Route du Rhum: Wie “Banque Poupulaire” kenterte – Le Cleac’h beschreibt seine Rettung

"Plötzlich ein Knacken"

Während Francois Gabart und Francis Joyon die finalen Meilen vor dem Ziel in Guadeloupe bestritten, ist Armel Le Cleac’h von der Besatzung des portugiesischen Fischerbootes “Sonho de Infancia” sicher im spanischen Hafen Vigo abgesetzt worden.

Armel Le Cleac’h bedankt sich bei seinen Rettern. © BP

Dort beschreibt er, wie es zur Kenterung gekommen ist:

Der Skipper betont, wie vorsichtig er und sein Team gewesen sind. Besonders nach seinem 35-minütigen Boxenstopp vor Roscoff, als er von seinem Shoreteam ein Stromladeproblem beheben ließ und 62 Seemeilen auf den führenden Gabart verlor. Nach dem folgenden Ausfall der direkten Konkurrenten “Gitana” und “Sodebo” sei es klar gewesen, wie unangebracht jegliches Risiko mit dem frisch reparierten Trimaran sein würde. 

Die Wende gen Westen weg von den beiden Konkurrenten Gabart und Joyon habe kein extremer Angriffsversuch sein sollen. Schließlich war er schon wieder bis auf 20 Meilen an Gabart heran, der etwas weiter im Süden segelte. Vielmehr sollte das Manöver zu einer besseren Positionierung in Bezug auf eine Rechtsdrehung des Windes führen. Danach habe er zwar etwas mehr Wind gehabt mit bis zu 40 Knoten und fünf Meter hohen Wellen. Aber das sei nicht kritisch gewesen und sollte nicht sehr lange dauern.

Route du Rhum

Gitana vor Macif und Banque Pop kurz nach dem Start. © Yvan Zedda RdR2018

Schließlich segelte er mit drei Reffs und dem kleinsten Vorsegel, der J3 bei 35 Knoten Wind. “Ich habe die Geschwindigkeit wirklich reduziert, um das Boot nicht zu beschädigen”, sagt der Vendée-Sieger, der noch nicht so viel Multihull-Erfahrung aufweist, wie die Kollegen.

“Alles lief gut, und ich habe es sogar geschafft, in der Nacht zuvor ein paar Stunden zu schlafen, um mich auf die schwierigen Bedingungen vorzubereiten.” Das Boot habe sich auch normal bewegt.

“Es passierte so schnell”

Plötzlich hörte er ein “Knacken”. Le Cleac’h befindet sich im Bereich seiner “Klaviatur”, wo alle Trimmleinen im Cockpit zusammenlaufen. “In Sekunden hebt sich der Luvrumpf, und ich weiß nicht wirklich, was los ist. Ich merke, dass wir kentern. Es passiert so schnell. Ich bin überrascht. Irgendwas muss gebrochen sein.”

Das Boot kippte, und der Skipper musste in den Hauptrumpf gelangen. “Es war nicht einfach, aber irgendwie ist es mir gelungen. Dann konnte ich durch die dafür vorgesehene Luke im Schott ins Heck krabbeln, den Notfall-Koffer öffnen und mit meinem Team sprechen. Ich sagte ihnen, dass ich an Bord und in Sicherheit war, auch wenn ich Schmerzen an den Rippen fühlte. Ich war ein wenig geschockt, aber so konnte ich auf Hilfe warten. Es hat dann eine Weile gedauert.”

Der Einhand-Skipper mit seinen Rettern. © BP

Verschiedenen Sicherheitsbehörden waren eingebunden wie auch die französische und portugiesischen Marine. Der Solo-Segler wurde regelmäßig über die Fortschritte informiert. Einig Schiffe in der Region wurden umgeleitet. “Später wusste ich, dass ein Frachtschiff und ein Fischerboot zu mir fahren. Und ein französisches wie auch ein portugiesisches Flugzeug würde über meine Position fliegen. Es dauerte 6-7 Stunden bis zur Ankunft des ersten Flugzeugs, mit dem ich Kontakt aufnahm, um meine Position zu klären. Sie teilten mir mit, dass ein portugiesisches Fischerboot zu Hilfe kommen würde.”

Das Manöver vom dem Rumpf zum Schiff zu kommen sei etwas kompliziert gewesen, weil das Meer aufgewühlt und es dunkel war. “Aber zum Glück hat der Kapitän sehr gut manövriert, und die Crew war wirklich großartig. Ich bestieg meine Seenotinsel und darin bargen mich die Fischer. Sie boten mir eine Dusche an, gaben mir Kleidung, weil ich nur meinen Überlebensanzug an hatte. Wirklich eine sehr nette Crew.” Dann habe die Überfahrt nach Vigo gut drei Tage gedauert.

Die Position der treibenden “Banque Populaire”. © BP

Nun setzt das Team alles dran, den Trimaran zu bergen. Der treibt immer noch zwischen den Azoren und dem Kap Finisterre. Ein Team von Banque Populaire ist auf die Azoren gereist, um sich mit einem Team zu treffen, das von den Versicherern der “Banque Populaire IX” mit der Bergung beauftragt wurde. Die Männer sind mit einem Schiff unterwegs zur Unglücksstelle und wollen es nach Spanien schleppen.

Dabei wird sich zeigen, welche Schäden der Trimaran genommen hat. Und das Team erhofft sich auch Antworten auf die brennende Frage, was genau zu der Kenterung führte. Die Ursache kann erst ermittelt werden, wenn genauere Untersuchungen stattgefunden haben.

 

 

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Carsten Kemmling

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7 Kommentare zu „Route du Rhum: Wie “Banque Poupulaire” kenterte – Le Cleac’h beschreibt seine Rettung“

  1. avatar Nils kaiser sagt:

    wenn man das hier so alles ließt, bekleckert sich die Route nicht gerade mit viel Rhum. liegt nicht schon genug Müll in den Meeren?
    Und wie sollen die IMOCAs das VOR schaffen? liegt die Ausfallrate am alter?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 6

  2. avatar Felix sagt:

    Die imoca sind eigentlich sehr stabil, wenn dual schaust sind bisher 4von 20 ausgefallen, davon eine der ersten foil Generation, aber auch die (bureau vallee 2) vermutlich wegen einer Ufo Kollision. Insgesamt sind die imoca die gut vorbereitet waren auch gut durchgekommen. Charal ist noch nicht richtig erprobt, deshalb wundert es auch nicht dass sie zum Hafen zurückgekehrt ist. Aber auch charal ist offensichtlich wieder unterwegs, somit hatte er vermutlich nur Angst die neue Yacht im Sturm zu beschädigen, einfach weil die Erfahrungswerte fehlen.

    Alle anderen Ausfälle sind non foiler, die sind meist schon sehr alt, nicht perfekt vorbereitet und vor allem sowieso nicht zum VO zugelassen. Was die Dinger abkönnen haben armel le cléac’h und Alex Thomson bei der letzten VG ziemlich eindrucksvoll gezeigt, auf den letzten 2000nm haben sie beide den vorherigen 24h Rekord gebrochen und das nachdem sie mit ihren imoca schon einmal um die Welt waren. Mit nur einem mainsail einem Mast usw. Bei den imoca sind wohl wenn überhaupt die foils die Schwachstelle, diese sind anfällig für Kollisionen. Dafür ist bei den neueren mit Einheitsmast und Einheitskiel noch nie etwas davon zu Bruch gegangen. Spricht eigentlich für die Teile denn bei den vo65 sind regelmäßig Masten gebrochen.

    Ich könnte mir vorstellen das die top Teams fürs Vo ne neue spezielle imoca Bauen, Thomson hat ja schon öffentlich mit den Gedanken gespielt. Wird aber definitiv interessant wie die imoca das Überleben.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 0

  3. avatar herr zettpunkt sagt:

    Wer versichert denn einen Ultim Tri? Was da wohl für eine Prämie aufgerufen wird.

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    • avatar Felix sagt:

      Wer versichert generell ne Rennyacht? In der Werbezeitschrift von pantaenius war irgendwann mal ein Bericht von der Bergung von Sma vor England nach einer Verletzung von Paul meilhat. Somit haben die wohl auch nen Versicherer für Rennyachten an der hand. Wird natürlich Sau teuer sein wenn man bedenkt was so ein ultim kostet und wie oft da aktuell noch was passiert. Die Versicherungsprämie von banque populaire nun nach der zweiten kenterung mit massivem Schäden möchte ich aber definitiv nicht zahlen😅
      Dazu wird die Versicherung wohl nicht so ausschauen wie sie es bei einem normalen Boot tut, zum einen sind da vermutlich nicht die Ausrüstungsgegenstände und “Verschleißteile” mit versichert und zum anderen gibt es wohl ne wahnsinnig Höhe Selbstbeteiligung. Dies wird bei Rennautos ähnlich gehandhabt, da sind z.b. Felgen, Fahrwerk usw nicht mit versichert und wenn was passiert ist die Selbstbeteiligung exorbitant

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    • avatar Käptn Blaubär sagt:

      Ich bin mir fast sicher, dass es für einen Ultim keine Kaskoversicherungen gibt. Das Risiko ist so dermaßen groß für einen Versicherer, dass man wohl entweder eine derart hohe Prämie zu zahlen hat oder gar keine Police bekommt.

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      • avatar Felix sagt:

        Die Dinger sind versichert, sonst wäre ja kein Team der Versicherung an der Bergung beteiligt. Die Prämie und Selbstbeteiligung sind allerdings wahnsinnig hoch. Die Teams schließen solche Versicherungen trotzdem ab.

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