Sail GP: Heizen mit der Helmkamera – Wie die Cup- und GP-Welten ineinander greifen

Die Profi-Foiler

Beim Sail GP in Sydney sind die ersten Trainingsrennen gestartet. Onboard- und Drohnen-Bilder. Wie sich der GP mit dem America’s Cup verträgt, warum der Oracle Coach mittendrin ist, wann es ein deutsches Team gibt.

Es ist eine ungewöhnliche Laufbahn für einen Franzosen. Philippe Presti (53) einer ihrer besten und verdientesten Segler hat sein Spielfeld nicht auf hoher See gefunden, sondern im America’s Cup. Diese Regatta, bei der Franzosen zwar gerne mitspielen, aber regelmäßig zu knapp bei Kasse sind, um wirklich etwas reißen zu können.

China mit Phil Robertson am Steuer führt an der ersten Marke des Practice Races. © Chris Cameron SailGP

Sail GP

Die 50 Fußer rasen auf die erste Wendemarke zu. © Chris Cameron SailGP

Presti ist der Über-Coach der schnellsten Segler der Welt. Er trainierte das Oracle Racing Team bei den America’s Cups 2013 und 2017, ist inzwischen bei Luna Rossa gelandet und coacht nun seine ehemaligen Oracle-Schützlinge Tom Slingsby und Kyle Langford beim australischen Sail GP-Team. Der Finn Dinghy Doppelweltmeister (1993, 96)  und Soling-Olympionike (2000) bestreitet mit den Italienern seinen sechsten America’s Cup.

Philippe Presti

Philippe Presti spricht als Oracle-Coach mit Tom Slingsby. © Sam Greenfield/Oracle Team

Der Franzose ist ein Beispiel dafür, wie klein die Welt der Profi-Speed-Segler ist. Spezialisten können nicht mal eben aus dem Hut gezaubert werden. Und wenn eine solch mächtige Regatta wie der Sail GP von Larry Ellison und Russell Coutts aus der Taufe gehoben wird, muss eine spektakuläre Initiative wie die australische SuperFoiler-Serie wie gerade geschehen eben verschoben werden. Denn die Protagonisten wie Nathan Outteridge haben nun ein lukratives Engagement beim den F50 Nationalteams gefunden. Ersatz gibt es nicht.

Wie führt man Segler an diese High Speed Szene heran? Der Sail GP ist eine gute Möglichkeit. Die Newcomer kommen aus den olympischen Highspeed-Klassen wie 49er und Nacra 17.

Dylan Fletcher und Stuart Bithell haben eben noch in Miami Erik Heil und Thomas Plößel im 49er das Leben schwer gemacht, sind aber klar von ihnen geschlagen worden. Nun führen sie den britischen F50 über den Rennparcours in Sydney. Sie werden dabei vom erfahrenen Chris Draper unterstützt, dem ehemaligen Luna Rossa Steuermann und dann Taktiker / Wing Trimmer beim SoftBank Team Japan.

Oder Jason Waterhouse. Der australische Nacra17 Olympia-Silber-Gewinner ist Taktiker und Wing Controller für Tom Slingsby. Solche Einsätze würde man den deutschen Seglern wünschen. Die Fähigkeiten sind vielfach vorhanden, eine ernstzunehmende Initiative aber noch nicht. Der Sail GP mag eine Möglichkeit sein, auf längere Sicht, einen Fuß in die Türe zu bekommen.

Die Welten rücken zusammen. Und es scheint auch so, dass die Neuseeländer als America’s Cup Verteidiger etwas entspannter auf die vermeintliche Konkurrenz zum Sail GP sehen als es Oracle noch getan hat. So wurde damals Seglern Teilnahmen am Grand Prix der GC32 Foiler verboten, um die Aufmerksamkeit für den Cup nicht zu trüben.

Einem Presti ist es nun aber erlaubt, die Australier zu coachen und danach nahtlos und auch parallel seine Aufgaben beim Luna Rossa Cup Team zu erledigen. Und der Amerikaner Tailor Canfield darf sein US-AC-Team Stars & Stripes führen, aber ebenso beim USA SailGP Team das Foilen lernen.

Die selbe Jury

Die Szene empfindet das bereichernd. Presti sagt: “Meine Chance den Sail GP nahe zu begleiten ist auch gut für Luna Rossa. Allein schon weil der America’s Cup von der selben Jury begleitet wird.”

Seine Aufgabe für die Italiener ist es auch, neue junge Segler an das schnelle Foilersegeln heranzuführen. Das ist eine der Vorgaben, die Team-Besitzer Patrizio Bertelli für sein Luna Rossa Team definiert hat. Die Ausbildung soll nachhaltig sein. Presti bildet zwei Assitenztrainier aus und hilft bei der Entwicklung eines Simulators, der für das Training mit den neuen AC75 Foilern eingesetzt werden soll.

Die Entwicklung schreitet voran. Viel kommt darauf an, wie der Sail GP in einer Woche verläuft. Sollte er so einschlagen, wie Russell Coutts es gerne sieht, würde sich die Welt des Profi-Segelns wieder einer größeren Zahl von Seglern öffnen. Dann wäre es nur eine Frage der Zeit, wann auch Deutschland wieder einmal eine Rolle auf der großen Bühne des internationalen Segelsports spielen könnte. Die passenden Sportler dafür stehen Gewehr bei Fuß.

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

14 Kommentare zu „Sail GP: Heizen mit der Helmkamera – Wie die Cup- und GP-Welten ineinander greifen“

  1. avatar Thibault sagt:

    Es wäre sehr wünschenswert wenn Deutschland mal wieder auf der grosse Bühne des Segeln präsent wäre.
    Ich sehe da aber leider eher schwarz. Da weder reiche Eigner noch grosse multinationale Konzerne – von denen es viele bei uns gibt – ins Segeln investieren.
    Hier mal ein Überblick wie gut Segeln bei uns läuft:
    Boris Hermann einer der besten deutschen Segler wird vom Fürstentum Monaco unterstützt – deutsche Grosssponsoren = Fehlanzeige
    Offshore Team Germany – nach dem Abgang von Jörg Riechers kein Lebenszeichen mehr – scheint zumindest klinisch tot.
    OK denn gibt es noch die Bundesliga – das ist aber eher nationaler Level…
    Das wars – nicht wirklich viel oder?!
    Warum sollten Larry Ellison und Russel Coutts auch nur einen Cent in ein seglerisches Entwicklungsland wie Deutschland investieren wo es weder Geld noch Interesse fürs Segeln gibt. Geld und Potential sind da, werden aber lieber im Ausland investiert, sowohl von Sponsoren und Eignern. Vielleicht sollten sich die reichen Eigner beim anstehenden German Offshore Award mal Gedanken darüber machen warum das Profisegel in Deutschland nicht vorhanden ist und warum talentierten deutschen Segler die Profilaufbahn verwährt bleibt… wäre doch mal ein schöner Denkansatz, oder?!?!

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    • avatar Geronimo sagt:

      Borishermannracing hat nur ca. 3660 FB-Abonnenten.

      Jörg Riechers Sailing ca. 1537 FB-Abonnenten.

      Die beiden Segler sind also werbetechnisch uninteressant.

      Dasselbe gilt für das Regattasegeln.

      Deutschland ist kein Segelland sondern ein Fußballland !

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    • avatar Sven 14Footer sagt:

      Das Geld ist in Deutschland vorhanden und auch der Wille es für Segelkampagnen auszugeben. Allerdings nur sehr selten unter deutscher Flagge. Warum nicht? Das würde mich sehr interessieren.
      Mercedes und Hugo Boss jahrelang für Alex Tompson, PUMA 2 VOR Kampagnen aber unter USA Flagge
      BMW im Americas Cup im Team Oracle, AUDI hat viel ins Segeln investiert, SAP im Team New Zealand und Hasso Plattner. Wobei Familie Plattner lieber für Südafrika startet.
      Ich habe bestimmt noch einige vergessen

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      • avatar Firstler sagt:

        Warum nicht? Ist doch klar: Diese deutschen Unternehmen nutzen den Segelsport als Werbeträger in denjenigen Nationen, wo Segeln als Werbeträger funktioniert. Diese Unternehmen sind ja schließlich global unterwegs. Wie Geronimo schon schrieb, in Deutschland sucht man sich dann (völlig zurecght) lieber andere Platformen, über die man mehr Leute erreicht.

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    • avatar Manfred sagt:

      @ Thibault: “”Vielleicht sollten sich die reichen Eigner beim anstehenden German Offshore Award mal Gedanken darüber machen warum das Profisegel in Deutschland nicht vorhanden ist und warum talentierten deutschen Segler die Profilaufbahn verwährt bleibt… wäre doch mal ein schöner Denkansatz, oder?!?!””

      Warum immer die anderen??? Eigeninitiative ist gefragt. DAS wollen potentielle Sponsoren sehen. Erstmal etwas vorzeigen. Vielleicht eine Medaille bei OL oder ein Yachtmaster Zertifikat oder internationale Titel in aktuell bedeutenden Klassen, wie A-Cat, Moth, Star, Finn. Doch dafür muss man sich mächtig quälen, ein entbehrungsreiches Leben führen, aus der Reisetasche leben, im VAN durch Europa zu den Wettbewerben reisen. Die Profilaufbahn wird bestimmt niemandem verwehrt bleiben, der den nötigen Einsatz zeigt.

      Gibt doch wenige gute Beispiele. Fragt mal bei Boris oder Jörg nach, was das für eine Büffelei ist da in FRA und was die vorher gemacht haben, um auf sich aufmerksam zu machen. Da musst du wenigstens zweihundert Winschen zerlegt, geschmiert und zusammen gesetzt haben. 500 mal im Mast gewesen sein, usw.

      Man wird sich allerdings für einen Weg entscheiden müssen. Hochsee-Held oder Segel-Nascar-King auf Kurzstrecke. Beides zu erreichen halte ich beim aktuellen Stand der Dinge für einen Segler aus GER für äußerst schwierig.

      PS: Ich kann es mir nicht verkneifen: Die BULA wird es nicht richten. Mein Wort.

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      • avatar Geronimo sagt:

        Eigeninitiative reicht nicht. Es mangelt den deutschen Aspiranten vor allem an der Medienkompetenz. Segeln können sie, aber hinsichtlich ihrer Präsentation in den Medien mangelt es an dem Talent eines Alex Thomson oder einer Clarisse Cremer.

        Einer der beiden “nuschelt”, so dass man ihn kaum verstehen kann, der andere schreibt seltsame Berichte. So wird das leider nichts !

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  2. avatar steehl sagt:

    Und da wäre da noch Alex Thomson mit Hugo Boss und zumindest letztes Jahr auch noch Mercedes als Hauptsponsoren (Jetzt ist wohl Nokia statt Mercedes dabei). Deutsche Konzerne sponsern also doch, nur eben mangels Sichtbarkeit wohl keinen Deutschen.

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  3. avatar Thibault sagt:

    Ich finde die Kommentare von Geronimo und Steehl sehr stellvertretend dafür warum Segeln in Deutschland leider keine Zukunft hat. Ich denke beide sind Segler – finden ihren Sport und die Protagonisten ihres Sports so schlecht, das sie sie für uninteressant halten.
    Wären die Franzosen so mit Tabarly ungegangen, wären unsere Nachbarn jetzt nicht die Könige des Offshore Segelns.
    Es tut mir Leid aber solange diese ablehnende Haltung gegenüber den eigenen deutschen Talenten herrscht, hat es Deutschland auch nicht verdient in der Top Liga des Segeln mitzuspielen. Zur Zeit ist Deutschland im besten Fall zweite Liga und es droht der Abstieg in die Dritte Liga – Schade, es stimmt mich traurig….

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    • avatar Geronimo sagt:

      Du hast mich falsch verstanden, denn ich habe nicht meine Meinung zu den beiden Protagonisten kundgetan, sondern nur festgestellt, dass das öffentliche Interessen an den beiden Personen gering ist.

      Deutschland ist auch aufgrund seiner kurzen Küstenlinie keine Seefahrernation. Daher wird der Segelsport in D nie so populär wie in Frankreich oder GB sein.
      Das geringe Interesse am Segelsport in D liegt also grösstenteils an den geografischen Gegebenheiten.

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      • avatar Gerd sagt:

        Was hat denn Leidenschaft und das “brennen” dafür mit einer Küstenlinie zu tun?

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        • avatar Geronimo sagt:

          Ist es denn wirklich so schwer zu verstehen, dass das Segeln es in D so schwer hat, da wir zwar von 9 Ländern ( Dänemark Tschechien Polen Österreich Schweiz Frankreich Luxemburg Belgien Niederlande.) aber nur von wenig Wasser umgeben sind.

          Demzufolge findet das Segeln in den grossen Medien (TV) so gut wie nicht statt. Das Interesse der Bevölkerung am Segeln ist so gering, dass die Sponsoren sich lieber populäreren Sportarten zuwenden.
          Deutsche AC-Initiativen und ähnliche Kampagnen sind bisher regelmässig nach kurzer Zeit gescheitert, auch wenn die Initiatoren voller Leidenschaft dafür “gebrannt” haben.

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          • avatar Paul sagt:

            Es war in D auch schon anders.

            Aber wenn wunderts, nachdem in 2015 soviele absolut unqualifizierte Leute hierher gekommen sind, Leistung nicht gefragt ist und es sich bequemst von Harz4 lebt. Die Migranten interessieren sich nicht für Segeln. Die normalen Leute haben zunehmend andere Sorgen. Und die grossen Medien (TV) sind zu langweiligen Mainstream Bedienern verkommen.

            Was will man da erwarten? Die deutsche Politik (bzw. Stimmbürger) sind unfähig, etwas zu ändern, leider ziemlich unschön, nicht nur fürs Segeln…

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  4. avatar Müller sagt:

    Um Himmels Willen “Paul”, diese Logik muss doch selbst im Kopf eines rechten Trolls grauenhafte Schmerzen verursachen…

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  5. avatar Paul sagt:

    Sorry, Herr Müller, es war mir natürlich schon klar, dass mein Beitrag etwas an der Grenze des Sagbaren liegt. Ein Troll bin ich nicht. Und auch nicht rechts fwiw. Habe allerdings die Augen offen.

    Falls hier segelferne Links akzeptiert sind, dann, Herr Müller, lesen Sie doch mal dieses aktuelle NZZ Interview: https://www.nzz.ch/feuilleton/medien/springer-ceo-doepfner-viele-verhalten-sich-unjournalistisch-ld.1457143. Ansonsten bitte gerne meine(n) Kommentar(e) wieder löschen, möchte hier nicht stören und schreibe auch nicht mehr zu diesem Thema.

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