Quebec – St.Malo: Matthias Müller von Blumencron über sein Atlantik-Abenteuer mit “Red”

"Intensives Erlebnis"

Matthias Müller von Blumencron an der Pinne seiner "Red" beim Quebec - St.Malo Race. © Andreas Lindlahr

Matthias Müller von Blumencron an der Pinne seiner “Red” beim Quebec – St.Malo Race. © Andreas Lindlahr

Mathias Müller von Blumencron (52) hat mit seiner Crew Hans-Christoph Brumberg, Andreas Lindlahr und Volker Riechers sein erstes Trans-Atlantik Rennen absolviert. Er beendete das Rennen bei extremen Bedingungen auf Rang zehn von 20 Class 40 Yachten.

Der Hamburger, der sich 2011 nach dem Normandie Channel Race mit Boris Herrmann eine neues, schnelleres Gebrauchtboot zugelegt und prompt das  Fastnet Race nach dramatischem Flauten Finish auf Platz drei beendet hatte, zieht im Gespräch mit SR sein Fazit.

“Das war ein wahnsinnig intensives Erlebnis”, sagt der für die digitalen Produktionen zuständige Spiegel Chef. Er hat schon mehrfach den Atlantik überquert, aber nicht im Rahmen eines Rennens. “Unglaublich war diese Nässe. Sieben Tage lang immer dieses nasse Ölzeug. Da funktioniert die Atmungsaktivität nicht mehr.”

Die Crew der "Red" nach dem überstandenen Atlantik-Abenteuer in St. Malo. © Andreas Lindlahr

Die Crew der “Red” nach dem überstandenen Atlantik-Abenteuer in St. Malo. © Andreas Lindlahr

Platz zehn habe unter ihrem Leistungsvermögen gelegen, die Top 5 waren angepeilt, aber bei 90 Prozent Profis am Start habe man vielleicht doch einen Unterschied gemerkt. “Platz zehn ist verdient. Den St. Lorenz Strom haben wir nie verstanden und später puschten wir dann vielleicht doch nicht so hart, wie einige der Konkurrenz. Da sind wir doch noch mit mehr Respekt unterwegs.”

Zum Schluss hätten sie aber mehr Sicherheit beim Herausfinden der passenden Segelkombination gewonnen. Mit der Zeit habe dann auch der Speed zur Spitze besser gepasst.

31 Knoten auf der Logge

Besonders beeindruckte Blumencron eine Phase, in der sie auf Geschwindigkeiten über 30 Knoten kamen. “Wir saßen unter Deck, als die Logge 31 Knoten zeigte. Auf dem Hand GPS waren sogar 32 als Maximum verzeichnet. Ich selber habe an der Pinne 28 Knoten gesehen.”

Harte, feuchte Bedingungen beim Ritt über den Atlantik.  © Andreas Lindlahr

Harte, feuchte Bedingungen beim Ritt über den Atlantik. © Andreas Lindlahr

Bei den hohen Wellen habe die Crew viel selber gesteuert, obwohl er von der Leistung des Autopiloten begeistert ist. “Man will ja nicht in die nächste Welle rasen.” Trotz der brutalen Bedingungen hätten sie sich auf dem Schiff sehr sicher gefühlt. “Dafür sind die Class40 gemacht. Kein Zuppeln am Ruder. Volle Kontrolle im Highspeed-Bereich.” Die Wellen seien zwei Stockwerke hoch gewesen die Böen hätten 45 Knoten erreicht. “Dabei sind wir dann für  Q-Wenden statt Halsen gefahren.”

Besonders anstrengend seien die Bewegungen des Bootes gewesen. Im Raumschots-Glitsch angenehmer als bei einem bockenden Gegenan-Kurs aber dennoch alles andere als entspannend. “Man muss sich ständig festhalten. Die Beschleunigung ist enorm wie auch das Abstoppen in den Wellen. Es sind sehr harte Bewegungen.”

Beeindruckt ist Müller von Blumencron von der Leistung des Siegers Halvard Mabire, dem 56-Jährigen Franzosen, der schon zwei um-die-Welt-Rennen als Navigator mit dem französischen Segelhelden Eric Tabarly bestritt. Im Gegensatz zur Konkurrenz segelte er statt mit einer Vierer-Crew zu dritt über den Atlantik. Die Britin Miranda Merron, die seit 14 Jahren Segel-Profi ist, war als Co-Skipperin dabei, außerdem Christian Bouroullec Miteigner der “Campagne de France” sowie Gründer der Pogo Werft.

“Halvard hat seine Bahnen durchs Wasser gezogen wie ein Maler seine Linien auf der Staffelei.”

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Quebec – St.Malo: Matthias Müller von Blumencron über sein Atlantik-Abenteuer mit “Red”“

  1. avatar Wikileaks sagt:

    Sehr interessant, vor allem im Vergleich zu den anderen Erzählungen…
    …nicht nur wegen der Wellenhöhe…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 5

  2. avatar laser1982 sagt:

    Einfach Klasse!!! Respekt und Bewunderung für so eine Leistung. Dank für Eure Berichterstattung!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

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