Route du Rhum: Immer mehr Skipper suchen Schutz – Die Deutschen kämpfen

In Deckung gehen

Bei der Route du Rhum bleibt den Teilnehmern nichts erspart. Der nächste Sturm kommt. Boris Herrmann hat seine Probleme, wird aber auf Platz drei geführt. Arnt Bruhns ist ein echt harter Knochen.

Boris Herrmann wird am Morgen auf Rang drei der Route du Rhum-Rangliste geführt, aber diese virtuelle Momentaufnahme wird ihn nur am Rande interessieren, denn der nächste Sturm naht. Während die ärgsten Gegner jetzt schon 400 Meilen weiter im Süden segeln, und sich Alex Thomson anschickt, seine Widersacher in Luv zu überlaufen, hat der Hamburger immer noch mit schwerem Wetter zu kämpfen.

Die Situation in der IMOCA-Flotte. Thomson sichert seine Führung, Herrmann segelt weit im Norden.

Boris Herrmann

“Hang loose”© Boris Herrmann Racing

Aber er schlägt sich bravourös, das Schiff hält offenbar und er konnte auch schon ein großes Problem mit dem J3-Vorsegel beheben. “Mit einem lauten Knall” sei die Verbindung zwischen Segel-Hals und Schiff gebrochen. “Der Furler mit dem Segel flog wie verrückt herum und wie durch ein Wunder blieb die Fock heil. Da habe ich viel Glück gehabt.” Zwei Stunden habe es gedauert, das Problem zu beheben. Aber seitdem ist Herrmann wieder auf Kurs, und versucht das beste aus dem harten Wetter zu machen.

Boris Herrmann

“Spaghetti” im Malizia Cockpit. © Boris Herrmann Racing

Wie brutal es ist, zeigt die Tatsache, dass bei den IMOCA nur noch 11 von 20 Booten Richtung Karibik unterwegs sind. Von den 53 gestarteten Class 40 sind es nur noch 24. Viele Skipper haben in französischen und spanischen Häfen Schutz gesucht, denn am Abend soll der nächste Sturm über das Feld rauschen.

Boris Herrmann

Das fest gelaschte Vorstag von Boris Herrmann. © Boris Herrmann Racing

Der kleiner Schlenker in Boris Tracking dokumentiert seinen Kampf mit dem Vorsegel

Arnt Bruhns erweist sich auf seiner “Iskareen” als harter Knochen. Er kämpft sich durch die brutalen Wellen, die sich bei 45 Knoten Böen bis zu acht Meter hoch auftürmen. Links und rechts von ihm drehen die Konkurrenten ab. Aber er hält sich wacker mit drei Reffs und der Sturmfock und wird nun schon auf Position 22 geführt. Zuletzt zeigte sein Bug aber auch Richtung spanische Küste. Die Class 40 Flotte wird die volle Wucht des nächsten Sturms zu spüren bekommen.

Freitag früh rauscht der nächste Sturm an der spanischen Küste entlang.

Iskareen macht gerade nicht viel Weg gen Westen

Viele Skipper, die das Wetter im sicheren Hafen beobachten, fragen sich, wann sie die Leinen wieder loswerfen sollen. Einige planen, sich erst am Wochenende wieder auf die Biskaya zu wagen, wenn dieses zweite große Wettersystem es zulässt. Die Wettfahrtleitung hat angesichts dieser Verzögerung schon reagiert und die Frist für die Zieleinläufe in Pointe-à-Pitre um fünf Tage bis zum 7. Dezember verlängert.

An der Spitze der Flotte hält Francis Joyon  immer noch erstaunlich gut mit François Gabart mit. Aber er befindet sich jetzt schon 118 Meilen im Kielwasser von “Macif”.
Gabart musste Schäden an den Großsegel-Latten beheben, aber der Weg zum Nordostpassat liegt nun deutlich vor den beiden Maxi Trimaranen. 

Inzwischen ist Samantha Davies auch sicher mit ihrem delaminierenden Schiff im Hafen eingetroffen. Sie erklärt: “Ich hätte generell mit einer Delamination wohl auch weitersegeln können, aber nicht wenn sich der Boden genau unter dem Cockpit bewegt, wo sich die gesamte Elektrik befindet.”

Route du Rhum Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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