Sail GP Replay: Cup-Spezialisten dominieren – Duell Slingsby gegen Outteridge

Das war der erste Streich

Die erste Renntag des Sail GP in Sydney hat deutlich gemacht, wie sehr die Foiling-Disziplin dieser Tage von der Down-Under-Garde dominiert wird. Die europäischen Newcomer haben es schwer.

Der mit Spannung erwartete Auftakt des Sail GP ist am Morgen im fernen Sydney über die Bühne gegangen. Leichte Winde unter 10 Knoten setzten die Veranstalter unter Druck, das geplante Programm durchziehen zu können. Aber schließlich zeigten die neuen F50 Rennmaschinen, warum Russell Coutts so begeistert von ihnen ist. Sie minimieren die Ausfallzeiten für das Fernsehen und kommen eben auch bei Leichtwind ins Fliegen.

Die F50 Flotte beim Start. © Sail GP

Einige Regatten der America’s Cup World Series mit den kleineren AC45 Katamaranen, die vor 2013 ohne und vor 2017 mit Tragflächen zum Einsatz kamen, gerieten bei solchen Bedingungen zu Farce. Die Zweirümpfer trieben zum Beispiel in New York ohne Wind auf dem Hudson. Und Zweirumpfer bei Flaute sind besonders unattraktiv.

In Sydney dagegen rauschen die sechs F50 Kats bei knapp sieben Knoten Wind 30 Knoten schnell um Shark Island herum. Mit starkem Wind mögen die Rennen spektakulärer sein, aber sportlich finden sie definitiv auf höchstem Niveau statt.

Dominante Australier

Wie erwartet, dominieren zwei Teams. Die Australier mit vier von fünf Seglern, die beim Oracle Team USA zusammengearbeitet haben sowie Jason Waterhouse, dem Nacra17-Silber-Gewinner in Rio und 2017 America’s Cup Taktiker beim Softbank Team Japan, sind die Top Favoriten.

Die Briten vor der Oper. Die 49er Spezialisten erreichen einen soliden dritten Platz. © Sail GP

Auch wenn das Team aus einer Enttäuschung heraus entstanden ist. Tom Slingsby wollte schließlich ein Aussie-Team für den America’s Cup aufstellen, und der Laser-Olympiasieger stand wohl auch kurz davor. Schließlich scheiterte er aber doch und kam auch bei keinem anderen Team unter.

So ist der Sail GP quasi für ihn gemacht: Einheitsboote, viel Nationalstolz beim Auftakt im eigenen Land, auf dem Papier die beste Crew und Larry Ellison zahlt pro Team fünf Millionen Dollar garantiert über drei Jahre. Dann sollen sich die Rennställe selber finanzieren.

Salto Mortale

Slingsby konnte bisher seine eigene Leistungsfähigkeit am Foiler-Steuer auf offizielle Bühne noch nicht so richtig unter Beweis stellen. Als der Oracle Taktiker bei der AC-World-Series-Regatta 2016 in Toulon den verletzten Steuermann Spithill ersetzen durfte, legte er schon beim Training einen Salto Mortale hin und kam danach auch nicht wieder in Schwung.

Die Australier gewinnen zwei von drei Rennen. © Sail GP

So mochte Landsmann Nathan Outteridge nun in Syney bei den Buchmachern besser dastehen. Schließlich gilt der 49er Olympiasieger und Moth Weltmeister als absoluter Überflieger der Szene. Besonders seine Zeit als Artemis-Steuermann hat ihn mit dem F50 Sportgerät mehr als alle anderen Kollegen vertraut gemacht.

Er verfügt mit Iain Jensen über seinen vertrauten Wing-Man und auch der Australier Luke Parkinson als Flight Controller und Taktiker gerhörte zum Artemis Team. Die beiden Japaner auf den Grinder-Postionen Kasatani und Yoshida segelten im America’s Cup 2017 für das Softbank Team. Sie sollen später mehr Verantwortung übernehmen, wenn die Australier wieder von Bord gehen. Japan und China ist in der Lernphase der ersten Saison ausländisches Knwo How erlaubt, auch um enge Rennen zu ermöglichen.

Sieg nach schlechtem Start

So ist es auch kein Wunder, dass Outteridge und Co den ersten Lauf in Sydney gewinnen. Überraschend allerdings, wie der Sieg zustande kommt. Outteridge gelingt nur ein überaus schlechter Start. Als Letzter quert er die Linie. Die Kollegen aus den Olympia-Klassen zeigen ein besseres Timing. Und besonders Match Racer Phil Robertson, der das Millionen-Finale der Duell-Saison 2016 im M32 High-Speed-Kat gewann, gelingt ein risikoreicher Start in Luv, und der Neuseeländer setzt sich nach der ersten Halse an die Spitze.

Marie Riou als einzige Frau an Bord des französischen Teams. © Sail GP

Aber dann zaubert Outteridge. Er halst noch schneller sofort nach ersten Marke und rauscht mit frischem Wind an der gesamten Flotte vorbei. Robertson versucht mit einem aggressivem Luven das Überholmanöver zu vermeiden, aber Outteridge ist zu schnell.

Slingsby dagegen enttäuscht. Die Australier segeln lange hinterher und erst im letzten Teil des Rennens verholen sie sich noch auf Platz vier. Sind sie doch nicht so gut? Bevor Kritik aufkommt, läuft es besser. Sie gewinnen die beide nächsten Läufe.

Outteridge mit Frühstart

Im ersten Rennen hilft noch ein Frühstart des größten Konkurrenten Outteridge, der ohne Not etwas zu früh über die Linie rast und ein Layline-Fehler der Briten am ersten Leetor. Im zweiten Lauf führt dann aber ein überragender Start zum Rennsieg.

Die Flotte nach dem Start. © Sail GP

Die kurzen Rennen machen deutlich, wie schnell sich das Feld auseinander zieht. Und die Läufe scheinen schnell entschieden. Aber andererseits kann man mit einer entsprechenden Böe auch gut aufholen. Im zweiten Rennen ist Japan plötzlich wieder dran an den Aussies. Es geht durchaus darum, Winddreher und Böen auszunutzen – Wie beim richtigen Segeln 🙂 – Es reicht nicht aus, bis zu den Spiefeldgrenzen zu segeln.

Das klappt durch die nun mehrfach möglichen Foiling-Wenden durchaus so, wie erhofft. So verläuft das zweite Rennen sehr spannend. Wenn es der Regie oder dem Drohnen-Pilot gelänge,  etwas sensibler auch die knappen und taktisch entscheidenden Crosses im Feld einzufangen, wäre es noch interessanter. Denn es gibt viele Verschiebungen in der Flotte.

Unter Wert haben sich die Franzosen geschlagen. Im ersten Lauf segeln sie auf Platz drei liegend offenbar am Ziel vorbei. Mit den fehlenden drei Punkten fallen sie auf den letzten Platz zurück, sonst wären sie Dritte. So können die Briten viel Potenzial zeigen, und sie liegen auf dem Podium-Platz.

Rangliste nach den ersten drei Rennen.

Aber es war ja nur der erste Tag. Und der kann sich sehen lassen. Morgen von 6 bis 8 Uhr deutscher Zeit geht es weiter. Die Übertragung auf dem IPhone klappt gut (Link zum App Download). Und die Live-Berichterstattung auf der Sail GP Facebook-Seite hat auch funktioniert. Vielleicht noch etwas den Pfeifton runterdrehen, der den Foil-Speed dokumentieren soll und dann mal sehen, was da noch kommt.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

3 Kommentare zu „Sail GP Replay: Cup-Spezialisten dominieren – Duell Slingsby gegen Outteridge“

  1. avatar Andreas Borrink sagt:

    Ja, das war doch schon ansatzweise recht spannend! Die Regie ist noch nicht up to standard und der Lapsus mit dem zu früh angesagten Zieldurchgang sei den Kommentatoren verziehen – shit happens. Und ja, das Pfeifen nervt nachhaltig, auch bei Shirley Robertson wäre weniger machmal mehr; erinnert ein bisschen an Laura Wontorra beim Fussball oder Kai Ebel bei F1….

    Leider ist morgen wohl auch nicht mehr “prescha”:

    https://www.windfinder.com/forecast/sydney_harbour

    …..bei 12-15kn müsste es doch erst richtig spannend werden! Bin jedenfalls wieder dran. Senile Bettflucht sei Dank.

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  2. avatar Geronimo sagt:

    Nach wenigen Minuten der o.a. Live Coverage wurde es mir zu langweilig. Die Boote lagen viel zu weit auseinander, um Spannung aufkommen zu lassen. Man sieht ja nicht einmal auf Anhieb ob gegen den Wind oder vorm Wind gesegelt wird.
    Mit meinem Segelsport hat das alles nichts mehr zu tun.

    Ich wünsche mir wieder die spannenden Bilder der alten 12er herbei, wo es spannende Bord an Bord-Kämpfe und tolle Vorwindduelle gab,

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 6

  3. avatar jorgo sagt:

    Ziemlich langweilig bisher. So sind sie nun mal, die Foiling Regatten bei wechselnden Winden.
    Wahnsinnige Geschwindigkeit-Unterschiede. Wie soll da ein richtiger “Boot gegen Boot”- Kampf entstehen?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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