Rio Pre-Olympics: Zwei sechste Plätze im 49er – Buhl und 470er nicht in Fahrt

"Bitter Battle"

Die deutsche Nationalmannschaft hat bei den Pre-Olympics in Rio noch nicht glänzen können. Zwei sechste Plätze in den beiden Skiff-Klassen können sich aber sehen lassen.

Bei der Aquece Rio International Sailing Regatta 2014, dem offiziellen Testevent auf dem neuen Olympiarevier, sollte es erstmals nicht nur um die Verschmutzung in der Bucht vor Rio gehen sondern auch um Ergebnisse.

Aber die ersten Schlagzeilen machte wieder einmal die Müll-Belastung. So verlor das österreichische 49er-Duo Nico Delle Karth/Niko Resch einen sicher geglaubten Sieg als sich Plastiksäcke und Äste am Schwert und Ruder verfingen. Von den übrigen Kursen wurden ähnliche Vorfälle berichtet. Das Müll-Problem von Rio ist längst nicht gelöst und wird sich wohl auch schwer lösen lassen. Allerdings scheint ein viel diskutierter Umzug in eine andere Bucht vom Tisch. Schließlich haben sich in fast allen Klassen die Favoriten durchgesetzt. Die Spielfelder scheinen immerhin fair zu sein.

Viel Strömung, starke Dreher

Die Rennen wurden auf fünf verschiedenen Bahnen absolviert, die extrem unterschiedliche Bedingungen aufwiesen. So herrschten auf den Außenbahnen teilweise sehr hohen Wellen und einer sehr schwierigen oft quer laufenden Dünung. Für 49er und Nacra 17 sind diese Vorgaben möglicherweise zu extrem.

Die Innenbahnen dagegen präsentierten sich mit oft unberechenbaren Winddrehungen, Flachwasser und starken Strömungen. Die potenziellen Olympiasieger 2016 werden ihr gesamtes Repertoire aufbieten müssen. Ein reines Leichtwindrevier ist Rio offenbar nicht. 7 bis 12 Knoten sollen vorherrschen.

Problematisch sind die langen Anfahrtswege zu den Außenbahnen. Die Tage sind zu dieser Jahreszeit in Rio sehr kurz. Die Sonne geht schon um 17:30 Uhr unter, und da die Thermik oft erst um 13 Uhr einsetzt, ist das Zeitfenster für ein Rennen relativ klein.

Kollision im ersten Rennen

Die Europameister Erik Heil und Thomas Plößel segelten im 19 Boote Feld der 49er auf Rang sechs und sagen dazu: “Ganz Okay wenn auch nicht gerade extrem zufrieden. Aber ist ja auch nur ein Test Event. Wir haben ja noch zwei Jahre”.

Nach einer unverschuldeten Kollision im ersten Rennen, bei dem eine Saling beschädigt wurde, sind die aktuellen Topstars im deutschen Segelsport mit einer Wiedergutmachung in die ersten beiden Läufe gestartet. Danach segelten sie  konstant im Vorderfeld.

Die Hackordnung an der Spitze in dieser Klasse ist aber nach wie vor sehr starr etabliert. Die australischen Artemis America’s Cup Segler Outteridge/Jensen und Burling/Tuke vom Team New Zealand setzten ihren Zweikampf an der Spitze fort. Erst schien es, dass Outteridge das Trainingsdefizit aufgeholt hat, aber schließlich konnten doch noch die Neuseeländer einen knappen Vorsprung wahren.

Aber die jungen Deutschen sind dran. Sie schreiben: “Ohnehin wird es immer deutlicher, dass wir in den Rennen der besten zehn immer sicherer und routinierter werden. War es zu Beginn der Saison noch ein kleines Manko, zählt es jetzt zu unseren Stärken.” Bei den drei Medalraces erreichten sie die Ergebnisse 3,8 und 2.

“Alle Impressionen und Erlebnisse dieser tollen zehn Tage haben große Lust auf mehr gemacht. Wir werden alles geben um 2016 Deutschland bei den Olympischen Spielen zu vertreten.”

Klare Hackordnung

Auf Platz sechs landeten auch Tina Lutz und Susann Beucke im Feld der 49er FX. Sie sagen: “Wir sind recht glücklich, wie es gelaufen ist. Wir haben viele neuen Erfahrungen gesammelt und viele Dinge erkannt, an denen wir noch arbeiten wollen.”

Auch in dieser Klasse sind die ersten Plätze zurzeit klar belegt. Die Brasilianerinnen und Neuseeländerinnen fochten an der Spitze ihren Zweikampf aus, in den bisher nur die starken Däninnen eingreifen können. Die Skandinavierinnen fehlten allerdings ins Rio.

Auch in den übrigen Klassen zeigte sich, dass schon zwei Jahre vor dem ernsthaften Kampf um die Medaillen die Spitzenleute ihre Hackordnung etablieren. So lagen im 470er erneut die Gold- und Silber-Gewinner von London bei den Männern und Frauen vorne.

Ebenso nahm der holländische Über-Surfer Dorian Van Rijsselberge nach längerer Pause in Abwesenheit von Toni Wilhelm wieder seinen Platz auf dem obersten Treppchen ein. Und Finn Segler Giles Scott zeigt mit einem 34 Punkte Sieg, dass er noch dominanter ist, als es Ben Ainslie war.

Buhls “verkorkste” Laser Serie

Platz für Überraschungen bleibt wohl nur in der Laser Klasse, wo Philipp Buhl nach eigenen Angaben “eine verkorkste Regattaserie” erwischte. Ein Auszug aus seinen erfrischend ehrlichen Berichten liest sich so:

“Nach langer langer Zeit, war er heute wieder gekommen, der Tag, an dem ich innerhalb von 15 min meine innere Einstellung von “ich will die Wettfahrt gewinnen” ändern musste zu “bloß nicht Letzter werden”.

Trotz verkorkster Regattaserie, war ich heute nochmal hochmotiviert, wollte gut segeln, meinen taktischen Plan umsetzen und zeigen was ich kann. Was war? Nix war! 15 min nach dem Start war ich fast Letzter, ratlos und die Motivation am Boden. Bis sich der Letzte schnell und leise näherte. Es war wieder Alarm. Der Puls ging nochmal unangenehm hoch und ich musste in die unangenehme Schlacht.

Ich hatte nichts und trotzdem stand viel auf dem Spiel. Bloß nicht Letzter werden! Am Ende half mir einer der unvorhersehbaren Strömungswirbel in der Bucht das bittere battle zu gewinnen. Kein großer Trost …Aber ein 5. Platz im letzten Rennen (sauber gesegelt), der war ein Trost.”

Gemischte Laser Ergebnisse

In der Laserklasse mischen sich allerdings die Ergebnisse der Spitzensegler durch die Materialgleichheit viel extremer als bei anderen Klassen. Das zeigt zum Beispiel das Frauen-Ergebnis. In Abwesenheit einer deutschen Starterin gelang der Dänin Anne Marie Rindom, 34. der vergangenen WM, ein Überraschungscoup als Siegerin. So hat auch Philipp Buhl nach wie vor das Potenzial, um Medaillen mitzusegeln. Wie bei der WM, als er die Bronzemedaille holte.

Sorgen müssen sich nach wie vor die 470er Segler machen. Sie haben noch viel Arbeit vor sich, wenn sie in zwei Jahren an den Medaillen schnuppern wollen. Die Plätze 15 und 17 bei den Männern im 23 Boote Feld sehen nicht gut aus. Und das Gleiche gilt auch für die Kolleginnen mit 14 und 17 bei 17 Booten. Aber es sind ja noch zwei Jahre Zeit.

Ergebnisse Aquece Rio International Sailing Regatta 2014

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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