Route du Rhum IMOCA: Herrmann steckt in der Flaute – Was ihm Hoffnung machen könnte

Gute Miene zum bösen Spiel

Boris Herrmann hat in der Nacht Federn gelassen. Das Feld zieht nördlich an ihm vorbei. Auch der Vorsprung von Charlie Dalin hat sich halbiert. Geht da noch etwas an der Spitze?

Diese Route du Rhum entwickelt sich für Boris Herrmann immer mehr zur Quälerei. In den vergangenen 24 Stunden war er mit einem Schnitt von unter fünf Knoten das langsamste Schiff im IMOCA-Feld und er steckt weiterhin in der Flaute. Die Türe durch Schwachwindzone, die er auf südöstlichem Kurs passieren wollte, ist längst verschlossen.

Der Rückstand zur Spitze ist auf 500 Meilen angewachsen und das Ranking führt ihn nur noch auf Platz 21. Eine nördlicher platzierte Dreiergruppe um den Italiener Giancarlo Pedote ist im Begriff vorbeizuziehen. In der Nacht habe er ein wenig Pech gehabt. Attanasio segelte kaum 30 Meilen voraus und segelte mit zehn Knoten weiter, während Malizia stehen blieb. Knapp 20 Stunden später liegen 130 Meilen zwischen den beiden.

“Ich bin ein wenig neidisch…Aber ich kann mich nicht beschweren. Es gibt Menschen in dieser Welt, die ganz andere Probleme haben. Und ich habe einen wunderschönen Sonnenaufgang ganz alleine für mich.”

Die Situation am Mittwochnachmittag. Dalin hat an der Spitze viel verloren. Herrmann (grau) liegt immer noch in der Flaute und wird vom Feld in Luv überlaufen.

Immerhin hat er eine Leidensgenossin. Samantha Davies steckt mit ihrer neuen “Initiatives – Coer” mit ihm in der Flaute. Sie war eine Zeitlang aussichtsreich in den Top Ten platziert, aber nach einem technischen Problem im Sturm ebenfalls auf den schwierigen Südkurs geraten. Die Britin wird nun auf Rang 23 geführt.

Herrmann lässt sich bei seinem Video von Bord allerdings keine schlechte Stimmung aufkommen. Er erklärt Details an seinem Boot und scheint sich mental schon mehr auf den nächsten Höhepunkt, das am 15 Januar in Alicante startende The Ocean Race, vorzubereiten. Die härtesten Stürme sind überstanden und das wichtigste Ziel, die intakte Ankunft in der Karibik, sollte erreicht werden. Dort steigt ein Überführungsteam auf und segelt nach Spanien.

Die problematische Süd-Option

Aussagen über die Leistungsfähigkeit der neuen Malizia sind noch kaum zu treffen. Sie hat sich vor der strategisch problematischen Süd-Option ordentlich geschlagen, auch wenn Herrmann durch alternative Kurse dem direkten Vergleich eher aus dem Weg zu gehen schien. Es ging offenbar eher darum, einen sicheren Kurs zu wählen, um etwa bei der Ile d’Ossant dem küstennahen Fracht- und Fischereiverkehr auszuweichen.

Samantha Davies macht bei der Route du Rhum gute Miene zum bösen Spiel. Sie liegt weit zurück. © initiatives Coeur

Die Kollegen, gerade auch die mit neuen Booten, sind das Rennen aggressiver angegangen. Gerade für die Franzosen und ihre Sponsoren spielt die Route Rhum eine deutlich gewichtigere Rolle als The Ocean Race (TOR). Andererseits wäre diese Regatta auch gut, um im direkten Vergleich Information über die Leistungsfähigkeit der gegnerischen neuen Boote zu erhalten, die beim TOR teilnehmen.

Das versucht jedenfalls Charlie Enright, der US-Skipper von 11th Hour, dem Topfavoriten beim TOR. Er interpretiert das Geschehen aus der Ferne

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Carsten Kemmling

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