Quebec-St.Malo Anna Maria Renken: Ärger in der Crew, Treffen auf hoher See

"Kleines Integrationsproblem"

Anna Maria Renken an der Class40 Pinne von "Sevenstar". © Sevenstar

Anna Maria Renken an der Class40 Pinne von “Sevenstar”. © Sevenstar

 

Während sich Jörg Riechers beim Quebec-St.Malo Transatlantik-Rennen knapp 300 Meilen vor dem Ziel auf Platz zwei vorgeschoben hat, segelt auch Anna Maria Renken ein starkes Rennen und liegt mit der betagten Pogo1 “Sevenstar” immer noch auf einem elften Rang, ein Platz hinter der “Red” von Matthias Müller von Blumencron.

Sie schreibt von Bord, wie es ihr mit dem Co-Skipper Jean-Edouard Criquoche (FRA) und der Crew Andres Soriano (ESP) und Samantha Evans (GBR) bisher ergangen ist. Auszüge aus ihrem Tagebuch:

Mi 25.07.2012 00:44

Start war Okay, wir sind gut vom Stapel gelaufen. Seitdem steuern wir von Hand und haben gefühlte 20 Segelwechsel pro Stunde. Wir laufen jetzt unter Sturmspinaker in 34 Knoten und hoffen, dass der Wind ein bisschen runtergeht, denn an der Pinne sind solche Bedigungen physisch ziemlich hart – nach 1 Stunde steuern brennt der Arm 🙂 Die Stimmung an Bord ist gut, jeder hat so langsam seinen Groove gefunden.

Noch zwei Wendemarken und wir können raus in den Atlantik. Das gibt uns mehr Optionen – ziemlich wichtig mit unserer alten Möhre.

Do 26.07.2012 05:14

Mannmannmann… Es bleibt spannend… Wenig Wind zur Zeit. Fiese Dreher plus ungünstige Welle… Immerhin werden die Manöver weniger und wir können endlich ein bisschen schlafen. Das Mädel ist relativ platt, mental und physisch – nicht einfach. Stimmung ist gut – aber eine Sache ist sicher: ein grosser freezed-dried-food Fan werde ich wohl nie sein. Ein Königreich für Rouladen mit Rotkohl und Knödeln!!!

Fr 27.07.2012 04:20

Klare Sache und damit Hopp! Unsere Entscheidungen vor der Passage können nicht völlig verkehrt gewesen sein. Wir haben die Inseln nun hinter uns und befinden uns nach einigen Spinakerwechseln (grosser Spi und Sturmspi) abermals in 28 Knoten.

Jetzt beginnt der schwierige Teil für uns – mangels weiterer Wetteroptionen werden wir einige Tage mit den neuen Booten matchen müssen… Unter Reaching Bedingungen fahren die modernen Rmpfe einfach mal 1,5 bis 2 knoten schneller als wir.

Wir tunen das Boot was das Zeug hält und versuchen so zumindest am Ball zu bleiben bis wir eine andere taktische Option bekommen – nur so werden wir unsere Position halten bzw. ausbauen können.

Ich versuche etwas Abstand zu der permanent quengelnden und sich ständig  übergebenden, 24 Stunden die Koje blockierenden Engländerin zu gewinnen.

Sa 28.07.2012 08:55

Leider eine Position gegen das neuste Boot der Flotte verloren. Aber gut, das war nicht zu vermeiden. Wir scheinen momentan das führende Boot in der inoffiziellen Vintage-Wertung zu sein. Das tröstet 🙂 Die malade Kollegin betreffend haben wir eher ein  kleines Integrationsproblem…

Aber weiter geht’s, St.Malo entgegen, im gestreckten Galopp!

So 29.07.2012 13:25

Die Wogen haben sich geglättet, in jeglicher Hinsicht. Wir laufen unter grossem Spi gen Osten. Die letzte Nacht war verrückt – wir hatten Probleme mit unserem Furling-System und dem starken Nebel. Während der Reparatur an Deck tauchte plötzlich ein grünes Toplicht neben uns auf. Super-dicht, auf dem AIS war das target überlagert von unserer Position. So hat niemand das Boot bemerkt. Und wer wars? Picoty 🙂 mein Freund JC. Es war fantastisch mit ihm kurz über VHF Funk zu quatschen!!

Momentan batteln wir also mit zwei neuen Pogos (wir Pogo S, Partouche und Picoty Pogo S2, beide Boote 4,5 Jahre jünger). Wir sitzten 90 % des Tages am Rechner und überlegen die beste Strategie… Es bleibt spannend, noch 6 – 7 Tage, dann wissen wir wer es richtig gemacht hat, hahaha!

So, jetzt wird geraucht und dann gegessen – mal sehen was unsere Hundefutterbox heute zu bieten hat 🙂

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5 Kommentare zu „Quebec-St.Malo Anna Maria Renken: Ärger in der Crew, Treffen auf hoher See“

  1. avatar sinkmaster sagt:

    Demut und Genügsamkeit auf dem Antlantik: So wird aus der Roulade mit Rotkohl ein heißer Kakao mit Kippe.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 3

    • avatar Couch Potato sagt:

      Das macht die Anna schon ziemlich gut. Allen Respekt. Ist doch Amateur auf’nem altem Hobel und dann über den Nordatlantik. Fast schon olympisch…dabei sein ist alles.

      Ich schenk’ mir derweil noch ein Glas Rotwein ein und schau Olympia.

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  2. avatar laser82 sagt:

    RESPEKT!!! Ich verbeuge mich vor solchen Leistungen, das sollten mal die (männlichen) Heulsusen vom Warnemünde-Rund Bornholm-Race von neulich lesen, die hätten sich Ihre Kommentare gespart. ;-)))

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 6

  3. avatar Heini sagt:

    Interessant…… 😀
    Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte AMR für ihre Bemerkungen über die “Mitseglerin” (Samantha Evans) hier derbe Schelte kassiert.
    Inzwischen kein Wort mehr über so etwas, stattdessen Anerkennung ihrer Leistung.
    tz tz

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    • avatar Haka sagt:

      “What happens on tour – stays on tour…” Kollegen – und sind sie noch so schwach haut man nicht in die Pfanne… wo bleibt der Teamgedanke? Warum auch öffentlich nieder machen, wem nützt das? Professionell ist das nicht und potentielle Sponsoren schauen da vielleicht mal genauer hin – merke: was im netz steht bleibt da auch…

      Das erinnert an Arved Fuchs/Reinhold Messner – da hat RM auch auf Hälfte der Antarktisdurchquerung AF hingehängt indem er eine Meldung über dessen Unfähigkeit beim Marsch von einer Polarstation abgesetzt hat – Fuchs wußte nichts davon und sah nachher neben dem Helden wie der Volldepp aus… Cui Bono fragt der Lateiner und Jurist…

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