Sail GP: Ainslies INEOS Team verbindet sich mit America’s Cup Konkurrenz-Veranstaltung

"Die Liga wächst weiter"

Ben Ainslie, erfolgreichster Olympiasegler aller Zeiten, übernimmt das Steuer des britischen SailGP Foilers. Die America’s Cup Konkurrenz dürfte sich ärgern.

Russell Coutts ist beim Aufbau des Sail GP als führende Profi-Segelsportveranstaltung einen wichtigen Schritt weiter gekommen. Nach einer spektakulären ersten Saison, bei der im Finale eine Millionen Dollar Preisgeld gezahlt wurde, konnte man alleine die fehlende sportliche Ausgeglichenheit bemängeln. Australien (Tom Slingsby) und Japan (Nathan Outteridge) wechselten sich jeweils an der Spitze ab. Aber das mag nun ein Ende haben, da ab der nächsten Saison das britischen America’s Cup Team in den Wettkampf eingreifen wird.

Ben Ainslie steigt mit dem britischen Team in den SailGP ein. © SailGP

Der von Ben Ainslie geführte Rennstall dürfte mit dem Sponsor INEOS im Rücken zurzeit über die größten finanziellen Mittel im Segelsport überhaupt verfügen und aus dem Stand in die Favoritenrolle beim SailGP rutschen.

Das Team gab bekannt, erst kurzfristig vor der ersten Weltliga-Veranstaltung (28. bis 29. Februar 2020 in Sydney)  die Crew bekannt zu geben. Aber es soll eine Mischung aus der bestehenden britischen SailGP-Crew und Cup-Spezialisten sein.

Führungsduo konzentriert sich auf Olympia

Am Steuer will sich offenbar Ben Ainslie Wettkampfpraxis für den anstehenden America’s Cup holen. Das bisherige Führungsduo Dylan Fletcher und Stuart Bithell wird in der offiziellen Mitteilung nicht erwähnt. Aber es kann vermutet werden, dass sich die 49er-Weltmeister von 2017 intensiv auf die Olympischen Spiele vorbereiten wollen und ohnehin für den SailGP nicht zur Verfügung gestanden hätten. Sie sind bereits von ihrem Verband für Japan nominiert worden. Im SailGP gehörten sie zu den vielversprechendsten Seglern, die immer näher an das Führungsduo heranrückten.

Chris Draper (l.), Ben Ainslie und Russell Coutts bei der Verkündung der neuen Partnerschaft in London. © SailGP

Für Russell Coutts und den Grand Prix ist diese Entwicklung eine frohe Botschaft. Er hat von Larry Ellison fünf Jahre Zeit und Geld bekommen, um einen sich selbst tragenden Rennzirkus zu entwickeln.

Am liebsten hätten beide diese Vision mit dem America’s Cup verwirklicht, und die meisten potenziellen Teilnehmer-Rennställe waren auch schon auf ihrer Seite – nur eben  die Neuseeländer nicht. Dummerweise erlangten ausgerechnet sie mit ihrem Cup-Gewinn das Recht, neue Regeln zu diktieren. Und da sie Patrizio Bertelli (Luna Rossa) nach dessen massiver Unterstützung verpflichtet waren, Ellison sich aber die Feindschaft von Bertelli erarbeitet hatte, musste sich der neue Cup signifikant von seinem Vorgänger in Bermuda unterscheiden.

So ist es zur Entwicklung der AC75 Kraken-Cupper gekommen, mit denen 2021 um den America’s Cup gestritten wird. Und Coutts ist darauf erpicht, dass seine F50 Onedesign Flug-Katamarane, die auf den Bermuda-Katamaranen basieren, auf jeden Fall die schnellsten Segelboote der Welt bleiben. Die F50 werden permanent weiterentwickelt und haben erstmals bei einer Regatta die 50-Knoten-Geschwindigkeitsbarriere überflügelt.

Spannender als der America’s Cup?

Coutts hat die Konkurrenz zwischen Cup und SailGP immer zurückgewiesen, und bisher gab es auch kaum Überschneidungen. Schließlich müssen die Cup-Veranstalter auch ihre America’s Cup World Series schützen. Aber nun ist mit dem Ainslie-Einstieg doch eine Verbindung entstanden. Der SailGP könnte 2020 mit den Einheitsfoilern spannender werden als die Vorregatten mit den neuen AC75, die möglicherweise in ihrer Leistungsfähigkeit weit auseinander liegen.

So ist es kein Wunder, dass sich SailGP-CEO Russell Coutts euphorisch äußert: “Wir könnten nicht glücklicher sein, dass einer der erfolgreichsten Olympiateilnehmer aller Zeiten an unserer globalen Meisterschaft teilnimmt. Mit großer Unterstützung von INEOS werden Sir Ben Ainslie und das Great Britain SailGP Team vom ersten Tag an dabei sein und einen noch spannenderen Wettbewerb in unserer wachsenden Liga schaffen.”

Neben Ainslie zählt weiterhin der America’s Cup erfahrene (Luna Rossa, Team Japan) Chris Draper zum britischen Sail GP Team. Allerdings soll er nicht segeln, sondern Management-Aufgaben übernehmen. Mit 41 Jahren fühlt sich der 49er-Olympia-Bronze-Gewinner von 2004 zu alt, für das Handling der schnellen Katamarane.

Dafür bleibt  der britische Ruder-Olypiasieger (2016) Matt Gotrel an Bord, der vor dem Rudern 49er segelte. Er ist nun von Ainslie auch in sein America’s Cup Team INEOS TEAM UK aufgenommen worden.

Ainslie sagt zur neuen Herausforderung: “SailGP hat sich als eine der aufregendsten Segelligen erwiesen, mit erstklassigem Wettbewerb und Rennen an legendären Orten auf der ganzen Welt. Die Spitzentechnologie, die Geschwindigkeit und die sportlichen Anforderungen werden eine große Herausforderung darstellen. Das britische SailGP-Team hatte eine fantastische erste Saison, und wir freuen uns, Teil dieser Reise zu sein, denn die Liga wächst weiter.”

Erweiterung der Flotte

Eigentlich sollte sich auch für die America’s Cup-Gegner der Einstieg in den Sail GP sportlich lohnen. Nirgendwo sonst können sie so gut Wettkampfpraxis mit schnellen Foilern auf höchstem Niveau sammeln. Besonders für die Amerikaner würde ein solcher Schritt Sinn machen. Beim SailGP segeln sie bisher hinterher. Nur Stars&Stripes-Steuermann Taylor Canfield kommt bisher auf dem US-Boot zum Einsatz. Sein Cup Team ist aber längst noch nicht bestätigt. Der nächste Coup für Coutts wäre es, wenn American Magic, US SailGP übernähme.

Aber auch die übrigen Teams könnten 2020 Probleme bekommen. Insbesondere die Franzosen deren Führungsd Billy Besson und Marie Riou große Chancen hat, sich im Nacra 17 für ihre zweiten Olympischen Spiele zu qualifizieren. Wenn es so weit kommt, werden sie beim SailGP wohl auch aus dem Rennen sein.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass die sechs-Boote-Flotte um ein weiteres Team ergänzt wird. Russell Coutts sagt, es würde schon mit einem neuen F50 in Neuseeland trainieren um Trainingszeit aufzuholen. Wer sich dahinter verbirgt, soll aber noch ein Geheimnis bleiben.

SailGP Zeitplan

Die Premiere der SailGP Season 2 findet vom 28. bis 29. Februar in Sydney statt, bevor sie für Veranstaltungen in San Francisco (2. bis 3. Mai) und New York (12. bis 13. Juni) in die USA zurückkehrt. Cowes auf der Isle of Wight in Großbritannien wurde kürzlich als erstes europäisches Event der zweiten Saison angekündigt, das vom 14. bis 15. August 2020 nach einer äußerst erfolgreichen Veranstaltung im Eröffnungsjahr der Meisterschaft zurückkehrt. Der Rest des Saisonplans der zweiten Saison wird in den kommenden Monaten bekannt gegeben.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Sail GP: Ainslies INEOS Team verbindet sich mit America’s Cup Konkurrenz-Veranstaltung“

  1. avatar Besserwisser sagt:

    Bein Ainslie? Arm Ainslie?

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  2. avatar Mothsegler sagt:

    Habe das Live-Announcement heute verfolgt. Auch wenn in Europa viele sehr skeptisch gegenüber Oracle, Ellison und Coutts sind (nicht zuletzt wegen deren jüngerem Verhalten gegenüber Alinghi, Luna Rossa und ETNZ), ist dies der absolut richtige Schritt, um (endlich!) eine Art „Formel1 des Segelns“ zu schaffen.
    Obwohl zwar viele Klassen und Circuits diesen Titel für sich beanspruchten, hat es bisher niemand geschafft, das mediale Interesse und broadcasting dermaßen gut rüberzubringen wie die letzten beiden ACs und jetzt das SailGP.
    Ich freue mich sowohl auf die nächste SailGP Saison als auch auf den AC im März 2021.
    Und wer weiß, vllt finden sich ja doch mal irgendwann potente deutsche Sponsoren, ein paar findige Sail-Manager à la Chris Draper und bringen z.B. Erik und Tommy nach einer hofffentlich weiteren Medallie aus Tokyo in ein „SailGP Team GER“.

    Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 2

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