Route du Rhum: Le Cleac’h gerettet – Samantha Davies Yacht fällt auseinander

Skipperin in Nöten

Der französische 100-Fußer-Skipper Armel Le Cleac’h hat nach der Kenterung in seinem umgedrehten Trimaran ausgeharrt, konnte es aber inzwischen verlassen. Dafür muss man sich Sorgen machen um die britische Skipperin Sam Davies.

Der viertplatzierte IMOCA-Skipper Yann Elies gibt einen Eindruck von den Bedingungen:

Armel Le Cleac’h ist von der Besatzung eines Fischerbootes gerettet worden, das von der Seenotzentrale zum Unglücksort umgeleitet worden war. Es erreichte den gekenterten Trimaran am Abend in der Dunkelheit und konnte den 41-jährigen Franzosen aufnehmen. Er befindet sich nun auf dem Weg nach Spanien.

Das Banque-Populaire-Team prüft die Optionen, wie der Trimaran geborgen werden kann. Über die Schäden ist noch nichts bekannt geworden. Sicher ist: Für Le Cleac’h ist der Klassenwechsel vom Monohull IMOCA zum großen Multihull bisher mehr als unglücklich verlaufen.

MAxi Banque Populaire

Der mächtige Trimaran “Banque Populaire” als er noch aufrecht segelte. © BP

Sorgen muss man sich auch um die in Frankreich ansässige britische Solo-Skipper Samantha Davies machen, die ehemalige Skipperin der Volvo Ocean Race Frauen-Crew SCA.

Die 44-Jährige, die bei der Vendée Globe 2008 auf einen durch viele Ausfälle begünstigten, aber beachtlichen Rang vier gesegelt war, hat diesmal mit “Initiatives Coeur” eine wirklich konkurrenzfähige IMOCA zur Verfügung. Sie wurde von Jérémy Beyou – inzwischen auf “Charal” umgestiegen –  für die vergangene Vendée Globe nachträglich mit Foils ausgerüstet und auf Rang drei gesegelt. Davies Team modifizierte das acht Jahre alte Boot weiter massiv und glänzte bei drei Einhand-Vorregatten in diesem Jahr mit den Plätzen 2/1/2. 

Davies bei der Arbeit. © Initiatives Coeur

Bei dieser Route du Rhum wollte sie richtig angreifen, segelte lange Zeit Bord an Bord mit Boris Herrmann, lag zeitweise auf Rang sechs und ist nun raus. Davies hat ihrem Team mitgeteilt, dass ihr Rumpf Geräusche mache. Bei einer näheren Untersuchung stellte sie fest, dass sich der Boden verformte. Offenbar ist er dabei, sich zu delaminieren.

Nach Rücksprache mit den Technikern erhärtete sich der Verdacht, dass die Delamination durch den harten Wellengang im Golf von Biskaya verursacht worden ist. Davies ist nun umgedreht Richtung Frankreich und hofft, dass ihr Schiff nicht weiter auseinander fällt.

Sam Davies

Sam Davies mit ihrem Foiler. © Vincent Curutchet

Zuvor hatte die Britin in einem Interview die erfolgreichen Werft-Arbeiten für das neue Speed-Potenzial ihres alten Schiffes verantwortlich gemacht, bei dem es viel Gewicht verloren hatte. Ob der Schaden damit zu tun hat? Wurde zu sehr an der Struktur “gehobelt”? Nur das Team wird es wissen.

Sicher ist, dass die IMOCAs wie auch die großen Trimarane nicht für die harten Amwind-Bedingungen im Atlantik gemacht sind. Normalerweise haben sie auf der Um-die-Welt-Route genug Platz, um solchen Wettersystemen mit dem entsprechenden Seegang auszuweichen. Aber kurz nach dem Start der Route du Rhum waren alle Wege versperrt.

Die Bedingungen für die Route du Rhum Flotte sehen immer noch angsteinflößend aus. Aber ihr Weg an der portugiesischen Küste entlang führt bald zu Rückenwind.

Nun verzeichnen schon neun von 20 IMOCAs Probleme, sind ausgefallen oder steuern einen Reparatur-Hafen an. Fabrice Amedeo segelt nach einem Bruch am Bugspriet  genauso Richtung Küste wie Yannick Bestaven mit einem Schaden an der Mastspur, die ihn das Großsegel nicht mehr reffen lässt.

Boris Herrmann kommt bisher gut zurecht mit den harten Bedingungen. Er wird auf Rang fünf geführt mit 150 Meilen Rückstand auf die Führungsgruppe, es ist aber noch nicht klar, wie sich seine nördliche Position auswirkt. Im Moment versucht die Flotte gerade eher nach Süden zu kommen, und wenn das der schnellere Weg ist, liegt “Malizia” nicht so gut positioniert.

Die Situation im Feld der IMOCA. Herrman segelt nördlich vom Feld.

Aber Alex Thomson ist mit seiner “Hugo Boss” auch nördlich unterwegs, und ihm hat es bisher nicht geschadet. Die virtuelle Führung beträgt gut 70 Meilen. Aber er versucht nun mit einem südlichen Kurs, Paul Meilhat und Vincent Riou abzufangen. Es ist noch nicht klar, welche Strategie aufgeht.

Blaue Flecken für Thomson

Thomson hat allerdings wieder einmal mit seiner Strategie überrascht, als er als einziger Skipper einen Kurs so weit nördlich vom Feld einschlug. Normalerweise ist ein solches Risiko unnötig, wenn man ein überlegenes Boot hat. Und nach dem Ausfall von “Charal” wie auch Louis Burton mit der ex “Banque Populaire”, dem Vendée-Sieger, ist Hugo Boss wohl der schnellste IMOCA im Feld.

Aber das konnte der Brite vorher nicht wissen. Außerdem ist Vincent Riou kaum langsamer bei Foiling-Bedingungen. Und so erklärt Thomson in seiner jüngsten Übertragung klar, dass die Seperation nicht unbedingt geplant war.

Die Satelliten-Kommunikationsanlage am Heck sei ausgefallen, und deshalb habe er keine Informationen über Gegner und Wetter gehabt. “Mir war nicht bewusst, dass mir keines der anderen Boote folgte, und ich mache mir einige Sorgen über den großen Querabstand.”

Er habe paar kleine blaue Flecken abbekommen in dem bockenden Boot, aber nun seien die Bedingungen besser geworden bei 18-20 Knoten Wind. Er soll aber wieder auf mehr als 30 Knoten zunehmen und in Böen vielleicht sogar 50 erreichen. Es gebe noch viel Arbeit in den nächsten Stunden.

Der Hamburger Arnt Bruhns ist mit seiner “Iskareen” bisher sicher und solide durch den Sturm gekommen. Der Rückstand zu den besten Profis der Class 40 wuchs zwar auf 280 Meilen, aber seine Härte lohnt sich. Er wird schon auf Rang 30 geführt.

Die Leistung wird deutlich, wenn man bedenkt, dass nur noch 34 von 53 Yachten in der Wertung sind, die keinen Hafen angelaufen oder Schäden zu verzeichnen haben. Ausfall Nummer 20 könnte der bisher zwölftplatzierte Louis Duc Carac sein, dessen Bug ebenfalls verdächtig weit Richtung Frankreich zeigt.

Route du Rhum Tracker

 

 

 

 

 

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Route du Rhum: Le Cleac’h gerettet – Samantha Davies Yacht fällt auseinander“

  1. avatar Johannes Bahnsen sagt:

    Was ist da bei Boris los? aktuell eiert er mit 4.9 kn in Richtung Start zurück… :-/

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    • avatar Felix sagt:

      Frage mich auch was er da macht. Scheinbar ein technisches Problem. Hoffentlich ist es lösbar. Mittlerweile ist er zumindest wieder halbwegs auf Kurs, allerdings immernoch extrem langsam. Dabei war sein Position wirklich sehr vielversprechend.

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  2. avatar Felix sagt:

    Schaut wirklich schlecht aus… allerdings kann es nichts so dramatisches wie ein Mastbruch o.ä. sein da er wieder mit 10 kt. Unterwegs ist. Allerdings mit merkwürdigen Richtungswechseln möglicherweise wieder Probleme mit dem Lazyjack….hatte er ja schon gestern Abend, Alex Thomson ist ebenfalls Eins gerissen.

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