Porträt OK Jolle: Ein Ausflug zur Meisterschaft am Schwielowsee – jüngster Segler mit Vollbart

"Man muss ein etwas anderer Jugendlicher sein"

Anton Paetzholdt hat die OK Jollen Meisterschaft besucht. Der 20-jährige Piratensegler schildert seine Eindrücke. Weltmeister André Budzien musste am Ende noch zittern.

OK Jolle

Jüngster Teilnehmer Jan Beckmann mit Vollbart. © Anton Paetzholdt

Die OK-Jolle ist ein Paradebeispiel für klassisches puristisches Einheitsklassensegeln. Klassenregeln bestimmen, wie das Bootsmaterial beschaffen ist, und es gilt: Egal ob ein Inch, eine Meile oder eine Sekunde Vorsprung, Sieger ist der Erste im Ziel. Ein Segler, ein Boot, ein Segel und jeder ist für seinen sportlichen Erfolg selbst verantwortlich, ohne Ausreden.

OK Jolle

Das Podium bei der OK Jollen Meisterschaft. Budzien vor Mackmann und Zimmermann. © SGS

50 Segler, die dieses Credo verinnerlicht haben, trafen sich Oktober am Schwielowsee im Ort Caputh, wo sich die Sportgemeinschaft Segeln Potsdam in das die Gebäude des Märkischen Gildehauses einmietete, um die Internationalen Deutsche Meisterschaft der OK-Jollen auszurichten. Es kamen Segler aus Deutschland, Neuseeland, Dänemark, den Niederlanden und Polen.

Jüngster Teilnehmer mit Vollbart

Jüngster Teilnehmer war Jan Beckmann, der mit seinem Vollbart deutlich älter aussieht als 21 Jahre. “Man muss schon ein etwas anderer Jugendlicher sein, um OK zu segeln”, sagt Jan mit Hinblick auf die überwiegend aus gestandenen Seglern bestehende Community der Klasse. “Irgendwann ist mein Vorschoter nicht mehr zum Training gekommen. Hat sich nicht abgemeldet”. Das war schon mit 13. Danach zog es ihn zur OK. Auf dem Lippesee, einem Baggersee in Paderborn, trainiert er nun jeden Mittwoch und fährt regelmäßig zu den Klassenregatten und landet bei der DM im Mittelfeld.

OK Jolle

Top Finnsegler Lars Haverland kam als 21. noch nicht so gut mit der kleineren OK Jolle zurecht . © Tasso Mulzer

Die Klasse, die als Name die Initialen ihres Konstrukteurs Knut Olsen trägt, erhält Zuwachs vor allem durch Quereinsteiger aus anderen Bootsklassen. Während sie in Deutschland eher leicht abnehmende Teilnehmerzahlen zu verzeichnen hat, boomt sie in einigen anderen Ländern. So hatte Dänemark dieses Jahr eine nationale Meisterschaft mit über 80 Startern überwiegend im Masters-Alter.

Einig sind sich die OK-Segler, dass ihre Jolle anspruchsvolle, aber gute Segeleigenschaften besitzt. Wer sich durchsetzen will, muss sein Boot an der Kreuz laufen lassen, ausdauernd ausreiten können und taktisch auf hohem Niveau segeln.

Auf dem Vorwindkurs wird der alte Knickspanter zur Gleitjolle, wenn etwas stärkerer Wind weht. Gleichzeitig bekommt man dann die kippligen Jolleneigenschaften zu spüren und wird sportlich gefordert.

Das Meisterschaft-Finale

Doch am Sonntag, dem entscheidenden Wettfahrttag bei der Deutschen Meisterschaft, ist davon erstmal nicht viel zu sehen. Nur vier Läufe stehen aus den vorangegangenen Tagen bei leichten Winden zu Buche. In dieser Situation könnte nicht einmal das schlechteste Ergebnis jedes Teilnehmers gestrichen werden.

OK Jolle

Tau auf dem Holzdeck. Alte Schiffe sind lange konkurrenzfähig. © Tasso Mulzer

Dazu bräuchte man zumindest fünf Wettfahrten, doch außer einem milchigen Streifen auf dem See deutet nichts auf segelbaren Wind hin. Trotzdem schickt die Wettfahrtleitung zur geplanten Zeit alle Boote auf den Schwielowsee. Auch Jan Beckmann, der junge Wilde, bringt sein Boot zuletzt noch zu Wasser.

Eine Geste der Verzweiflung? Oder werden hier höhere Mächte beschworen, um doch noch eine schöne Brise hervorzulocken? Aber die Einheimischen kennen den See. Tatsächlich kommt nach kurzem Warten noch Wind auf, etwa zwei bis drei Beaufort, nicht gerade üppig, aber segelbar.

Nachdem der amtierende Weltmeister André Budzien an der Starttonne gestartet ist und eine Führung etabliert hat, dreht der Wind massiv nach rechts, sodass die Wettfahrt abgebrochen wird.

Nerven liegen blank

Als kurz vor der letzten Startmöglichkeit bei neu ausgelegter Bahn wieder gestartet werden soll, scheinen die Nerven blank zu liegen. Fast die absolute Mehrheit der Boote liegt beim Startsignal über der Linie, allgemeiner Rückruf, Black Flag!

Tatsächlich führt die berüchtigte schwarze Flagge sofort zu Zurückhaltung. Wieder startet der mit 14 Punkten in Führung liegende André Budzien nahe am Pin-End. An der Luvmarke liegt er zwar nicht in Führung, aber mit Platz fünf klar auf Meisterkurs. Mit dieser Platzierung wäre er für seine Verfolger uneinholbar.

OK Jolle

Budzien 792 startet gerne am Pin End. © Tasso Mulzer

Doch nachdem der Topfavorit sich sogar auf den zweiten Platz vorgesegelt hat, wird es noch einmal spannend. Auf dem letzten Vorwindschenkel setzt von rechts Wind ein, was Gunter Arndt auf GER 740 zum Wettfahrtsieg verhilft. Kurz vor dem Ziel dreht der Wind noch dazu nach rechts, sodass die Ziellinienbegrenzungstonne klar bevorteilt liegt. Nicht nur GER 740, sondern ein ganzer Pulk von Booten zieht so an der Spitzengruppe um Budzien und Oliver Gronholz vorbei.

Es wird eng für den Meister

Budzien wird in dieser Wettfahrt nur noch Zwölfter und muss dieses Ergebnis streichen. So würde nun Ralf Mackmann ein zweiter Platz jetzt zum Gesamtsieg reichen. Aber der schärfste Verfolger segelt mit einem elften Platz auch nur seinen Streicher. So bleiben für beide die Punktzahlen wie vor dem letzten Rennen erhalten, und André Budzien vom Schweriner Yacht-Club wird als amtierender Weltmeister auch Deutscher Meister in der OK-Jolle!

Auf die Frage, ob nach Weltmeistertiteln in der OK-Jolle und im Finn (Masters WM) auch bei einer deutschen Meisterschaft noch große Freude aufkommt, sagt Budzien: “Ein Meistertitel ist immer schön. Allerdings ist nach dem Meistertitel auch vor dem Meistertitel.”

Die Teilnehmer sind sich sicher: Auch wenn die drehenden Leichtwindverhältnisse sicher nicht jedermanns Sache waren, konnte die SGS Potsdam eine schöne, spannende und vor allem erstklassig besetzte Meisterschaft austragen.

Beste Frau auf Platz acht

Juliane Hofmann, 2013 Vizeeuropameisterin im Piraten, segelte auf Rang acht, Greg Wilcox, der neuseeländische Weltmeister von 2002 landete auf dem sechsten Platz. Den dritten Platz konnte sich in der letzten Wettfahrt Martin von Zimmermann erobern. Zweiter wurde Ralf Mackmann.

OK Jolle

Jugend-Werbung mit der OK Jolle. © Anton Paetzholdt

Nach der Siegerehrung und dem Abspielen der Nationalhymne erhebt Meister Budzien die Stimme zu einer kurzen Rede. Neben “Glück und gutem Speed”, die ihm zum Titel verholfen hätten, betont er den Spaß am Segeln und lobt die Ausrichter.

Er ist auch stolz auf seine alte Klasse, die in der DDR zur Jugendausbildung benutzt wurde, und zu der sogar der thailändische König eine besondere Beziehung entwickelt hat. Eher aus nostalgischen Gründen war er 2012 auf die OK Jolle gestiegen war und hatte prompt mit einem 40 Jahre alten “Wunder-Schiff “den nationalen Titel gewonnen.

Kurz darauf holte der Finn- Dinghy Spitzensegler prompt den OK-WM-Titel und segelt seitdem in beiden Klassen. Die Einfachheit hat es ihm und den anderen Fans angetan. Konkurrenzfähige Boote sind schon ab 5000 Euro zu haben und sie lassen sich jahrelang segeln.

Aber ein bisschen Leidenschaft und Verrücktheit gehören wohl auch dazu, wenn man OK-Jollen-Segler sein will: “Ich musste mich damals entscheiden”, erzählt Jan Beckmann. “Das Geld reichte nur für Führerschein oder Karbonmast. Die Wahl fiel auf den Mast”. Den Transport musste dann erstmal der Kumpel im Doppeltrailer-Gespann übernehmen.

Autor:

Ergebnisse Deutsche Meisterschaft OK Jolle 2015

OK Klassenvereinigung

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Ein Kommentar „Porträt OK Jolle: Ein Ausflug zur Meisterschaft am Schwielowsee – jüngster Segler mit Vollbart“

  1. avatar Fastnetwinner sagt:

    Anfang der 90er fuhr auf dem MühLo kein Mensch Laser, sondern alle OK-Jolle. Mit dem Hein/Needlespar/Green-Standard-Paket egal welchen Alters war man dabei. Unlängst ist ein sehr inspirierender Artikel über die neuerliche Selbstbautätigkeit erschienen. Schön zu lesen! http://www.okdia.org/features/15_return-of-the-woodie.php

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

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