Route du Rhum: Arnt Bruhns kämpft sich durch – Ein Helm unter Deck macht Sinn

"Schöne Grüße vom Atlantik"

Arnt Bruhns erfährt seit Sonntag die Brutalität des Atlantiks bei der Route du Rhum. Die Stürme erwischen die Class 40 besonders hart. Links und rechts neben “Iskareen” geben die Skipper auf. Bruhns hat SR von Bord ein Video geschickt.

“Hallo zusammen, der Tag bringt wenig Erkenntnisse, dafür etwas Schlaf und weitere Segelei Richtung SSW. “West is best” heißt das Motto des Tages! Ich verbringe die meiste Zeit in meiner Zentrale unter Deck. Der Autopilot steuert eh besser und genügsamer, und unten ist es trocken und etwas wärmer.

So muss es bei Alex Thomson sein, wenn er mit seinem grauen Ufo-Boot durch den Southern Ocean pflügt und die Aussenwelt nur durch seine Kuppel wahrnimmt – wahrscheinlich hat er neben seinem drehbaren Sportsitz auch noch Kameras, damit er nicht aufstehen muss.

Arnt Bruhns, Iskareen

“Iskareen” auf dem Atlantik. Sie ist die ehemalige “Nivea” von Stefan Heydenreich. © Iskareen

Ein entscheidender Unterschied ist allerdings, dass sich Alex, wenn er im Südmeer segelt, mit ziemlicher Sicherheit darauf verlassen kann, im Umkreis von ein paar hundert Seemeilen außer anderen verrückten Imocas keinen anzutreffen.

Das ist hier nicht so sehr der Fall. In den ersten Tagen hatte der AIS-Alarm noch regelmässig genervt. Aber damit ist auf einmal schlagartig Schluss. Obwohl die Ecke hier bei Fischern eigentlich ganz beliebt sein soll (augenscheinlich sind die Fanggründe gut) und es in der Vergangenheit immer wieder zu Zusammenstössen von Regttateilnehmern mit Schwarzfischern ohne AIS kam. Tolle Ausichten…

Helmpflicht unter Deck?

Dabei laufe ich weiter gegen eine brutale kurze Welle, die später am Abend zu infernalischem Lärm und derart harten Schlägen im Boot führen, dass Sachen aus ihren Taschen fliegen und ich – wenn ich nicht geistesgegenwärtig nach dem Sitz gegriffen hätte – durch die Messe geflogen wäre. Wie ich heute las, trägt Miranda Merron auf ‘Campagne de France’ deswegen unter Deck in solchen Situationen einen Helm, vielleicht nicht die schlechteste Idee.

Arnt Bruhns, Iskareen

Arnt Bruhns beim Route du Rhum Start. © Iskareen

Gerade habe ich mich entschlossen, etwas Power herauszunehmen, als draußen die Hölle losbricht: Das Pfeifen des Windes wird schlagartig lauter, das Boot rumpelt immer heftiger durch die Seen und der Wind springt schnell bis über die mittleren Dreißiger.

Aber schlagartig endet das Ganze mit einem heftigen Geprassel von Regen. Auf einmal Totenstille. Ich komme an Deck, und es weht nur ein leichtes Lüftchen. Ich nutze die Gelegenheit, das Groß herunterzunehmen und zu checken, dann geht das Theater schon wieder weiter.

Nach zwei Stunden schläft der Wind dann doch ein. Dabei warte ich eigentlich auf den prognostizierten Dreher nach West, um damit schnell nach Süden zu kommen. Ich versuche den Rest der Nacht irgendwo einen Hauch mehr Wind zu finden, doch im Ergebnis wird das zu einer großen Hin-und-Her-Fahrerei, die auf dem Tracker nette Strickmuster hinterlässt.

Lieben Gruß von Arnt.”

Bruhns in der Mitte des Class 40 Feldes.

Der Sturm zieht an der Nordwestkante von Spanien vorbei. Bruhns ist schon etwas weiter südlich.

Der Hamburger liegt im Moment auf Rang 21 von 53 gestarteten 40 Fußern. Der schnellste Profi an der Spitze segelt 440 Meilen voraus. Bruhns muss immer noch kreuzen, aber für die Passage des Hochdruck-Rückens ist er im Süden bestens positioniert.

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2 Kommentare zu „Route du Rhum: Arnt Bruhns kämpft sich durch – Ein Helm unter Deck macht Sinn“

  1. avatar Geronimo sagt:

    Arnt Bruhns ? Ist das eigentlich ein Enkel des Emder Lehrers Reinhard Bruhns, der vor 50 Jahren mit seinem 20er Jollenkreuzer “Greif” und seinen damals als waghalsig bezeichneten Lang-Fahrten auf Nord- und Ostsee Furore machte ?

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  2. avatar Bruhns sagt:

    @ Geronimo: Ja, ist er.

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