Route du Rhum: Paralympics-Sieger Damien Seguin segelt einhand auf Rang sechs

Meisterstück mit Handicap

Der dreimalige französische Paralympics-Medaillengewinner Damien Seguin (39), der nach einem Geburtsfehler ohne linke Hand aufgewachsen ist, gewinnt das Rennen der alten IMOCAs.

Damien Seguin segelt mit seinem 10 Jahre alten IMOCA auf Rang sechs bei der RdR. © Melleghem / Groupe Apicil

Damien Seguin ist hierzulande als großer Gegenspieler von Heiko Kröger in der Paralympics-Szene bekann. Der 39-jährige Franzose holte bei den Behinderten-Spielen zwei Gold- und eine Silbermedaille in der Klasse 2.4mR. Dabei gibt es eine wenig rühmliche Episode in seiner Karriere, als er beim Betrug erwischt wurde.

Damien Seguin holt in Rio Paralympics-Gold. © Richard Langdon / World Sailing

Aber diese Geschichte liegt nun zwölf Jahre zurück. Längst hat der Franzose bewiesen, dass er auch legal ganz vorne segeln kann. Noch beeindruckender: Er geht dem Beruf des Hochsee-Profis nach. Und das nicht etwa in einer Position in einer Crew, bei der es auf die fehlende Hand nicht so sehr ankäme – als Taktiker oder Navigator – sondern alleine auf einer Yacht, wo man gar nicht genug Hände haben kann. Und im Wettbewerb mit den Besten der Zunft, auf den größten Einrumpf-Yachten, den IMOCAs.

Damien Segui

Damien Seguin in Einhand-Pose. © Alexis Courcoux /RdR

Bei dieser Route du Rhum schaffte er sein Meisterstück. Er segelte nicht nur auf einen starken sechsten Platz unter 20 Startern nur einen Tag und 15 Stunden hinter Boris Herrmann. Er gewann auch den Dreikampf um Platz eins in der inoffiziellen Wertung der Konstruktionen älteren Semesters.

Seguins “Groupe APICIL” hat schon zehn Jahre auf dem Buckel wie auch die “Time for Oceans” von Stéphane Le Diraison und “Fabrique” des Schweizer Alain Roura (11 Jahre). Mit beiden lieferte er sich einen verbissenen Wettkampf auf Augenhöhe und siegte schließlich souverän.

Damit bestätigte er den letztjährigen vielbeachteten Sieg bei der Tour de France à la voile für das Team FDJ bananes de Martinique et de Guadeloupe. Seguin steuerte den Diam24-Trimaran, der jeweils zu dritt gesegelt wird.

Kindheitserinnerungen

Seguin wurde in den französischen Alpen geboren und konnte eigentlich nicht weiter vom Wasser entfernt sein. Aber seine Kindheit verlebte er auf Guadeloupe. Und so birgt gerade die Route du Rhum viele entscheidende Kindheitserinnerungen. Schon als 10-Jähriger stand er auf dem Dock in Pointe-à-Pitre und begrüßte die transatlantischen Einhandsegler. Dort entstand der Traum, selber einmal diese Leistung zu bewältigen.

Er schaffte es schon in der Class40 als er 2010 und 2014 je achter und zehnter wurde. Nun krönte er die Anstrengungen mit dem IMOCA-Erfolg. Dabei ist sein 60-Fußer, mit dem Eric Bellion die vergangene Vendée Globe segelte, nahezu identisch mit den Schiffen der direkten Konkurrenz. Nur den Grinder ließ er für seine Zwecke modifizieren.

Ziel mit Rum in Guadeloupe. Schon 2010 erreichte Seguin die RdR-Ziellinine seiner zweiten Heimat. © RdR

Vor dem Start hatte der Franzose betont, dass diese Regatta nur ein weiterer Schritt der Vorbereitung für die Vendée in zwei Jahren sei. Aber sein Ergebnis zeigt, dass er mit dem für ihn neuen Schiff schon jetzt höchst wettbewerbsfähig segeln kann.

Französischer Opti-Meister

Gut 30 Jahre ist es her, dass er seine Eltern überredete, ihn zu einem Optimisten-Kurs anzumelden. Schon vier Jahre später gewann er dann die französische Meisterschaft im Optimisten. Schon damals eine herausragende Leistung.

Heute lebt Seguin mit seiner Frau Tifann und zwei Söhnen in der bretomischen Gemeinde Guérande. Er hat ein Team um sich versammelt, aus dem besonders Altmeister Jean le Cam heraus ragt. Ihm zollt Seguin den größten Respekt. Le Cam habe ihm geduldig die wichtigsten Handgriffe für die große Rennmaschine beigebracht.

Aber der Mann segelt für mehr als nur sich selbst. Er transportiert eine Botschaft: “Ich möchte den Blick der Menschen auf Unterschiede verändern. Ich will ihnen zeigen, dass man selbst solche eine fantastische Rennmaschine wie eine IMOCA mit ein Handicap skippern kann.”

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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