Route du Rhum: Noch ein Überschlag. Vier Tage warten im Schiff – Banque Pop im Schlepp

Die Bruchpiloten

Die Multihull-Skipper haben bei der Route du Rhum kein leichtes Leben. Der nächste Skipper wartet im durchgekenterten Tri auf Rettung, und die Bergung der 12 Millionen teuren “Banque Populaire” bereitet große Probleme.

Nach dem Erreichen der  Passatwinde bei der Route du Rhum sollte der Rest des Weges bis in die Karibik für die Einhand-Skipper eigentlich deutlich einfacher sein.  Aber nun ist ein weiterer Trimaran-Spezialist zum Bruchpiloten geworden. Am Morgen berichtete die Rennleitung, dass einer der erfahrensten und erfolgreichsten Skipper dieser Regatta in einem heftigen Sturm etwa 1.000 Seemeilen östlich von Guadeloupe gekentert ist.

Lalou Roucayrol (54) wartet im drchgekenterten 50 Fuß Tri auf Rettung. © Arkema

Lalou Roucayrol wurde auf seinem Multi50-Trimaran “Arkema” von einer plötzlichen Böe überrascht. Um 6:30 Uhr (UTC) überschlug sich der 54-Jährige, der zuvor bei der Route du Rhum schon dreimal auf dem Treppchen stand. Roucayrol konnte sich in den Hauptrumpf flüchten und wartet nun auf die Umsetzung eines Rettungsplans.

“Arkema” war Top-Favorit in der 50 Fuß Klasse. © Arkema

Roucayrol war Favorit und früher Spitzenreiter in der Multi50-Klasse, die mit sechs Trimaranen an den Start gegangen ist. Am Kap Finisterre hatte er einen soliden Vorsprung von 40 Meilen erarbeitet, aber dann musste er nach gut 40 Stunden in Porto einen Reparatur-Stopp einlegen. Erst nach einem Tag kam er wieder los. Zuletzt hatte er sogar wieder gute Chancen, doch noch Rang zwei zu erobern, aber das ist nun vorbei.

Marie-Astrid Parendeau, die Sprecherin des Team Arkema, sagte, Roucayrol habe vier Stunden damit verbracht, das Rigg vom Boot zu schneiden. Dabei musste er im Wasser schwimmen. Aber er erreichte, dass der Rumpf durch den Mast nicht beschädigt wurde. Außerdem konnte Roucayrol eines der Segel retten. Er ist nun wieder sicher an Bord und hat genug Essen für drei oder vier Tage und Wasser für zehn Tage.

Ein Frachtschiff ist zu seiner Position umgeleitet worden, aber Roucayrol hat deutlich gemacht, dass er nicht gerettet werden will. Er bleibt in seinem Boot, bis ihn sein Team mit einem in Martinque gecharterten Schlepper ihn in vier Tagen erreicht.

“Banque Populaire” schwer beschädigt

Wie schnell das gehen kann, hat Armel Le Cleac’h bei dem Überschlag mit seinem 30-Meter-Maxi erfahren. Und seine Probleme sind längst noch nicht gelöst. Französische Medien berichten, dass sich die Bergung des auf einen Wert von 12 Millionen Euro geschätzten Trimarans sehr schwierig gestaltet.

Der Ort des Unglücks

Bei der Kenterung im April war der Schlepp nach Casablanca und der Frachter-Transport nach Lorient noch einigermaßen glimpflich verlaufen, diesmal häufen sich aber die Probleme. Das liegt an dem Ort des Unglücks zwischen den Azoren und Portugal gut 430 Meilen vom nächsten Land entfernt und an der schweren See, die von heftigen Stürmen im Nordatlantik aufgeworfen wird. 

Unabhängig von den Schäden, die der Seegang bei dem gekenterten Schiff verursacht, war es nicht einfach, einen geeigneten Schlepper zu finden.  Zwei Versuche mussten schon abgebrochen werden. Aber der Skipper hat inzwischen preisgegeben, dass wohl der Backbord-Rumpf gebrochen ist. Er gibt zu Protokoll: “Im Moment der Kenterung habe ich gesehen, wie sich der Lee-Schwimmer vom Boot löst. Da muss etwas passiert sein, ich weiß aber nicht was.”

Kopfüber geschleppt

Nun hängt “Banque Populaire XI” doch noch am Haken, aber der Tri soll sich in einem sehr schlechten Zustand befinden. Und es wird nicht besser, denn die Wellenhöhe nimmt weiter zu. Das Schiff kann kopfüber nur ganz langsam geschleppt werden.

Den Multi treiben zu lassen, ist keine Option. Er muss als Hindernis beseitigt werden. Außerdem spricht laut Team-Direktor Ronan Lucas die Regel dagegen, dass jemand, der einen Havaristen birgt, 30 Prozent des Wertes beanspruchen kann. Es sieht jedenfalls so aus, dass Armel Le Cleac’h seinen Maxi nicht so schnell wieder zur Verfügung haben wird, wie nach dem vergangenen Überschlag.

Da ist es Sebastien Josse dann doch besser ergangen. Der Schaden an seinem Trimaran sieht zwar extrem aus, aber er konnte sein Schiff erst sicher in den spanischen Nothafen La Coruna bringen und ist jetzt auch schon wieder in Lorient angekommen.

“Gitana17” ist in Lorient angekommen mit den zerstörten Steuerbord-Schwimmer. © Gitana

Die Reparatur sollte nicht so dramatisch ausfallen. Allerdings dürfte es für den Skipper erschreckend sein, dass solch ein Schaden passieren kann. Dem Hochsee-Einsatz dieser neuartigen Maxi-Foiler sind dann doch mehr Grenzen gesetzt, als es die Konstrukteure wahrhaben mögen. Schließlich sind auch auf der mit Tragflächen nachgerüsteten “Macif” von Francois Gabart  gleich Ruder- und Schwert-Foil abgerissen. Das war der Grund für die Niederlage gegen Joyon.

Thomas Coville immerhin hat sich nach der Reparatur des Schadens an seinem vorderen Beam wieder zurück auf die Rennstrecke begeben. Gut 2700 Meilen liegen noch vor ihm auf dem Weg in die Karibik. Ihm gelang es aber schon Romain Pilliard mit seinem Vintage-Ultim (ex “Castorama/B&Q” von Ellen Mac Arthur) zu überholen.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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