Plastikmüll durch Segel: Wie “grüne Tücher” auf den Markt gezwungen werden sollen

Fünf Kilo Müll für ein Kilo Segel

Segeln ist prinzipiell grün, aber die Produktion der dafür notwendigen Materialien nicht. Die IMOCA-Klasse will das ändern – wenn auch nur ganz vorsichtig. Es geht um die Glaubwürdigkeit.

Kevin Escoffier mit seinem IMOCA-Neubau Holcim-PRB © Eloi Stichelbaut / polaRYSE / Holcim-PRB

Die Umweltbilanz eines IMOCA-Neubaus ist unterirdisch. Das wurde noch nie so klar wie nach der Lebenszyklusanalyse des 11th Hour Teams des Neubaus „Mālama“, mit dem der US-Skipper Charlie Enright The Ocean Race gewinnen soll. Das Team machte so klar wie nie, dass moderne Rennyachten immer weniger aktuellen Umweltschutz-Anforderungen entsprechen, wenn sie konkurrenzfähig sein wollen.

Beim Vergleich des Neubaus mit einem IMOCA von 2010 soll der Fußabdruck eines IMOCA um fast zwei Drittel von 340 auf 550 Tonnen Treibhausgasemissionen gestiegen sein. Eine solch erschreckende Bilanz passt wenig zum Selbstverständnis des Sports. Sie kommt auch nur zutage, weil hinter 11th Hour die Schmidt Family Foundation steckt.

“Malama” in voller Fahrt. © Thierry Martinez / 11th Hour Racing

Wendy Schmidt ist die ex Frau vom ehemaligen Google CEO Eric Schmidt und begeisterte Rennseglerin. Zuletzt war sie mit ihrem Renner “Deep Blue” bei der Barcolana erfolgreich. Ihre Stiftung setzt sich “für die Wiederherstellung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Mensch und Erde” ein. Da macht es sich nicht gut, Umweltthemen außen vor zu lassen. Es geht um die Glaubwürdigkeit.

Grün ist nicht automatisch konkurrenzfähig

Das gilt auch für das Gros der aktuellen Rennsegelprojekte. Wenn Sponsoren im Segelsport investieren, dann immer öfter mit einer “grünen” Botschaft. Der Sponsoren-Pool von Boris Herrmann macht das deutlich. Da aber “grün” nicht unbedingt “konkurrenzfähig” beinhaltet, müssen die Veranstalter die Teams über ihre Regeln zwingen, entsprechende Materialien einzusetzen.

Das geschieht bei den aktuellen Regeln der IMOCA-Klasse für die nächste Vendée Globe längst nicht besonders radikal oder mutig. Die Organisatoren versuchen, eine Ausgewogenheit zwischen den alten und neuen 60-Fußern herzustellen.

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Plastikmüll durch Segel: Wie “grüne Tücher” auf den Markt gezwungen werden sollen“

  1. avatar Ulrich diehl sagt:

    Wieviele Menschenleben von Kindern kostet der kobaltabbau, nur damit wir vermeintlich saubere Elektroautos fahren können, Handys nutzen etc. geschenkt die segel für ein paar imocas. Lassen wir doch die Kirche im Dorf. Schöne Weihnachten!

    • avatar Klaus sagt:

      Wenn nicht mal teure mit Geld vollgepumpte Vorzeigeprojekte es schaffen auf Umweltbilanz und Recyclingfähigkeit zu achten, wer dann?

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