Rund Um Bodensee: Kein Wind für Foiler – D35 “Skinfit” siegt auf letzten Metern

Der Sonne entgegen

 

Bei der diesjährigen Bodensee Rund Um Langstrecke fiel die Entscheidung nach 100 Kilometern erst auf den letzten 600 Metern.

Eigentlich sind die Langstreckenregatten auf den großen Binnenseen im Süden nicht das, was dem typischen Foiler schmeckt. Naturgemäß benötigt er eine gewisse Windstärke, um ausreichend Geschwindigkeit für das Abheben zu entwickeln. Wind ist aber häufig genau das, was auf den Seen fehlt.

Rund UM

Die ungarische Libera “Raffica” ist schnellster Monohull. © Kaufmann

Früher dominierten deshalb die großen, leichten Liberas die Szene mit viel Segelfläche und vielen Menschen im Trapez.  Ihre Rolle haben längst die großen, leichten Katamarane übernommen, die durch geringe benetzte Fläche punkten, wenn sie einen Schwimmer heben können. Und das schaffen sie mit ihren riesigen Roll-Genuas ziemlich verlässlich.

Die Katamaran-Spitze. © Kaufmann

So ist es eigentlich klar, dass ein Einrumpfer mit Tragflächen keine Chance gegen sie haben würde. Dennoch zwickte es das Team um die drei Monnin-Brüder insbesondere das Know How von Team New Zealand Designer Jean Claude Monnin zu nutzen, den ersten fliegenden Einrumpf-Klapp-Flügler vom Stapel zu lassen. Ihr Monofoil Gonet gibt ein Gefühl dafür, wie der America’s Cup mit den Kraken-Foilern aussehen kann, und in welche Richtung sich der Segelsport in Zukunft entwickeln kann.

Schönes Spielfeld – auch ohne Wind

Die Langstrecken-Szene steht solchen Entwicklungen traditionell sehr positiv gegenüber. Die relativ offenen Regeln kreieren ein schönes Spielfeld – auch ohne Wind. Der Monofoil Gonet will sich darauf austoben und stand schon bei der Bol d’Or auf dem Genfer See im Blickpunkt. Aber die Schweizer Crew war schließlich nur heilfroh, die Apokalypse einigermaßen schadenfrei überstanden und rechtzeitig zur Halbzeit den Not-Hafen von Le Bouveret erreicht zu haben.

Monofoil Gonet

Monofoil Gonet fliegt in den Sonnenuntergang. © Kaufmann

Gonet mit hochgeklapptem Foil und großer Genua. © Kaufmann

© Kaufmann

© Kaufmann

Bei der 69. Rund Um am Bodensee folgte dann der zweite große Auftritt. Das kurze Video oben zeigt, was möglich gewesen wäre. Der 28 Fuß Foiler rauscht mühelos in Lee am zweitschnellsten Monohull, der Wilke 49 “Wild Lady” von Wolfgang Palm, vorbei. Und auch das Video vom Training zeigt einen stabilen Speed bei relativ wenig Wind:

Aber im Verlauf des Rennens kommt es dann, wie es kommen muss. Das schmale Topp-Performance-Fenster öffnet sich nur selten für den Monofoil, und in Verdrängerfahrt reicht die Länge nicht aus, um zu laufen, wie die größeren ORC-Yachten. Die Schweizer kommen schließlich als siebtes Einrumpfboot ins Ziel.

Ganz vorne machen wie gewohnt die Katamarane das Rennen unter sich aus. Sieger Fritz Trippolt benötigt für die 100 Kilometer etwa eineinhalb Stunden weniger als die Monnin Brüder. Er segelt einen Décision 35 Kat, mit dem auch Roland Gäbler den Plattensee unsicher macht, und der zurzeit als schärfste Waffe für diese Art der Regatten gilt.

Auf dem Genfer See wird mit dieser Klasse seit 2004 die von Ernesto Bertarelli initiierte D35 Trophy ausgesegelt. 12 Boote wurden gebaut, aber diese Saison ist ihre letzte. Nur noch acht Teams sind am Start, und deshalb konnte auch Trippolt einen D35 erwerben. Der Österreicher war damit der große Favorit für die Rund Um.

Zittern bis zum Ende

Allerdings musste er nach neuneinhalb Stunden auf dem Wasser bis zum Ende zittern. Das Rennen wurde erst auf den letzten 600 Metern entschieden. Im Duell mit der kleineren Ventilo 28 des Schweizers Sammy Smits dem uralt-Kat “Holy Smoke” und zwei weiteren Ventilos wechselte die Führung bei sehr schwachem Wind mehrfach. Der Vorsptung im Ziel betrug schließlich nur eine Minute.

Zieldurchgang des D35 “Skinfit”. © LSC

Die Regatta hatte mit viel Stress für die meisten Segler begonnen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hatte zwar für 305 Crews einen so professionellen Startschuss gegeben, wie man es als Ehrenkommandant der nordbayrischen Böllerschützen nur tun kann, aber das verhinderte nicht ein gewisses Chaos an der Linie. Die Mehrrumpfer kamen noch gut weg aber bei leichtem Wind verkeilten sich gleich Dutzende Schiffe.

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Start-Gedränge. © Oberschaeffler

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Gedränge beim Massenstart.© Kaufmann

Danach ging es bei weiterhin leichtem Wind relativ entspannt zu, so dass auch das vermehrte Treibholz auf dem See nicht so große Probleme bereitete wie befürchtet.

Ergebnisse Blaues Band Rund Um 2019

Ergebnisse Klassen Rund Um 2019

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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