Philipp Buhl verpasst Laser-Medaille im spannenden Finale knapp

Kieler Nacra-Duo foilt auf Bronze-Kurs

Weltmeister Buhl hatte im Medal Race zwischendurch einen Fuß auf dem Treppchen, blieb aber Olympia-Fünfter. Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer ließen in drei Wettfahrten nichts anbrennen und sind weiter Dritte. Tagessieg für Luise Wanser und Anastasiya Winkel im 470er.

Philipp Buhl gratuliert dem vorzeitigen Olympiasieger Matt Wearn. © Sailing Energy / World Sailing

Er hat gekämpft wie ein Löwe, und er war hautnah dran am Podium. Aber am Ende hat es nicht sollen sein. Philipp Buhl verpasste nach Rio 2016 (14.) auch in Japan eine Olympische Medaille. Der amtierende Laser-Weltmeister blieb als Finaldritter insgesamt Fünfter. Umso überschwänglicher war die Gratulation an seinen Sparringspartner Hermann Tomasgaard, kurz nachdem der ihm „Bronze“ weggeschnappt hatte. Buhl ging längsseits und riss den Norweger mit einem Sprung von Bord ins Wasser. Schwimmend jubelten sie zusammen, geradeso als hätte Buhli auch Edelmetall abbekommen. „Gold“ aber holte der Australier Matt Wearn ja schon vorzeitig; Zweiter wurde der Kroate Tonci Stipanovic.

Traumhafte Segelbedingungen bei mittleren Winden und strahlendem Sonnenschein boten der Arena das bestmögliche Ambiente. Auf der Pier vor der Bahn Enoshima stand DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner mit einen Deutschland-Fahne in den Händen in einer kleinen Gruppe aus dem German Sailing Team, um Philipp Buhl zu unterstützen. Der 31-Jährige wollte möglich machen, was rechnerisch bereits schwierig war. Doch der Sportsoldat wirkte gelassen. „Auf mich wird sich wohl keiner konzentrieren“, hatte er am Vortag noch prophezeit, „das spricht für mich.“

Am Start des Finalrennens kommt Philipp Buhl gut weg. Foto: Sailing Energy / World Sailing

Kurz vor Beginn tauscht er sich noch einmal mit seinem Trainingspartner Tomasgaard aus. Zwischen die beiden passt kein Blatt Papier. Dann ein gelungener Start Mitte links der Linie. Nur der spätere Sieger Jean Baptiste Bernaz aus Frankreich kommt noch besser weg und gibt die Führung auch nicht mehr aus der Hand. Buhl ist Zweiter. Und die anderen? Beharken sich weiter hinter. Das war die Hoffnung, das ist die Chance. Auf der Startkreuz wird der Deutsche insgesamt immer wieder auf den dritten Gesamtplatz hochgerechnet.

Nach einer Runde im Medal Race geht Buhl hinter den Franzosen als Zweiter durchs Gate. Foto: Sailing Energy / World Sailing

Als Zweiter rundet Buhli die Luvtonne, ist ja aber auf die Reihenfolge hinter sich angewiesen. Die Gegner schenken sich nichts. Mit Gebrüll geht es im Knäul auf den Vorwindgang. Immer besser in Szene kommt der überragende Australier, der zunächst vornehm als Vorletzter gestartet war. Doch GER steht auch auf der zweiten Kreuz lange auf drei. Der Kroate und der zuvor Vierte Pavlos Kontides duellieren sich hinten. Vor der zweiten Luvmarke wird es knapp für Buhl er muss Wearn unterwenden, verliert ihn vor der Rundung. Dann springen die Kandidaten im Zwischenklassement auf und ab.

Im Ziel liegt der Weltmeister zwar vor seinen direkten Kontrahenten, aber nicht weit genug. Stipanovic ballt die Faust, hat dem Norweger noch „Silber“ abgejagt. Enttäuschung für Ausnahmesegler Robert Scheidt aus Brasilien, der als Vorletzter auf Rang acht abrutscht und seine vierte Medaille klar verfehlt. Aber Buhl freut sich – vor allem für Tomasgaard, kann aber auch ein bisschen stolz sein. Fürs Treppchen war sein Olympiaauftritt letztlich insgesamt zu wechselhaft.

Medaille verpasst, aber achtbar geschlagen: Laser-Weltmeister Philipp Buhl. © Sailing Energy / World Sailing

Auch Philipp Buhl selbst zog eine gemischte Bilanz: „Der Abschluss war gut mit dem letzten Race im Qualifying (Tagessieg, d. Red.) und dem Medal Race. Das macht mich zufrieden, weil es ein großer Schritt vorwärts ist, verglichen mit meiner Olympiapremiere in Rio. Aber ein bisschen traurig bin ich auch, weil ich an Tag drei so viele Punkte vergeben habe. Das kann ich auch nicht immer alles aufs Pech schieben, denn das war es nicht an dem Tag. Wer unter seinen eigenen Möglichkeiten segelt wie ich, den ärgert das natürlich, wenn er so voller Feuer eine Olympiakampagne macht. Aber ein 5. Platz ist besser als ein 14.“

Im Laser Radial siegte anschließend die Dänin Anne-Marie Rindom. Svenja Weger (Kiel) hatte das Finale als 16. verpasst. Vor dem Laser-Finale hatten die Fans schon am frühen Sonntagmorgen um 5 Uhr die Daumen gedrückt, als die Nacra-17-Konkurrenz ihre besten Zehn für das Medaillenrennen am Dienstag ermittelten. Der Einzug war für Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer im Prinzip längst sicher. Die beiden wollten mehr, deutlich mehr. Schließlich trägt die Mixedcrew seit dem zweiten Tag farbige Leibchen, erst die Blauen als Zweite, dann durchgehend Rot als Dritte im Gesamtstand.

Und in Rot geht der Kieler mit seiner Vorschoterin aus Altenholz auch ins Medal Race. Die Konstanz des Teams war über zwölf Wettfahrten herausragend. Einem elften Rang als Streicher nach einer Kenterung stehen ausschließlich Top-Acht-Plätze mit einem Tagessieg zum Auftakt gegenüber. Und auch der Sonntag war zwar nicht überragend, aber als Dritte und zweimal Sechste für Kohlhoff/Stuhlemmer besser als ihre härtesten Verfolger. Weil Ruggero Tita/Catarina Banti (Italien) mit 23 Punkten überlegen an der Spitze liegen und sich auch die Briten John Gimson/Anna Burnet (35) wenig Blöße geben, ist der Blick bei 47 Zählern eher nach hinten gerichtet. Und da liegen Jason Waterhouse und Lisa Darmanin aus Australien sieben Punkte hinter den Deutschen. Das sind bei doppelter Wertung drei Finalplatzierungen Vorsprung – „Bronze“ also zum Greifen nahe.

Seit dem ersten Tag konstant auf dem Podium wollen Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer nun zum Nacra-Edelmetall fliegen. © Sailing Energy / World Sailing

„Wir haben es geschafft, unsere konstante Serie fortzuführen und sind auch ganz zufrieden damit. Wir haben auch einiges liegenlassen heute, aber unterm Strich stimmen die Zahlen. Trotz des kleinen Punktepolsters dürfen wir uns nichts erlauben“, resümierte Paul Kohlhoff den Tag, „wer da voraussichtlich gegen wen segeln wird, werden wir alles morgen besprechen und uns einen Plan machen.“

Typisch für die Stärke der Norddeutschen war der Steuerbord-Start in Race 12. Hinter allen zogen sie genau wie die Italiener und die ebenfalls noch in Lauerstellung zu beachtenden Spanier mit gutem Speed nach rechts raus, wendeten aber als Erste zurück und lagen in der vorderen Hälfte des Felds. Im weiteren Rennverlauf schien Kohlhoff die Australier zunehmend ins Visier zu nehmen. Die suchten zwar immer wieder den Split, halsen weg. Aber entwischen konnten sie nicht mehr. „Yes“, sagt der Steuermann kurz, als sie zwei Boote vor den Verfolgern ins Ziel kommen.

Trotzdem war er nicht ganz zufrieden: „Wir waren durchaus angespannt und haben uns deswegen auch ein paar Fehler erlaubt. Einmal habe ich vor der Wende die Großschot losgelassen. Insgesamt sind wir nicht ganz sauber gesegelt, sowohl Downwind als auch am Wind. Das Handling hätte besser sein können. Aber es war auch ein hektischer Kurs mit kurzen Up and Downs und kleiner, steiler Welle. Zudem hatten wir an der Kreuz mit dem Foil zwischendurch einen fetten Tampen eingesammelt und sind dann stehengeblieben, mussten wenden und den entfernen. Da haben wir aber gut reagiert.“

Für einen weiteren deutschen Tagessieg sorgten Luise Wanser (links) und Anastasiya Winkel im 470er. © Sailing Energy / World Sailing

Für das beste DSV-Resultat sorgten Luise Wanser und Anastasiya Winkel aus Hamburg mit einem Tagessieg im achten von zehn Rennen. Dabei blieb der Triumpf lange Zeit im Verborgenen, weil der Tracker offenbar keine Position in die SAP Analytics übertrug. Mit dem Sieg kletterte die Mannschaft in die Top Ten, die sich am Montag für das Medaillenrennen qualifizieren. „Wir wollten ein bisschen aggressiver starten heute, um zu retten, was noch zu retten geht“, berichtete die Steuerfrau, „im ersten Rennen ist uns das nicht so gut gelungen. Aber im zweiten Rennen waren wir erstes Schiff am Pin End, sind gut gestartet und schnell gewesen. Dann war der Abstand irgendwann so groß, dass keine Boote mehr um uns herum lagen. Und dann segelt es sich leicht.“

Am Montag Top-Medaillenkandidatinnen sind Tina Lutz und Susann Beucke im 49erFX. © Sailing Energy / World Sailing

„Morgen wird es noch mal spannend. Wir freuen uns, dass es noch zwei Rennen sind und wir zweimal eine Chance haben, uns zu verbessern. Wir sind das einzige Team, das wirklich gar nichts zu verlieren hat“, so Wanser weiter. Dann machen die 470er-Frauen um 5.05 Uhr vor den Medal Races den Anfang. Ab halb acht deutscher Zeit stehen Tina Lutz und Susann Beucke im Mittelpunkt, die im 49erFX sogar „Gold“ holen können. Sie gehen als Gesamtdritte nur drei Punkte hinter der Spitze zurück ins Rennen. Das ARD-Fernsehen will live übertragen, das ZDF in jedem Fall per Internetstream. Eine Stunde später sind Erik Heil und Thomas Plößel im 49er dran. Als Vierte zehn Punkte (= fünf Rennplätze) hinter dem Podium müssen sie angreifen, um nach Rio 2016 erneut auf den Podest zu stehen.

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