Riechers Vendée Globe Bilanz: Rekorde durch bessere Autopiloten

Gründe für die Leistungsexplosion

Das aktuelle Vendée Globe Regatta ist so gut wie zuende. Nur Alessandro Di Benedetto hat noch gut 400 Meilen zu absolvieren. Mare-Pilot Jörg Riechers erklärt, welche Veränderungen diese Auflage der Um-die-Welt Regatta gebracht hat.

Jörg Riechers

Jörg Riechers © Pierrick Garenne / GPO

Am Auffallensten ist die Leistungsexplosion der Spitzengruppe. Obwohl der Kurs durch die vielen Eisgates deutlich länger geworden ist, haben die ersten beiden Boote den alten Rekord um 6 Tage verbessert!

Woran liegt das? Sind die Boote so viel schneller geworden?

Natürlich nimmt der Speed der neuen Boote bei jeder neuen Ausgabe des Vendée Globe ein wenig ein wenig zu. Aber nicht so viel, dass die Leistungsexplosion damit erklärt werden könnte. Der Grund ist vielmehr beim Equipment der Boote und bei den Skippern zu suchen.

Die Autopiloten haben sich extem weiterentwickelt und geben den Seglern die Möglichkeit, die Boote viel näher am Limit zu segeln als in der Vergangenheit.

Als Francois Gabart den 24 Stunden Rekord knackte, hat er die meiste Zeit in seiner Koje verbracht. Es war der einzige Platz an Bord, wo er gefahrlos leben konnte. An Deck war es zu kalt und sehr gefährlich durch die Wellen, die über dem Boot brachen. Und unter Deck galt es für ihn einen Platz zu finden wo er sich gut verkeilen konnte, um nicht irgendwo gegen geschleudert zu werden. Im Endeffekt hat der Autopilot einen großen Anteil an dem Rekord.

Gewissenhafte Profis, harte Arbeiter

Weiterhin hat sich das Profil der Top Skipper geändert. Segler wie Francois Gabart und Armel Le Cleach sind gewissenhafte Profis und harte Arbeiter, die ohne Pause segeln. Wenn ihre Open 60s überarbeitet werden, segeln sie zum Beispiel in der Figaro Klasse, um genügend Stunden auf dem Wasser zu haben.

Sie entwickeln ihre Boote konsequent weiter, kennnen genau die Limits der Boote und sind in der Lange alle Manöver auch bei viel Wind perfekt auszuführen. Das führt dazu, dass sie nicht nur extrem schnell unterwegs sind sondern auch sehr schonend mit den Booten umgehen. Bei ihnen entstehen keine Schäden durch katastrophal schief gelaufenen Manöver.

Ein weiterer Punkt der die Leistungssteigerung möglicht macht, ist die Weiterentwicklung der Segel sowohl im Bereich des Designs als auch in der Haltbarkeit. In den vorangegangenen Editionen haben die Skipper immer mit den Segeln zu kämpfen gehabt. Zum Ende des Rennens fingen sie an sich aufzulösen. Diesmal gab es diese Probleme überhaupt nicht.

Was können wir im Team Mare jetzt von diesem Rennen lernen?

Sehr ermutigend ist für uns die Tatsache, dass der Set Up unseres Mare Racing Teams dem der Vendee Globe Spitzenteams sehr ähnlich ist. Auch wir segeln nahezu Non Stop in verschiedenen Bootsklassen und werden das auch noch so beibehalten. Für uns ist die Weiterentwicklung der Boote eine der Prioritäten. Insofern sind wir glaube ich sehr gut aufgestellt.

Zum Ende des Vendee Globe kam noch einmal ein Schwachpunkt der Klasse IMOCA zum Vorschein, die Kiele. Drei gebrochene Kiel sind einfach zu viel und kein Skipper, den ich kenne, ist mehr bereit dieses Vabanque Spiel weiter mitzumachen. Deshalb ist es glaube ich so gut wie sicher, dass der Einheitskiel eingeführt wird.

Im Endeffekt werden alle gewinnen – Okay, die Boote mögen ein wenig Performance verlieren, das ist aber nicht weiter dramatisch da es ja für alle gleich ist. Aber die Skipper können die Boot härter segeln und müssen nicht ständig in Angst leben, den Kiel zu verlieren.

Jörg

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Ein Kommentar „Riechers Vendée Globe Bilanz: Rekorde durch bessere Autopiloten“

  1. avatar Markus sagt:

    Danke, auf eine Erkaerung der Leistungen habe ich als Landratte schon laenger gewartet.
    Die Software fuer die Routenfindung ist sicherlich auch deutlich besser geworden in den letzten Jahren.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

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