Retro Whitbread Race: Neues, altes Rennen um die Welt – Musik vom Kassettenrekorder

Kampagne im Wert eines IMOCA Foils

Nach dem Erfolg des Golden Globe Race will der Veranstalter auch das 50. Jubiläum des Whitbread Round The World Races mit einer Retro-Veranstaltung feiern. Möglicherweise hat er einen Trend entdeckt.

Wo sind bloß die guten alten Zeiten geblieben? Diese Frage stellt sich immer häufiger auch im Segelsport. Und das hat insbesondere mit der rasanten, aktuellen technischen Entwicklung zu tun, die das Segeln radikal verändert. Heutzutage wird im Spitzenbereich mehr über als auf dem Wasser gesegelt, aber besonders die ältere Generation hat manchmal Schwierigkeiten, dem Highspeed-Segeln etwas abzugewinnen.

Volvo Ocean Race

Mit der “Flyer I” gewann van Rietschoten die zweite Ausgabe des Whitbread-Races © Luitweiler

Das scheint einer der Hauptgründe dafür zu sein, dass der Sport immer mehr von einer Retro-Bewegung erfasst wird. Die älteren Segler besinnen sich auf ihre Anfänge, geben der Masters-Szene einen Schub, wo im Laser oder Finn Dinghy Rekord-Meldezahlen erreicht werden. Die jüngste Entwicklung setzt sich zum Beispiel in der OK-Jolle fort.

Wie beim Golden Globe Race

Auf der Hochsee-Ebene entsprach das Golden Globe Race diesem Trend. Initiator Don McIntyre war überwältigt von den Zuspruch, den sein Einhand-Rennen um die Welt zum  50. Jubiläum der gleichnamigen Regatta, die nur vom legendären Robin Knox-Johnston beendet und damit gewonnen worden war.

18 Teilnehmer aus 13 verschiedenen Nationen erschienen mit ihrem Retro-Material – Langkieler zwischen 32 und 36 Fuß, konstruiert vor mindestens 30 Jahren – am 1. Juli 2018 an der Startlinie, und nur fünf kamen ohne Stopp durch.

Nun glaubt McIntyre das Ganze auch eine Nummer größer machen zu können. 2023 zum 50. Jahrestages des ersten Whitbread Round the World Races, will er nach bewährtem Golden-Globe-Muster die alten Hochseeyachten wieder an den Start bringen. Es soll im Vergleich zu aktuellen Projekten mit Mini-Budgets zu bewältigen sein.

27000 Meilen

Der Kurs folgt der ursprünglichen Clipper-Schifffahrtsroute um den Globus, genau wie das Whitbread Race 1973. Er verläuft in vier Etappen von Europa nach Afrika und weiter nach Australasien, dann zurück über einen südamerikanischen Hafen: 27.000 Meilen werden zusammenkommen und es ist eine Zeit von sieben Monaten veranschlagt.

Die grobe Planung des Kurses. Die Etappenhäfen stehen noch nicht.

Die Retro-Regeln sehen Bootsmaterial vor das den Yachten ähnelt, die beim ersten Whitbread gesegelt sind. Und die Technologie an Bord ist auf den Entwicklusstand beschränkt, der den Pionieren 1973 zur Verfügung stand.

High-Tech-Materialien, Computer, Satellitensysteme (einschließlich Telefone und GPS) oder Mobiltelefone sind nicht erlaubt. Die Navigation beschränkt sich auf Sextantenplots auf Papierkarten, die Kommunikation über SSB- und UKW-Radios und Musik darf nur auf Kassettenrekordern abgespielt werden.

Rennen für “normale Segler”

Die erlaubten Yachttypen beschränken sich auf 47 bis 66 Fuß große Kunststoff-Designs, die vor 1988 entwickelt wurden. Dabei gibt es zwei Klassen: ADVENTURE (47 bis 56 Fuß) und SAYULA (56-66 Fuß). Darüber hinaus bilden die original Teilnehmer der ersten drei Whitbread Races (1973-74, 1977-78 und 1981-82) bis 68ft eine dritte FLYER-Klasse. Die Flotte ist auf maximal 30 Yachten begrenzt.

© PPL Media

McIntyre definiert sein Ziel so: “Zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten haben normale Segler und Yachteigner die Möglichkeit, ein Rennen um die Welt auf erschwingliche, sichere und unterhaltsame Weise zu erleben. Man muss kein Spitzensportler sein und braucht auch kein großes Support-Team.”

Zum nötigen Budget sagt er: “Die Kosten betragen nicht mehr, als man für ein einziges Foil bei einem modernen IMOCA 60 ausgibt.” So viele Segler träumen davon, den Globus zu umkreisen und um Kap Hoorn herum zu fahren. Das Ocean Globe Race macht diese Ambitionen nun wieder möglich.”

Begrenztes Budget

Damit es nicht alleine ein Altmänner-Revival wird sehen die Regeln vor, jeweils mindestens eine Frau und einen Youngster unter 24 Jahren in die Crew zu integrieren.

“Das Golden Globe Race war ein großer Erfolg und es hat sich eine große leidenschaftliche Fangemeinde auf der ganzen Welt gebildet”, sagt McIntyre. “Das Rennen hat alles erreicht, was wir mit einem sehr begrenzten Budget erreichen wollten. Wir haben wichtige Dinge gelernt, was funktioniert und warum. Jetzt gibt es eine einzigartige Formel, die einen starken Unterschied zu jeder anderen Veranstaltung darstellt.”

Das Ocean Globe Race 2023 wird unter der Schirmherrschaft des Royal Nomuka Yacht Club im Königreich Tonga durchgeführt und  von McIntyre Adventure Ltd. übernommen. Weitere Einzelheiten zu den Start-/Ziel- und Zwischenhäfen sollen Ende 2020 feststehen. Bewerbungen für eine Ausschreibung sind ab dem 10. September 2019 möglich.

NOR Ocean Globe Race

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Carsten Kemmling

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