Route du Rhum: ISKAREEN und das Problem mit der Wolle und der Socke

Einsatz der Spezialsoftware

Die besten IMOCAs haben die Route du Rhum beendet. Die Class40s sind noch mitten in der Hitze des Gefechts. Arnt Bruhns hat noch 1300 Meilen vor sich und schlägt sich bestens auf Rang 17 von 53 Startern. Seine jüngsten Berichte von Bord.

ISKAREEN, Route du Rhum

ISKAREEN auf Rang 17 von 53 Startern

18.11. : Tagsüber taste ich mich durch das Downwindrepertoire unserer Segel. Erst den Code 0, dann A2, nach mehreren Sonnenschüssen wieder Code 0, dann A6. Eine perfekte Einstimmung auf den Passat mit kleinen Squalls, die Richtung stimmt und der Bootspeed auch. Was will man mehr? Wolle! Die ist nämlich leider verloren gegangen; wir binden die Spis damit im unteren Teil, der sich nicht in der Socke befindet, zusammen, damit sie beim Setzen nicht vorzeitig aufgehen.

So ein Spiwechsel zieht nämlich bedauerlicherweise auch immer das Packen nach sich; Spi beim Bergen ins Vorluk, neues Segel hoch und ab in den Keller zum Packen. Wenn man alleine segelt, gibt es für schlecht gepackte Spis auch nur einen Schuldigen und man darf das Ergebnis ebenfalls selbst ausbaden….. Also besser Mühe geben. Mit Wolle eben.

Eigentlich sollte man meinen, dass auf einer doch recht übersichtlichen Yacht nichts verloren gehen sollte, aber die gelbe Wolle ist weg. Ich habe noch ein paar andere Reste, aber irgendwann wird es knapp. Nicht, dass ich nicht diverse Strippen und Bändsel mit mir führe, aber die sind gerade dafür gedacht, nicht zu zerreissen. Mal schauen.

Ansonsten viele fliegende Fische und eine Schule Kleindelfine, die augenscheinlich gerade auf der Jagd sind. Da gerade mal wieder irgendein Segelwechsel anstand, wurde aus der Photosession leider nichts.

Unser heutiges Video zeigt ein paar Impressionen von Bord.

17.11. : Kurz vor Sonnenaufgang kommt etwas Wind auf. Ich ziehe den Solent heraus und versuche, dem Schiff eine halbwegs sinnvolle Richtung zu geben – jeder Meter gen Guadeloupe ist gut, jeder Meter in den sich aufbauenden Wind ist besser.

Die Wettermodelle können hier auch nur einen Idealzustand prognostizieren, aber derzeit dreht der Wind unter jeder Wolke. Das zieht eine Menge Wenden nach sich – und die führen jeweils wieder zu viel Arbeit.

Das bedeutet: jedesmal vier Segel umstauen (zwei in der Messe, zwei an Deck, Wasserballast umlaufen lassen, Ausrüstung nach Luv schleppen (stacken). In der Class 40 darf gestackt werden und deswegen macht es auch jeder.

Fender mit Wasser füllen

Das treibt bisweilen auch Stilblüten: In St Malo wurden wir vom Vermesser befragt, ob wir aufblasbare Fender an Bord hätten. Irgendwer hat sich wohl überlegt, dass sich die Dinger super mit Wasser füllen und als Ballast einsetzen lassen können. Zwei Tage vor Abfahrt wurden sie ganz verboten…..

Mittags fahre ich die hoffentlich letzte Wende (nicht Halse…) bis Guadeloupe. Jedenfalls wenn die Wettermodelle halbwegs hinhauen. Vorerst lautet das big picture immer noch: go south. Vor uns soll sich ein Hochdruckkern etablieren. Den Nachmittag über und in die Nacht hinein laufe ich auf BB-Bug hoch am Wind und warte auf den prognostizierten Rechtsdreher.

ISKAREEN, Route du Rhum

Perspektive des fliegenden Fisches. © ISKAREEN

Das heutige Photo des Tages zeigt uns aus der Perspektive des fliegenden Fisches, der uns gerade überholt.

Hauswirtschaftliche Arbeiten

16.11. : Der Tag vergeht wie im Flug – unter A2 Spinnaker werden ordentlich Meilen gen SW gemacht. Dabei stehen heute hauswirtschaftliche Arbeiten auf dem Programm: Allerlei Taklerarbeiten, kleine Laschings und go-fasts (das sind die kleinen Details, die alles runder laufen lasen), insbesondere der Cunningham, der eigentlich hauptsächlich dazu dient, beim Reffen den neuen Hals am Mast herunterzukurbeln, braucht einen Tecnora-Mantel, der verhindert, dass in den Fallenklemmen der Originalmamntel des Tauwerks aufgefressen wird – eine Art protektiver Überzieher. Dieser muss auch beim fractional-halyard am Mast verschoben werden, da die Position nicht ganz stimmt – ein schönes Getüdel.

Gegen Abend schläft der Wind leider nach und nach ein. Was bleibt, ist eine schöne große Schwabbelwelle, die von weit entfernten Stürmen zu stammen scheint. Dadurch schlägt das Schiff wie irre, als der Spi gerade aus Schiff und Rigg einen Christo machen will, ziehe ich die Reißleine bzw den Bergeschlauch herunter. Bedauerlicherweise ändert sich an diesem Zustand auch im Laufe der Nacht nichts. Das sorgt zwar für einen ruhigen Schlaf, aber bei jedem turnusgemäßen Aufwachen für schlechte Laune.

Arnt Bruhns grübelt über seinem Routen-Programm. © ISKAREEN

Das Bild des Tages zeigt heute den Skipper beim Navigieren, der optimale Kurs wird mit Hilfe von Spezialsoftware bestimmt 🙂

Route du Rhum Tracker

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