kampagne, übt das Foilen und will dann später in neuer Konstellation in die Olympiaklasse zurückkehren. Im Nacra17 werden die Karten ohnehin neu gemischt, wenn zur Mitte des Jahres die Umrüstung zum echten Foiler erfolgt.

Mit dem Youth America’s Cup sind auch die Finnsegler schwer beschäftigt. Daran mag liegen, dass sie in Palma noch etwas schleppend in Fahrt kommen. Der WM-Zehnte und Junioren Weltmeister Phillip Kasüske liegt auf Rang 18 und und Max Kohlhoff ist 24 im 57 Boote-Feld.

Neu gemischt sind die Karten im 470er. Die Europameister von 2015 Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski haben ihren Rücktritt erklärt und lassen nun insbesondere Platz für die Teams aus der zweiten Reihe. Das hätten die Autenrieth-Brüder sein sollen, aber Optimist-Weltmeister Julian macht nicht weiter. Philipp dagegen hat sich mit Steuermann Simon Diesch zusammen getan, eine stabile Sponsorbasis erarbeitet und extrem viel im Winter trainiert. Der Start in Palma war gut mit Platz neun nach vier Rennen. Aber auch Malte Winkel und  Matti Cipra kann noch einiges zugetraut werden. Sie liegen vorerst auf Platz 16.

Zahlenmäßig die stärkste DSV-Klasse im Olympiabereich ist der Frauen 470er. Nach dem  Karriere-Ende des Rio-Teams Bochmann/Steinherr sind in Palma gleich sieben Boote am Start. Nadine Böhm und Ann-Christin Goliaß liegen als beste auf Rang zehn, Frederike Löwe – Tochter des ex Finn Dinghy Olympioniken Dirk (1996) – und Anna Markfort sind elfte.

Besonders spannend stellt sich die Situation in der Laserklasse dar. Philipp Buhl macht weiter. Er ist der Platzhirsch, auch wenn er sich wundert, dass er in der aktuellen Weltrangliste nach der Olympia-Enttäuschung sogar auf Rang eins geführt wird.

Palma Buhl

Willim passiert knapp hinter Buhl. © Sailing Energy

Aber er hat in Theodor Bauer und Nik Willim zwei heiße, junge Mitstreiter gefunden, die sich anschicken ordentlich auf die Tube zu drücken. Nach einer intensiven Wintertrainingsphase zeigen sich die Youngster erstmalig an der Spitze des 134 Boote starken Senioren-Feldes.

Nik Willim holte sich einen Tagessieg in der Qualifikation. © Sailing Energy

Bauer liegt nach Abschluss der Qualifikationsphase auf dem starken siebten Rang und Willim rangiert mit einem Tagessieg auf Platz 14, auch wenn er schon eine Regel 42-Strafe wegen Rockens auferlegt bekommen hat. Buhl hält sich auf Rang 20 noch zurück, aber ab heute segelt die Goldgruppe, und da werden die Karten völlig neu gemischt.

Auch bei den Laser Radial-Seglerinnen gibt es mit Hannah Anderssohn als einer der besten Jugendseglerinnen der Welt, eine echte Hoffnungsträgerin. Sie schaffte auch schon in Palma auf der großen Senioren-Bühne einen Tagessieg im ersten Lauf, musste dann aber mit Knieproblemen pausieren. Sie zieht als 24. in die Goldgruppe ein.

Neue Sponsoren-Töpfe?

Trotz des Abgangs einiger Leistungsträger gibt es also durchaus junge Talente, die den Kampf aufnehmen, in die Weltspitze zu gelangen. Die Voraussetzungen im Umfeld sind schlechter als vor vier Jahren. Viel wird davon abhängen, ob es dem Verband gelingt, die neue Verantwortung gewissenhaft zu tragen und neue Sponsoren-Töpfe zu öffnen. Die internationale Konkurrenz ist auf diesem Gebiet längst enteilt.

Heute werden die Rennen in Palma in verschiedenen Test-Formaten fortgesetzt. Die Regatta zählt mit der Delta Lloyd Regatta in Holland zu den Qualifikationen für die Weltcup-Serie, die im April in Hyères startet.

Ergebnisse Princesa Sofia Regatta

Eventseite Princesa Sofia

49er FX Action in der Bucht von Palma. © Sailing Energy

Spannender Besuch für die Olympiasegler. © Sailing Energy

Der Weltranglisten-Erste Buhl hat gut lachen. © Lars Wehrmann DSV

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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