Roland Gäbler: Noch schneller auf dem Balaton – Erste Siege mit neuem Décision 35

Duell mit dem Cup-Foiler

Der fünffache Olympiateilnehmer Roland Gäbler (54) startet wieder in Ungarn mit einer noch heißeren Rennmaschine durch. Er tritt unter anderem gegen einen America’s Cup 45 Foiler an.

Zweirumpf-Spezialist Roland Gäbler, Olympia-Bronze-Gewinner 2000 im Tornado, ist erfolgreich in eine neue spannende Saison gestartet. Seit einiger Zeit gilt er als Star in der hochwertigen ungarischen Segelszene, die insbesondere durch Langstreckenregatten auf dem Plattensee geprägt ist.

Der in Dänemark wohnende gebürtige Bremer führt das Team Black Jack, das für diese Saison von einem SL33 Katmaran zu einem Décision 35 Multi gewechselt ist – einem der schnellsten Leichtwind-Racer der Welt. Auf dem Genfer See wird damit die von Alinghi geprägte Langstrecken-Rennserie bestritten.

Im Vergleich zum zwei Fuß kürzeren SL33 hat dieser Umstieg eine Vergrößerung der Segelfläche von gleich 25 Prozent zur Folge. Die Décision 35 gelten immer noch als die besten Allrounder für die großen Binnen-Regatten und haben gerade erst wieder die Bol d’Or trotz Mega-Sturm dominiert.

Foiler als größter Gegner

Die ersten Regatten auf dem Balaton bestätigen, dass ein AC45 Katamaran der härteste Konkurrent sein wir. Einer der zum Foiling umgebauten Zweirümpfer mit Profilsegel, die im Vorfeld des America’s Cups 2017 in Bermuda bei der America’s Cup World Series eingesetzt worden waren, macht es der “Black Jack” schwer.

Roland Gäbler

Zur Belohnung ein Eis für das Black Jaxk Team mit Skipper Roland Gäbler (l.). © Team Gäbler

Der AC45 ist aber sehr abhängig  vom Wind, und bekommt bei den oft am Plattensee dominierenden leichten Winden Probleme. Also dann, wenn die Décision 35 Katamarane schnell die doppelte Windgeschwindigkeit erreichen. 

Höhepunkt der diesjährigen Saison wieder die 150 Kilometer-Regatta “Kekszalag” sein, das Blauen Band vom Balaton. Ein Segelfest der Superlative mit über 500 Yachten am Start.

Fehler, nicht zu reffen

Gäbler zieht Bilanz nach der ersten intensiven Regatta der Saison:

“Vier lange Rennen, alle in einer Woche bei unterschiedlichsten Winden. Bei 4-6 Bft ging es los. Es war der zweitgrößten Regatta auf dem Balaton mit 240 Yachten am Start. Ein böige Wind aus Nordwest haute so richtig rein.

Nach gutem Start lagen wir anfangs dicht hinter dem AC45-Foiler auf dem zweiten Platz. Der flog uns dann allerdings auf einem langen raumem Kurs auf und davon. Dabei war es auch unser Fehler, nicht zu reffen. Er führte zweimal fast zur Kenterung. Zeitweise war es nicht möglich, weiter abzufallen oder tiefer zu segeln – so stark war der Druck in den Segeln.

Nach dem ersten frontalen Stecker hatten wir auch ziemlich die Hosen voll und fuhren das Rennen einfach nur noch sicher ins Ziel. Auf Platz drei landete der zweite AC45 mit einer konventionellen Schwert- und Rigg-Konfiguration. Die weiteren Konkurrenten hatten große Probleme überhaupt heil ins Ziel zu kommen. Für uns zahlte es sich aus, seit April mit dem neuen Team bei unterschiedlichsten Bedingungen viel trainiert haben. 

 Dem grenzwertigen Rennen folgte eines bei deutlich leichterem Wind. Wir nutzen diese Chance und gingen rund 10 Minuten nach dem Start durch einen taktisch guten Schlag in Führung. Diese bauten wir konstant aus und rauschten mit dem letzten Hauch und großen Vorsprung ins Ziel. Die konventionelle AC45 kam eine Stunde später hinter in den Hafen. Die anderen fuhren sich fest in einem Flautenloch. So übernahmen wir nach 2 Renntagen auch die Gesamtführung. 

Comeback

Am Finaltag frischte der Wind wieder auf. Es ging zurück über fast den ganzen See Richtung Osten. Nach einem verpatzten Start lagen wir allerdings weit hinter der Führungsgruppe. Doch wir glaubten fest an unser Comeback in diesem langen Amwind Rennen. Meter um Meter kämpften wir uns nach vorne. Der Wind legte weiter zu und wir fanden den perfekten Trimm.

Roland Gäbler

Match Race mit dem AC45F. © Team Gäbler

Dabei kam es dann zu einem sehr anstrengenden Matchrace zwischen uns und dem AC45 F. Am Ende konnten wir sie abklemmen und die Führung zurück erobern. Mit gutem Vorsprung gingen wir ins Ziel und freuten uns über den Gesamtsieg und die Belohnung bei dieser großen Regatta. 

 Nach zwei Tagen Pause ging es mit dem Training wieder los. Das “Silberne Band” des Balaton stand auf dem Programm. Ein langes Rennen mit spätem Start um 18.00 hinein in die Nacht hinein. Das war bei den leichten Winden am Abend eine echte taktische Herausforderung.

Roland Gäbler

Duelle im Mondschein. © Team Gäbler

Und es wurden wieder enge Duelle mit den AC45 Kats. Als die Sonne unterging und wir vom Licht des Mondes abhängig waren, wurde es sehr spannend. Jeder versuchte den leichtesten Windhauch einzufangen. Nicht so einfach auf diesem großen See. Viele Manöver waren nötig um den kürzesten Weg zu finden. Doch das scheint unser Ding zu sein. Das Team harmoniert immer besser und nach acht Stunden erreichten wir das Ziel als erste weit vor den anderen. 

Hinter uns liegen nun sehr intensive und aufregenden Wochen seit April. Neues Boot, neue Teammitglieder, das alles muss alles synchronisiert werden. Doch mit vier Siegen in Folge haben wir nicht gerechnet. Das hat es noch nie in Ungarn auf dem Balaton gegeben. Ein tolles Erlebnis. 

Im Juli geht es weiter mit vielen Regatten und dem “Kekszalag”. Sie ist eine der längsten und größten Binnensee-Regatten der Welt. Und die Teilnehmer sind sehr innovativ. Jedes Jahr kommen neue schnelle Yachten mit unterschiedlichen Designs und Konzepten dazu. Die Ungarn sind sehr experimentierfreudig.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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