Route du Rhum: Armel Le Cléac’h ist mit Maxi-Trimaran “Banque Populaire IX” gekentert

Wieder kopfüber

Armel Le Cléac’h hat sich mit seinem Maxi-Trimaran “Banque Populaire IX” überschlagen. Der Vorfall soll sich um 11 Uhr ereignet haben. Der Franzose segelte in einem schweren Sturm 340 Meilen nordöstlich der Azoren.

Le Cleac’h auf seinem Unglücks-Tri. © Jeremie Lecaudey

Es ist schon wieder passiert. Armel Le Cleac’h hatte gerade erst die Folgen seines Überschlags im April 2018 mit seinem Trimaran-Foiler-Neubau ausgebügelt und war viereinhalb Monate nach der Kenterung vor Marokko wieder im Wasser. Aber nun hat er erneut seinen Tri umgeworfen.

Der brutale Sturm über dem Atlantik.

Bei Starkwind zwischen 30 und 35 Knoten mit deutlich stärkeren Böen und fünf Meter hohem Wellengang scheint der Backbord-Schwimmer gebrochen zu sein, so heißt es in ersten Meldungen vom Team. Le Cléac’h gelang es, sein Notsignal abzusetzen und mit seinem Shoreteam  zu sprechen.

Der Skipper in seiner Schaltzentrale. Die dürfte jetzt auf dem Kopf stehen. © Alexis Courcoux

Das Marine- und Rettungskoordinierungszentrum Gris Nez in Nordfrankreich hat die Leitung der Organisation der Rettung zusammen mit der Wettfahrtleitung und dem Banque Populaire-Team übernommen. Der Skipper soll in seinem Boot sicher und unverletzt sein.

Der Wettfahrtleiter Jacques Caraës erklärt, wie sich der Vorfall für ihn darstellte: “Wir erhielten um 13:23 Uhr französischer Zeit einen Anruf vom Rettungszentrum CROSS, nachdem Armel seine Notruf eingegangen war. Ronan Lucas, der  der Banque Populaire Teammanager, informierte uns, dass das Boot gekentert ist und dass Armel sich im zentralen Rumpf befindet und sicher ist. Er hat all seine Sicherheits- und Überlebensausrüstung zusammen, und wartet auf Rettung.

Er ist 450 Seemeilen von Lissabon und 320 Seemeilen von Punta Delgada entfernt, befindet sich also etwas näher an den Azoren. Für einen Hubschrauber ist die Entfernug zu groß, aber die Koordinierungsstelle für die Seenotrettung hat ein Flugzeug geschickt, um die Situation vor Ort zu überwachen. Armel ist in Ordnung und macht sich bereit, evakuiert zu werden.”

Erst im April war “Baque Pop” kopfüber gegangen und musste per Frachter nach Frangkreich gebarcht werden. © BP

Damit hat den Vendée Globe-Sieger in diesem Jahr schon das zweite Mal das Kenter-Schicksal ereilt. Aber beide Vorfälle haben offenbar nichts miteinander zu tun. Im April war der Überschlag während einer längeren Test-Ausfahrt offenbar in einer plötzlichen Böe nach einem Fehler des installierten Anti-Kentersystems passiert. Diesmal ist offenbar ein Struktur-Schaden dafür zuständig.

Das wäre dann ein ähnliches Problem, wie es Sébastien Josse auf seiner “Gitana 17” erlebt hat. Ein Rumpf ist gebrochen.

Seb Josse vor seinem gebrochenen Schwimmer. © Gitana

Möglicherweise haben diese beiden Fälle insofern miteinander zu tun, dass die Trimarane der neuesten Generation mit den untypischen harten Amwind-Bedingungen Probleme bekommen haben. Bei Josse wurde allerdings auch gemutmaßt, dass es sich um eine Kollision gehandelt haben könnte.

Es liegt aber auch der Verdacht nahe, dass Le Cleac’h ein wenig zu viel riskiert hat, um nach seinem Boxenstopp für die Reparatur eines elektrischen Ladungs-Problems die 60 Meilen Rückstand auf den führenden Gabart wieder aufzuholen.

Der Ort des Unglücks. Le Cleac’h war noch einmal in den Sturm hochgewendet.

Le Cleac’h hatte schon geäußert, dass er dadurch ein schlechtes Wetterfenster erwischt habe. Und es hörte sich als vorweggenommene Ausrede an, da der Einhandskipper kurz danach wieder auf 12 Meilen an “Macif” herangesegelt war.

Aber dann wendete er noch einmal in den Nordenzum vermeintlich stärkeren Wind. Vermutlich erwischte er aber auch einfach nicht die Spur, auf der Gabart und Joyon im Süden am schlimmsten Wind vorbei segeln können.

Route du Rhum Tracker

 

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Carsten Kemmling

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