Recycling IMOCA: Armel Tripon will mit Airbus durchstarten – Nachhaltiges Bauprojekt

Abheben mit Airbus

Armel Tripon war eine der prägernden Figuren der vergangenen Vendée Globe, steht aber ohne Boot da. Für 2024 startet er nun ein innovatives Neubau-Projekt.

Tripon nach dem Zieleinlauf bei der Vendée Globe. © Bernard Le Bars / Alea

Platz 11 war nicht das, was sich Armel Tripon von der vergangenen Vendée Globe mit seinem Neubau erhofft hatte. Probleme mit seinen Fallenschlössern kosteten ihn viel Zeit und er musste dem Feld weit hinterher segeln. Aber der charismatische Glatzkopf aus Nantes gehört dennoch zu den Gewinnern der Vendée Globe. Er zeigte, dass sein revolutionärer IMOCA mit dem voluminösen Vorschiff bestens funktioniert.

Sein Vertrauen in den Designer Sam Manuard zahlte sich aus. Das Schiff funktionierte gerade im extremen Wellengang des Southern Ocean offensichtlich besser als die anderen Neubauten. Davon ist jedenfalls der VG-Dritte Louis Burton überzeugt, der sich das Schiff für die nächste Welt-Regatta sicherte. Aktuell wird bei der Black Pepper-Werft ein Schwesterschiff gebaut. Und Manuard arbeitet mit Jérémie Beyou am Entwurf für eine neue Charal.

Armel Tripon dagegen steht bisher ohne Boot da. Er durfte seinen IMOCA nicht behalten, weil der Sponsor-Vertrag auslief. Aber nun will er wieder angreifen. Und das erneut mit einem aufsehenerregenden Projekt. Der 46-Jährige hat eine Partnerschaft mit dem weltweit größten Flugzeug-Hersteller Airbus vereinbart, die zum nachhaltigeren Bau eines neuen IMOCA führen kann. 2023 soll der 60-Fußer fertig sein, mit dem Tripon ein Jahr später die Vendée Globe bestreiten will.

Armel Tripon in Aktion mit seinem Plattbug-Foiler in schwerer See. © Pierre BOURAS / L’Occitane en Provence

Airbus ist im Spiel, weil die Yacht aus wiederverwerteter Kohlefaser und Resten von Verbundwerkstoffen entstehen soll. Die Flugzeugbauer arbeiten verstärkt an Techniken, den Kunststoffen ein zweites Leben zu verleihen. Es geht darum, ausgedientes, gebrauchtes Kohlefaser-Material aufzuwerten und die ursprünglichen mechanischen Eigenschaften zu erhalten. Airbus sieht das Projekt als Gelegenheit, sich nachhaltig in den Segelsport einzubringen und ihn als Geschäftsfeld zu erschließen.

CO2-Fußabdruck verkleinern

Das Thema hat hohe Relevanz, weil sich die Yacht-Branche gerne als ökologisch fortschrittlich verkauft, der CO2-Fußabdruck beim Bootsbau aber immer noch relativ groß ist. Zuletzt stand plötzlich sogar Boris Herrmann beim Greta-Törn über den Atlantik in der Kritik, weil sein Schiff nicht wirklich emissonsfrei entstanden sei.

Das ist allen Hochseeseglern bewusst. Die IMOCA-Klassenvereinigung will deshalb eine Vorreiterrolle bei der Einführung von mehr Nachhaltigkeit im Bootsbau einnehmen und deshalb diesen Aspekt in ihren neuen Regeln verankert. Demnach wird neuerdings etwa die Verwendung von Materialien aus biologischem Anbau für nicht strukturelle Bauteile durch Gewichtersparnis belohnt. Außerdem muss mindestens ein Segel (von acht) an Bord sein, das aus alternativen Materialien hergestellt ist und recycelt werden kann.

Armel Tripon macht sich mit einer Komplett-Rasur hübsch für das Finale. © Armel Tripon / L’Occitane en Provence

Kritikern geht diese Entwicklung längst nicht weit genug. Denn besonders das Problem des hohen Kohlefaseranteils im Bootsrumpf wird nicht gelöst. Auf diesem Gebiet will Tripon mit Airbus weiterkommen. Offenbar sieht er eine Möglichkeit, auch aus Recycling-Material einen konkurrenzfähigen IMOCA bauen zu können. Mit im Boot sitzt das erfolgreiche Designbüro VPLP, das etwa “Charal” und “Hugo Boss” gezeichnet hat.

Der IMOCA-Klassenpräsident Antoine Mermod sagt zu dazu: “Die IMOCA-Klasse ist sehr stolz über die Ankündigung dieser Partnerschaft. Armel Tripon ist einer der innovativsten Skipper der IMOCA-Klasse, und Airbus ist ein globaler, technologischer Vorreiter. Die Verkleinerung

Macht wohl alles richtig Laune – Armel Tripon auf seiner “Occitane” © classe imoca/occitane

des CO2-Fußabdrucks bei unseren Projekten ist eine Priorität für die kommenden Jahre. Das ist ein wichtiger Schritt, um diesen Prozess in Gang zu setzen.”

Es gibt nur ein kleines Problem. Armel Tripon hat noch keinen Geldgeber für einen Neubau gefunden. Er hofft darauf, dass ihm der innovative Ansatz dabei hilft, seine nächste Teilnahme bei der Vendée Globe zu sichern.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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