Paralympics: Programm erweitert, aber die Segler sind rausgeflogen

"Wir werden nicht aufgeben"

Das International Paralympic Committee hat für 2020 in Tokio Segeln aus dem Paralympics Programm gestrichen. 2012 gewann Deutschland zweimal Silber.

Heiko Kröger in Aktion bei den Paralympics auf seinem 2.4mR © IFDS

Heiko Kröger in Aktion bei den Paralympics auf seinem 2.4mR © IFDS

Das oberste Gremium der Behinderten-Sportler hat bei einem Treffen in Abu Dhabi beschlossen, 2020 nicht mehr um Medaillen zu segeln. Das Programm wurde zwar um sechs Sportarten auf 22 erweitert, aber Segeln und  “Fußball 7-a-side” sind nicht mehr im Programm.

Entscheidend für den Ausschluss des seit 2000 zum Programm gehörenden Segelns war eine Überprüfung der Reichweite der Disziplinen in den verschiedenen Ländern. So sollen die Teamsportarten mindestens in 24 Ländern ausgeübter werden und die Einzelsportarten in 32.

Jens Kroker, Siegmund Mainka und Robert Prem holten Paralympics Silber. © IFDS

Jens Kroker, Siegmund Mainka und Robert Prem holten Paralympics Silber. © IFDS

In dieser Rechnung hat besonders das Dreimann-Kielboot Sonar Probleme wie auch das neu eingeführte Zweimann-Boot Skud 18. Bei den IFDS Worlds 2014 waren im Sonar 18 Boote vertreten und bei den Skud nur 14.

Große Verbreitung bei 2.4 mR

Völlig anders sieht es dagegen bei den einhand gesegelten 2.4mR aus. Bei der WM 2014, die im August von Heiko Kröger gewonnen wurde, gingen 49 Boote aus 22 Nationen an den Start. Und Klassenvertreter betonen, dass in den vergangenen Jahren Segler aus insgesamt 34 Nationen auf internationalen Level an Regatten teilgenommen hätten. Sie versuchen die Entscheidung für den Rauswurf zu kippen, da sie offenbar auf der Basis falscher Zahlen zustandegekommen sei.

2.4 mR Altmeister Heiko Kröger  © Marina Könitzer

2.4 mR Altmeister Heiko Kröger © Marina Könitzer

Heiko Kröger, paralympischer Gold und Silber-Gewinner, ist bestürzt und hat kein Verständnis für die Entscheidung: “Segeln ist der Sport, bei dem Inklusion am besten funktioniert.”

Tatsächlich galt das paralympische Segeln immer als beispielhaft für die Möglichkeit, dass behinderte und nicht behinderte auf gleichem Niveau in einem Wettkampf gegeneinander antreten können. Das ist besonders in der 2.4 Klasse gewährleistet. Bei der vergangenen offenen WM waren unter den Top Ten fünf behinderte Segler zu finden. Sie holten Silber und Bronze.

Widerstand formiert

Segeln gehört  seit 2000 zum Parlympics-Programm. Es ist für alle Athleten mit einer körperlichen Behinderung zugänglich. Bei den Crews wird die Art der Behinderung mit einem Punktesystem bewertet, so dass sich Sportler mit verschiedenen Handicaps ergänzen.

Die Szene der Behinderten-Segler ist bestürzt wegen der überraschenden Entscheidung. Aber der Widerstand formiert sich. Mit einer Petition versuchen sie den Vorgang rückgängig zu machen. Der Brite Geoff Holt, der 2007  als erster behinderter Einhandsegler rund England Bekanntheit erlangte, startete die Kampagne und erklärt die Gründe in einer Video-Botschaft.

Der britische Segler-Verband hat allerdings bekannt gegeben, dass er diese Petition nicht unterstützt. Die Paralympics Segler halten aber dagegen. “Wir werden nicht aufgeben! Wir werden nicht still sein.”

Tipp: SR Leser Philip Mueller

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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